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Dorothee Schneider: Mit Showtime das WM-Ticket als Ziel

Dorothee Schneider : Mit Showtime das WM-Ticket als Ziel

Team-Olympiasiegerin Dorothee Schneider startet in Aachen nicht in der deutschen Dressurequipe. „Showi“ befindet sich noch im Aufbau.

Stell Dir vor, es sind Olympische Spiele, und Du liegt auf Medaillenkurs. Du trittst als Erste für das Team an und legst richtig toll vor. „Zum Zungeschnalzen“, kommentiert der deutsche Fernsehsportreporter für die Dressurwelt daheim. Deine Kollegen lassen ebenfalls nichts liegen. Du gewinnst Gold mit der Mannschaft, und zwar deutlich vor den USA und Großbritannien. Dann kommt der Einzelwettkampf. Und plötzlich macht Dein Sportpartner nicht mehr mit.

„In der Kür ist irgendwas mit Showtime passiert“, blickt Dorothee Schneider auf Tokio zurück. „Da bin ich dann wirklich nach hinten durchgereicht worden. Das war eine herbe Enttäuschung.“ Schlussendlich wird die Dressurreiterin aus Framersheim in der Einzelentscheidung nur 15., weil sich viele kleine Fehler summieren.

Wieder zu Hause, gilt es für Dorothee Schneider, ihren dunkelbraunen Hannoveraner Wallach von Sandro Hit wieder aufzubauen. Fast ein Jahr zieht ins Land, bis sich das Paar wieder auf einem Turnier präsentiert. Doch dann setzen die beiden gleich ein richtiges Ausrufezeichen. Bei den Deutschen Meisterschaften in Balve im Juni holt die Reitmeisterin mit „Showi“, wie der inzwischen 16-Jährige liebevoll genannt wird, den Titel im Spécial. Um direkt im Anschluss bekanntzugeben, dass sie in der folgenden Kür nicht mehr antreten und dem Pferd, das noch im Aufbau ist, stattdessen vor dem CHIO Aachen eine Pause gönnen wolle. Schneider tritt mit ihrem Pferd Faustus in der Kür an und wird Fünfte.

Bundestrainerin Monica Theodorescu berief Schneider und Showtime nicht in die Dressur-Equipe für den CHIO Aachen. Doch das Paar wird sich am Mittwochnachmittag im Vier-Sterne-Grand Prix präsentieren – unter den Augen der Bundestrainerin, um sich doch noch für die WM zu empfehlen. Ist wieder Showtime wie bei der DM? „Balve war für mich sehr emotional und superschön. Jetzt werden wir weitersehen. Ich möchte natürlich gerne an die Leistung auf der Deutschen Meisterschaft anschließen, Stadion und Pferd genießen und fehlerfrei reiten“, sagt Schneider. Ihren Showtime beschreibt sie als sehr wach und ehrgeizig, einfach als einen tollen Sportpartner. „Mental hat er das in Balve super gemacht nach der Pause. Beim ersten Training im Deutsche-Bank-Stadion am Dienstag war er motiviert, aber nicht strapaziert. Natürlich ist es ein Unterschied, vor vollen Rängen zu reiten, aber Showtime sieht das Aachener Dressurstadion ja auch nicht zum ersten Mal.“

Betont zurückhaltend gibt sich die 53-jährige Rheinland-Pfälzerin, die in einer Pferdefamilie groß geworden ist, in Bezug auf die kommende Weltmeisterschaft in Herning (Dänemark) im August. „Natürlich hat man das im Hinterkopf. Aber ich kann auch nicht erwarten, ein tolle DM zu reiten und dann direkt auf der Liste zu sein“, muss sich Schneider in Aachen beweisen. Von ihrem eigenen Ehrgeiz spricht die sympathische Dressurreiterin an dieser Stelle nicht, dem Ehrgeiz, der sie vor Tokio sogar dazu gebracht hatte, trotz eines Schlüsselbeinbruchs infolge eines Sturzes innerhalb von drei Monaten wieder einsatzbereit für die Olympischen Spiele zu sein.

Schneider reitet ihren „Showi“, seit er dreijährig ist. Das Paar hat eine großartige Erfolgshistorie: Zusammen haben sie inzwischen zwei Team-Goldmedaillen bei Olympischen Spielen gewonnen, außerdem Team-Gold und zweimal Einzel-Silber bei den Europameisterschaften 2019. Auch in Balve waren die beiden schon zuvor erfolgreich unterwegs: Unter anderem wurden sie 2016 Deutsche Meister in der Kür und 2019 im Spécial.