Aachen: Frankreichs Equipe jubelt zum Jubiläum

Aachen: Frankreichs Equipe jubelt zum Jubiläum

„Der Parcours ist ein Wechselspiel zwischen entschlossenem Vorwärtsreiten und das Pferd zurücknehmen, um zu springen. Und die letzte Linie aus Dreierkombination und Steilsprung ist die Nagelprobe”, hatte Bundestrainer Otto Becker prophezeit - und er sollte Recht behalten.

Alle irischen Reiter, die ins Ziel kamen, leisteten sich Zeitfehler, während die Italiener und Briten den Parcours zu forsch angingen und mit 13 und 14 Fehlern nach dem ersten Umlauf bereits ausschieden. Souverän agierte dagegen die niederländische Equipe, die als einzige nach den ersten drei Reitern fehlerfrei geblieben war und somit kein Streichergebnis benötigte.

Die Schlussreiter Kevin Staut für Frankreich, McLain Ward (USA), Steve Guerdat (Schweiz) sowie Meredith Michaels-Beerbaum für Deutschland als letzte Starterin des ersten Umlaufs blieben ebenfalls fehlerfrei, so dass fünf Equipes beim 100. Nationenpreis ebenfalls unbelastet in die Entscheidungsrunde unter Flutlicht gingen.

Für das deutsche Streichergebnis hatte der frischgebackene Deutsche Meister Philipp Weishaupt auf Souvenir mit einem Abwurf am Steilsprung vor der Dreifachen gesorgt, während Marcus Ehning („Plot Blue ist sprunggewaltig, sensibel, aufmerksam”) und Carsten-Otto Nagel („Corradina mag große Plätze. Ein Hammerpferd”) ebenfalls fehlerlos blieben.

Unter den Strahlen des Flutlichts forderten die Parcours-Knackpunkte des ersten Umlaufs - wie von Rothenberger vorhergesehen der Einsprung zur Dreifachen, der Wassergraben und der Schlusssprung - einen noch höheren Tribut. Nur drei Reiter aus Runde 1 blieben fehlerfrei, darunter Marcus Ehning mit Nerven aus Stacheldraht: Der 35-Jährige unterbot das Zeitlimit von 84 Sekunden um eine Hundertstel.

In Runde 2 musste Harrie Smolders für die Niederlande erstmals einen Abwurf verbuchen, Roger-Ives Bost, der in Durchgang eins noch das Streichergebnis geliefert hatte, blieb ohne Fehler und brachte Frankreich psychologisch in Vorteil, da Souvenir unter Weishaupt gleich mehrere solcher im Parcours einsammelte (17 Strafpunkte). „Ich bin sauer und enttäuscht über den zweiten Umlauf. Mein junges Pferd ist mit Flutlicht und Kulisse nicht klar gekommen.”

Nur noch eine Nation fehlerlos - der Nervenkrieg begann bei den „Europameisterschaften unter US-Beteiligung”. Albert Zoer musste acht Fehler hinnehmen, die Hoffnung auf zwei Null-Runden waren bei Oranje dahin. Der Dreikampf war zum Zweikampf geworden: Der Franzose Timothee Anciaume blieb erneut fehlerfrei, Carsten-Otto Nagel musste dieses Kunststück erst vollbringen.

Doch der Holsteiner patzte am vorletzten Hindernis, der Überraschungssieger heißt Frankreich. Meredith Michaels-Beerbaums blieb als achte Reiterin im zweiten Umlauf ohne Abwurf und sicherte Deutschland zumindest Rang zwei - gemeinsam mit den Niederlanden.

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