Alles dank Alice: Fuchsstute stellte die Lebensplanung von Simone Blum auf den Kopf

Alles dank Alice : Fuchsstute stellte die Lebensplanung von Simone Blum auf den Kopf

Eigentlich sollte Simone Blum Lehrerin für Biologie und Chemie werden, bis sie Alice kennenlernte. Die Fuchsstute veränderte Blums Leben. Mit ihrem Top-Pferd wurde 30-Jährige Weltmeisterin und hofft nun auf weitere Erfolge in Aachen.

„Es war Liebe auf den ersten Blick.“ Simone Blum lacht – und wirft einen Seitenblick auf ihren Ehemann Hansi. Der ist nämlich nicht gemeint. „Nein, ich glaube Hansi fand mich zum Anfang sogar ein bisschen zickig“, sagt die 30-Jährige und schmunzelt. Liebe auf den ersten Blick hat Blum bei Alice gespürt, jener Fuchsstute, mit der die Springreiterin im vergangenen Jahr nicht nur Weltmeisterin im amerikanischen Tryon wurde, sondern dank der sie ihre gesamte Lebensplanung in weiten Teilen umkrempeln konnte. Statt als Lehrerin für Chemie und Biologie Schüler zu unterrichten, hat Blum ihr Hobby Reiten zum Beruf und sich 2018 mit ihrem Mann auf Gut Eichenhof im bayerischen Zolling selbständig gemacht. Und das alles dank Alice.

Ein temperamentvolles Pferd

2014 hatte Hans-Günther „Hansi“ Blum die Stute bei einem Freund entdeckt. „Sie gefiel mir gleich, weil sie so einen flexiblen Galopp und viel Talent hat. Und weil sie sehr rittig ist“, erklärt der 42-Jährige. Und er ließ sich auch nicht davon abschrecken, dass Alice Männer eigentlich gar nicht so mag. Schließlich sollte die jetzt zwölfjährige Fuchsstute für Simone Blum sein. Und die war gleich angetan. „Ich mag so temperamentvolle Pferde“, sagt die 30-Jährige.

Blum, Tochter des Vielseitigkeitsreiters Jürgen Blum, der EM-Team-Bronze gewann und 1996 zum Olympia-Team gehörte, war schon früh erfolgreich. Von der Vielseitigkeit stieg sie früh in den Springsattel um, war mit 15 Jahren Vierte der Pony-Europameisterschaft und gehörte 2009 dem Bundeskader der Jungen Reiter an. Doch erst mit Alice begann der steile Aufstieg: 2015 gewann sie Silber bei der Deutschen Meisterschaften in der Frauenkonkurrenz, 2016 Gold. Ein Jahr später nahm sie es mit den Männern auf – und gewann wieder Gold. Bei der EM 2017 in Göteborg musste sie als Reserve zwar noch zuschauen, unterstrich aber mit dem Sieg im Großen Preis, dass durchaus mit ihr zu rechnen ist.

2018 sollte ihr Jahr werden – obwohl es nicht gut begann. Alice war lange verletzt, kam aber rechtzeitig zum CHIO Aachen wieder in Form. Und gehörte zum siegreichen Team im Nationenpreis. Das Duo fuhr zur WM. „Ich hatte wieder mit dem Reserveplatz gerechnet, da war ja noch Philipp Weishaupt mit Cornwall“, sagt Blum, doch sie stand im Team – und das nicht nur, weil Weishaupt auf die WM verzichtete. „Ich war glücklich, hatte aber schon Respekt, als ich von meiner Nominierung erfuhr“, gesteht sie. Und ihr Mann ergänzt: „Es ist schon ein Unterschied, ob man von Weltmeisterschaften oder Olympia träumt, oder ob man plötzlich in der Verantwortung steht.“

Die Erwartungen an die deutschen Reiter sind gemeinhin riesig, Simone Blum hielt ihnen stand. Mit dem Team holte sie Bronze, ging als Führende in die Einzelkonkurrenz und gewann ohne einen einzigen Springfehler, lediglich mit einem Zeitfehler in der letzten Runde, Gold. Danach war nichts mehr wie vorher. „Mein Leben hat sich total geändert: Alle haben an mir gezerrt, jeder wollte etwas von mir – und ich habe versucht, es allen Recht zu machen“, sagt die Springreiterin, die nach der WM erst einmal ihren damaligen Lebensgefährten heiratete und aus dem ursprünglich in der Aachener Region beheimateten Springreiter Hans-Günther „Hansi“ Goskowitz Herrn Blum machte.

Eine wichtige Zwangspause

Zu kurz kam in dieser Zeit die Reiterei. Alice hatte nach der WM vier Wochen pausiert, ging beim Weltcup-Turnier in Verona erstmals wieder – und das Paar stürzte böse. „Ich hatte vorher nur zwei Mal auf Alice gesessen. Das habe ich zu spüren bekommen. Wir sind sonst ein Team, das hat da nicht so funktioniert“, spürte Blum auch den Druck.

Von einer Weltmeisterin erwarten alle Leistung. Zwar ritt sie noch in Stuttgart und Genf, aber „im Nachhinein ist es gut, dass ich aufgrund meiner Schulter-Operation drei Monate pausieren musste und auch Alice eine Pause hatte“. Und mit einem Lachen fügt sie hinzu: „Selbst Alice, die ansonsten die Aufmerksamkeit mag, mochte kein Fotoshooting mehr über sich ergehen lassen, sie hat für die Fotos die Ohren nicht mehr nach vorne genommen.“

Die Pause hat Blum und Alice gut getan. „Dieses Jahr ist es schon wieder mehr business as usual“, steht für die Weltmeisterin trotz weiterhin gesteigerter Aufmerksamkeit die Reiterei wieder im Vordergrund. Und das Paar meldete sich zurück: „Es läuft gut, Alice hat schon supertolle Runden gezeigt“, freut sich die 30-Jährige. Auf die Siege in den Großen Preisen von Mannheim und La Baule folgten zweite Plätze bei den hochkarätigen Grand Prix in Geesteren und Knokke.

Und die erneute Berufung in die Nationenpreis-Equipe beim CHIO. „Wir haben ein tolles Team“, sagt Blum. Neben Marcus Ehning gehören diesmal die erfahrenen Daniel Deußer und Christian Ahlmann dazu. „Das wird schon anders, in den vergangenen beiden Jahren war es eine junge Truppe um Ehning.“ Ziel ist – neben der Titelverteidigung in Aachen – ein EM-Ticket. Und auch die Olympischen Spiele 2020 locken. „Davon habe ich zuvor nicht zu träumen gewagt, aber nach den Weltmeisterschaften ist Olympia das große Ziel.“ Und das alles dank Alice.

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