Aachen: Für Philipp Weishaupt platzt der Traum vom großen Zahltag

Aachen: Für Philipp Weishaupt platzt der Traum vom großen Zahltag

Um auch den 40.000 Reitsport-Fans vor Augen zu führen, was für Philipp Weishaupt beim Großen Preis von Aachen auf dem Spiel steht, wird auf der großen Leinwand im Hauptstadion noch einmal ein Video gezeigt. Die Botschaft des Beitrags: Gewinnt der 33-Jährige auch das prestigeträchtige Springen in der Soers, winkt eine Bonuszahlung in Höhe von 250.000 Euro.

Zusätzlich zu den 330.000 Euro, die der Sieger ohnehin erhält. Ein finanziell überaus lukrativer Anreiz, den sich Weishaupt erarbeitet hatte, weil er auf dem Rücken von Convall das Spruce-Meadows-Masters in Calgary 2017 gewann, das ebenfalls Teil des Rolex Grand Slams ist.

„Es ist das Höchste der Gefühle, hier in Aachen zu gewinnen. An das Geld denkt man da nicht“, sagte der 33-Jährige am Tag vor dem Wettkampf. Nach einem sehr guten und einem guten Umlauf reichte es am Sonntag Nachmittag allerdings nicht zum „Höchsten der Gefühle“, als Neunter erhielt er, sozusagen als Trostpflaster, 10.000 Euro. „Ich bin schon ein bisschen enttäuscht, weil ich mir vorgenommen hatte, zu gewinnen. Convall ist super gesprungen, nur an einem Hindernis hatte er einen zu großen Gang drin“, sagte Weishaupt, als der Traum vom großen Zahltag geplatzt war.

Strategische Gründe

Die Planung der Turnierwoche von Weishaupt und seinem elfjährigen Holsteiner Hengst war auf den Start beim Großen Preis ausgelegt: Beim Preis von Europa war das Paar nach einer fehlerfreien Runde nicht zum Stechen angetreten, und auch auf den Nationenpreis hatte Weishaupt nach Rücksprache mit Bundestrainer Otto Becker aus strategischen Gründen verzichtet. Am Sonntag, um 15.41 Uhr, betrat Convall erst zum zweiten Mal in dieser Woche die große CHIO-Bühne, und man merkte Pferd und Reiter an, was sie sich vorgenommen hatten: Einem kleinen Wackler am ersten Hindernis folgte eine rasante, fehlerfreie Runde, mit der sich das Paar für den zweiten Umlauf qualifizierte.

Nur einmal musste Weishaupt zittern, als sich die untere Planke am vorletzten Hindernis löste — das gilt nicht als Fehler. „Das war eine sensationelle Runde“, urteilte Routinier Ludger Beerbaum, Besitzer von Convall und Chef von Weishaupt. „Man soll das Fell des Bären aber nicht verteilen, bevor er erlegt ist.“ Nur Nationenpreissieger Maurice Tebbel war auf Chacco's Son im ersten Umlauf noch schneller unterwegs.

Fünf Reiter hatten sich bereits für das Stechen qualifiziert, als Weishaupt zum zweiten Umlauf antrat. Und Convall wollte viel, ein bisschen zu viel. „Er wurde mir zu stark“, erklärte Weishaupt. Und so wurde der Steilsprung am fünften Hindernis, als Convall zu niedrig sprang, dem ambitionierten Paar zum Verhängnis. „Es ist sehr schade für die beiden. Philipp hatte leider nicht genug Kontrolle. Das hatte sich schon ein wenig im ersten Durchgang angebahnt“, analysierte Becker.

Für Weishaupt, der den Großen Preis vor zwei Jahren gewonnen hatte, endete am Sonntag sein persönlicher Grand-Slam-Zyklus. Für einen anderen Deutschen, Marcus Ehning, sollte er beginnen. „Marcus ist der verdiente Sieger. Er ist einfach unglaublich geritten“, zollte Weishaupt seinem Landsmann Respekt. Und er selbst hatte Wort gehalten, in dem Video vor dem Start hatte Weishaupt gesagt: „Ich werde alles geben, um den Rolex Grand Prix zu gewinnen.“

Mehr von Aachener Nachrichten