Gespannfahrer beim CHIO Aachen 2019: Soers als Prüfstein für die EM

Gespannfahrer in Aachen : Die Soers als Prüfstein für die EM

Bundestrainer Karl-Heinz Geiger hofft, dass die deutschen Gespannfahrer in Aachen wieder auf das Siegerpodest kommen und sichtet seine Topteams für die Kontinentalmeisterschaften.

Irgendwann wird Bundestrainer Karl-Heinz Geiger die Entscheidung treffen müssen, welche drei Vierergespanne die deutschen Farben bei der WM im kommenden Monat in Donaueschingen vertreten werden. Und es müssen nicht unbedingt die beim CHIO bestplatzierten Fahrer sein, die dann bei den Kontinental-Wettkämpfen an den Start gehen dürfen. Die besten fünf deutschen Gespanne sind in der Soers ohnehin schon am Start.

„Alle drei Teilprüfungen sind gleichwertig. Und wenn man in der Dressur Punkte liegen lässt, ist man eigentlich schon weg vom Fenster“, legt Geiger gesteigerten Wert darauf, ein ausgewogenes Team zu finden, eins, das in der Dressur, bei den Hindernissen und auch auf der Marathonstrecke vorne mit dabei ist. Denn für jeden Starter werden zwei von drei Disziplinen gewertet, Schwächen auf der Langdistanz können durch Erfolge in den anderen beiden ausgeglichen werden und umgekehrt,

So hat die erste 33-jährige Mareike Harm aus Negernbötel eindeutig ihre Stärken als Dressur-Spezialistin und zwischen den Hindernissen, Michael Brauchle und Georg von Stein könnten eher für das Punkte sammeln auf der Marathonstrecke infrage kommen. Doch wen auch immer Karl-Heinz Geiger (“Hier wird die endgültige Wahl getroffen, welche drei Gespanne antreten dürfen“) favorisiert, die eigentliche Entscheidung fällt ohnehin erst kurz vor dem Wettkampf, wenn die Pferde den Gesundheitscheck bei den Tierärzten bestanden haben.

Dennoch hat der Wettbewerb in der Aachener Soers ein ungeheures Prestige und ist für den Cheftrainer der deutschen Gespannfahrer die Gelegenheit, seine Topleute im Vergleich mit der internationalen Creme de la Creme des Fahrsports zu sehen.  Und der härteste Konkurrent – wie könnte es anders sein – sind die Niederlande. „Wir können in Deutschland zwar aus einem größeren Potenzial an Gespannfahrern schöpfen, aber in den Niederlanden sind die Bedingungen am professionellsten“, sieht Geiger andere Vo­raussetzungen beim Team Oranje gegeben.

So gehen die beiden Topfahrer Brauchle und von Stein ganz gewöhnlichen Berufen nach und betreiben den Hochleistungssport Gespannfahren, der viel Trainingsarbeit und Ausbildungsanstrengungen mit den Tieren erfordert, quasi als Hobby. Ein Hobby, das auch seinen Preis hat, denn ein Top-Gespannpferd wird mit einem Preis von 50.000 bis 100.000 Euro taxiert. Man muss also den Gegenwert eines Rennwagens bezahlen, um gerade einmal vier wettbewerbsfähige PS ins Gelände zu bringen.

„Da ist es schon nötig, dass sich die ganze Familie beteiligt und den Fahrer unterstützt“, sagt Geiger und hat dabei auch die Familie Sandmann im Auge, denn Vater Christoph hat seine Tochter Anna, die ebenfalls in der Soers an den Start gehen wird, bis zur echten Konkurrentin um die Platzierungen ausgebildet. „Anna ist sehr erfolgreich, war schon von Kindesbeinen an mit dem Sport in Berührung.“

So hat der Bundestrainer wie immer in Aachen die Qual der Wahl, doch in diesem Jahr vielleicht noch mehr als sonst, denn als Ausrichter einer Europameisterschaft will man natürlich auch in den Wettbewerben überzeugen. „Ich hoffe, wir kommen in der Nationenwertung hier in Aachen wieder aufs Siegertreppchen“, nennt Karl-Heinz Geiger seine aktuellen Erwartungen. Und die für die Europameisterschaften auch gleich mit.

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