Springreiter statt Arzt: Sameh El Dahan lebt seinen Traum

Springreiter statt Arzt : Sameh El Dahan lebt seinen Traum

Sameh El Dahan ist als erster Ägypter überhaupt bei eienem Weltcup-Finale gestartet. Eigentlich wollte der Ägypter Arzt werden. Doch der Mann aus Kairo entschied sich für die Springreiter-Karriere und gegen die Arbeit in der Klinik seiner Familie.

Der Ägypter an sich glaubt durchaus an die Vorsehung. Daher nahm Sameh El Dahan den Traum auch ernst. „Meine Geschäftspartnerin Joanne meinte eines Morgens, sie hätte geträumt, dass ich in Calgary gewinnen würde“, erzählt der 34-Jährige und lacht. Doch – vielleicht anders als ein nüchterner Deutscher – fügt er hinzu: „Ich denke, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert.“ Zwar war der Turnierplan ganz auf die Weltreiterspiele in Tryon ausgerichtet, doch El Dahan plante kurzfristig um, startete im September 2918 im kanadischen Spruce Meadows und gewann auf Suma’s Zorro den Rolex Grand Slam.

„Unglaublich, was danach los war. Vorher war ich nur ein Außenseiter, auf einmal kannte mich jeder. Die Resonanz in Ägypten war überwältigend“, sagt El Dahan strahlend. Zwar war er 2012 – als erster Ägypter überhaupt – beim Weltcup-Finale gestartet und mit Pepperpot 22. geworden, hatte 2014 bei den Weltreiterspielen zum ägyptischen Team (Rang 21, Einzel 56.) gehört, doch merkte die Konkurrenz erst vor gut einem Jahr beim Global Champions-Turnier in Paris auf, bei dem der Ägypter überraschend den Großen Preis gewann.

Sein Lebensweg war anders geplant. Sameh El Dahan stammt aus einer Mediziner-Familie, die ein privates Krankenhaus in Kairo betreibt. Er studierte Medizin, ist seit 2008 approbierter Arzt. „Ich könnte morgen in der Klinik anfangen“, bestätigt er grinsend, „aber in meinem dritten Studienjahr war, wurde mir klar, dass Reiten meine Berufung ist.“

Zarte fünf Jahre war er alt, als er erstmals aufs Pferd stieg. „Mein fünf Jahre älterer Bruder Mohammed hat mich mitgenommen, ich war sofort Feuer und Flamme.“ Seine Leidenschaft forderte von Beginn an einen besonderen Einsatz. „Mein Bruder hat mich jeden Tag um 5 Uhr geweckt, aufstehen, duschen, ab in den Stall, reiten. Und um 8 Uhr saß ich in der Schule.“ Man muss schon viel Leidenschaft für einen Sport aufbringen, um das durchzuhalten. El Dahan lacht: „Ich liebe alle Tiere, habe Hunde, kümmere mich auch um Straßenkatzen, aber Pferde waren von klein an meine Leidenschaft.“

Mit neun Jahren ritt er sein erstes Turnier – und gewann. Als sein Bruder das Medizinstudium an erste Stelle stellte, übernahm Sameh El Dahan zwei Pferde von ihm. „Als ich meiner Familie mitgeteilt habe, dass ich nicht als Arzt arbeiten werde, war die nicht sehr überrascht. So oft es geht, kommen sie zum Turnier oder mich besuchen.“ Besuchen, denn El Dahan lebt seit 2011 in Irland. „Als ich dort ankam, hat es geregnet. Das war toll. Wenn es in Ägypten mal regnet, feiern die Menschen auf der Straße“, erzählt er und fügt seufzend hinzu: „Doch am zweiten, dritten und den folgenden Tagen hat es weiter geregnet, da hatte ich genug. Mit dem Regen kann ich mich bis heute nicht ganz abfinden.“

Sameh El Dahan jubelt nach dem Gewinn des Rolex Grand Slam. Foto: imago/ZUMA Press/Artur Widak

Cian O’Connor, der in Ägypten einen Lehrgang gegeben hatte, hatte ihn nach Irland geholt. „Ich sollte seine Pferde mit auf der Sunshine-Tour reiten. Doch dann rief Joanne Sloan Allen an, deren Reiter sich den Arm gebrochen hat, und fragte Cian, ob er Ersatz wüsste.“ El Dahan half aus – und betreibt inzwischen mit der Irin unweit von Belfast die Sycamore-Stables, in denen jungen Pferde ausgebildet und in den Sport gebracht werden. „Wir haben eine tolle Partnerschaft“, sagt El Dahan. Seine Partnerin hatte die Angloaraber-Stute Suma’s Zorro als Fohlen gekauft, El Dahan sie ausgebildet und in den Sport gebracht.

Momentan fehlt etwas die Zeit, sein Ziel ist aber, ein Zentrum aufzubauen und den Reitsport in Ägypten weiter zu fördern. „Wir haben viele gute Reiter und auch gute Pferde“, hofft der 34-Jährige, sich mit dem ägyptischen Team im Oktober bei der Olympia-Qualifikation in Marokko für Tokio 2020 zu qualifizieren.

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