Pferdetausch bei der Familie Sandmanns

Pferdetausch bei der Familie Sandmanns

Der amtierende Deutsche Meister und beste nationale Gespannfahrer Christoph Sandmann verschafft seiner Tochter Anna beim CHIO einen (legitimen) Vorteil: Der Ranglistenerste stellt der 22-Jährigen für ihre Aachen-Premiere seinen besten Viererzug zur Verfügung und fährt selber die „zweite Garnitur“.

„Das haben wir zu Beginn des Jahres so besprochen. Christoph will seine Tochter, die ja mit dem Zweispänner sehr erfolgreich war, mehr fördern. Das unterstütze ich natürlich“, zeigt Bundestrainer Karl-Heinz Geiger vollstes Verständnis. „Zudem laboriert er an den Folgen eines Sehnenrisses.“

Im Jahr 2013 noch auf dem Zweispänner, beim CHIO jetzt mit dem Viererzug unterwegs: Christoph Sandmann und Tochter Anna. Bundestrainer Karl-Heinz Geiger (kl. Foto) unterstützt diese Maßnahme der Familie Sandmann. Foto: imago/Rau/Michael von Fisenne

Der ALRV hatte den deutschen Gespannfahrern einen sechsten Starterplatz zur Verfügung gestellt, „um den Nachwuchs zu fördern“, wie Geiger sagt. „Wir waren uns schnell einig, dass sie hier, wo die weltbesten Gespanne unterwegs sind, bei ihrer ersten Teilnahme nicht untergehen soll. Also fährt Anna den ersten Viererzug.“

Der „Preis“, den Sandmann „zahlt“: Er ist als Einzelfahrer unterwegs, gehört nicht zur Mannschaft, für die Georg von Stein, Michael Brauchle und Mareike Harm nominiert sind. Zudem absolviert Sebastian Hess als sechster deutscher Teilnehmer seine Aachen-Premiere. Hess war bei der entscheidenden Prüfung in Riesenbeck um einen Hundertstel Punkt besser als René Poensgen aus Eschweiler. „Das ist schade für den Lokalmatador, aber wir mussten diese Entscheidung treffen“, sagt Geiger.

Der Bundestrainer klingt, wenn es um die Gesamtwertung in Einzel- und Teamwertung aus Dressur (Donnerstag), Marathon (Samstag) und Hindernisfahren (Sonntag) geht, nicht ganz so euphorisch: „Sandmann, der für die Deutsche Meisterschaft im August und die WM im September im amerikanischen Tryon gesetzt ist, ist hier ja nicht im Team. Und Brauchle hat ein Ersatzpferd im Gespann.“

Geiger sieht die Niederlande mit Ijsbrand Chardon, seinem Sohn Bram bei dessen CHIO-Premiere und Koos de Ronde als Teamfavoriten. „Zugelegt hat auch Frankreich, Belgien ist sowieso stark. Für uns ist zwischen Platz zwei und vier alles möglich“, mutmaßt er. In der Einzelwertung tippt Geiger (natürlich) auf Seriensieger Boyd Exell aus Australien: „Ihn sehe ich trotz eines Fußbruchs unangefochten an der Spitze.“ Er räumt aber auch Ijsbrand Chardon und dem Amerikaner Chester Weber Chancen ein. „Stärkster Deutscher wird vermutlich Georg von Stein“, sagt er.

(wp)
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