Aachen: Ohne gesperrte Werth hat Dressurteam keine Chance

Aachen: Ohne gesperrte Werth hat Dressurteam keine Chance

Ohne die gesperrte Dressur-Königin Isabell Werth hat die deutsche Mannschaft keine Chance: Im Nationenpreis beim größten Reitturnier der Welt musste sich die Gastgeber-Equipe mit dem zweiten Platz begnügen und offenbarte ein Nachwuchsproblem. Den Sieg feierten die Niederländer.

„Wir hätten das aus eigener Kraft gewinnen können, aber alle haben geschwächelt”, sagte Bundestrainer Holger Schmezer. „Die Niederländer waren gleichmäßiger und haben daher verdient gewonnen.”

Die Gastgeber-Equipe kam nur zu einer Gesamtsumme von 210,213 Prozentpunkten und musste die Niederlande (212,256) klar vorbeiziehen lassen. Es war erst das zweite Mal, dass die deutsche Equipe in Aachen nicht gewonnen hat. Sieger in der Einzelwertung wurde der für die USA startende Steffen Peters mit Ravel (77,830). Bester deutscher Starter war Matthias Alexander Rath (Kronberg) mit Sterntaler (71,362) als Fünfter.

Noch schwieriger dürfte es ohne die in eine Doping-Affäre verwickelte Werth bei der Europameisterschaft Ende August in Windsor werden, denn die Niederlande war in Aachen nicht mit der stärksten Mannschaft am Start. Der schärfste Konkurrent des deutschen Teams schonte unter anderem den nationalen Meister Edward Gal. Die hohen Wertungen der bisherigen Vorreiterin Werth, bei deren Nachwuchspferd Whisper eine positive Dopingprobe vorliegt, werden dort noch mehr fehlen.

Rath musste als Schlussreiter ins Vioereck. Der erst 24 Jahre alte Student trug damit die Hauptverantwortung und hatte nur kleine Fehler bei den Einerwechseln und einer Piroutte. „Der Junge hat das gut gemacht”, sagte Assistenz-Bundestrainer Jonny Hilberath. Das zweitbeste Ergebnis hatte am Tag zuvor Heike Kemmer (Winsen) mit Bonaparte (70,723) abgeliefert.

Einen Einbruch erlebte hingegen Ulla Salzgeber. Die 50-jährige Reiterin aus Bad Wörishofen hatte bei den deutschen Meisterschaften in Balve ein starkes Comeback gefeiert und mit ihrem neuen Pferd Herzrufs Erbe den dritten Platz belegt. Doch in Aachen zeigte die Mannschafts-Olympiasiegerin mit dem zehnjährigen Wallach nur eine mittelmäßige Vorstellung. 68,128 Prozent waren angesichts der DM- Vorstellung zu wenig.

„Das war schon enttäuschend”, kommentierte Schmezer: „So eine Prüfung habe ich von diesem Pferd noch nicht gesehen.” Mehrere Fehler in der Galopp-Tour und bei den Wechseln waren zu viel für eine bessere Note. Ihren Platz im Team für die Europameisterschaften dürfte Salzgeber dennoch sicher haben - mangels Konkurrenz.

Das schlechteste Ergebnis und damit das Streichresultat für die deutsche Mannschaft lieferte Ellen Schulten-Baumer. Die Reiterin aus Rheinberg war nach der Sperre für Isabell Werth nachnominiert worden und erhielt für ihren Ritt mit Lesotho lediglich 67,787 Prozent. Der Traum vom EM-Start muss deshalb aber nicht platzen, weil es wenig Ersatz gibt.

Mehr von Aachener Nachrichten