Europameisterin Kristina Boe gewinnt beim CHIO 2018 überlegen

Aachen : Europameisterin Kristina Boe gewinnt beim CHIO überlegen

Voltigieren mit Anspruch. „Ich möchte eine Botschaft vermitteln“, sagt Kristina Boe, und das kam bei den Richtern und beim Publikum gleichermaßen gut an, denn die Europameisterin voltigierte beim CHIO Aachen diesmal in einer anderen Liga und gewann den Einzelwettbewerb der Frauen überlegen. Schon 2016 hatte die 30-jährige Unfallchirurgin aus Hamburg in Aachen gewonnen.

Frau Boe, Sie sind mit einem ungewöhnlichen Programm angetreten.

Kristina Boe: Ich hatte dieses Thema für eine Kür schon seit Jahren im Kopf. Im vergangenen Winter habe ich es dann erarbeitet, und ich muss sagen, es hat mir wirklich Spaß gemacht. Ich bin glücklich, dass es in Aachen so gut angekommen ist.

Sie beschäftigen sich mit Jane Goodall, der britischen Forscherin, die sich seit den 1970er Jahren in Tansania mit dem Verhalten der Schimpansen beschäftigt. Das ist ein sehr ungewöhnliches Thema für eine Voltigier-Kür.

Boe: Ganz sicher. Ich bin selbst unheimlich naturbegeistert und habe viele Filme über sie gesehen. Jane Goodall setzt sich für die Rechte der Tiere ein und für die Umwelt. Sie ist eins der besten Vorbilder, das man haben kann. Es ist diese Positivität, die Liebe zur Natur und zum Tier, die mich beeindruckt hat. Ich fand die Idee schön, die positiven Botschaften dieser beeindruckenden Frau weitergeben zu können

Und wie sind Sie an das Thema herangegangen?

Boe: Ich habe mir sehr viele Filme, Dokumentationen und Bilder über und von Jane Goodall angesehen. Ich versuche zu erkennen, wie sie sich bewegt, was sie für typische Gesten macht und habe versucht, die in meiner Kür auch zu machen.

Ungewöhnlich wie das Thema ist auch Ihr Kür-Outfit, das so gar nicht typisch für das Voltigieren ist, wohl aber mit den Khakifarben zu einer Forscherin in Afrika passt.

Boe: Genau, ich trage Shorts und ein T-Shirt, wie auch Goodall sie in Tansania trägt. Und eben auch in den Farben, wie die Ranger sie dort tragen. Am Anfang fanden das viele ungewöhnlich, die meisten sind aber inzwischen begeistert, weil es eben so gut zum Thema passt.

Für die meisten Küren bedient man sich bei bekannten Soundtracks zu einem Thema oder auch Musicals. Woher stammt denn Ihre Musik?

Boe: Stimmt, sehr oft wählt man Musicals oder Soundtracks aus bestimmten Filmen. Die Musik zu diesem Thema war lange Zeit auch der Knackpunkt, warum ich es noch nicht umgesetzt hatte. Dann erschien 2017 eine neue Dokumentation über Jane Goodall bei National Geographic. Und die war unterlegt mit einer fantastischen Musik, die sehr gut zu diesem Thema passt.

Zur Erklärung: Die Musik wurde komponiert von Philip Glass, einem US-amerikanischen Musiker und Komponisten. Es ist eine reiche Orchesterpartitur. Was hat Ihnen daran so gut gefallen?

Boe: Das sie so minimalistisch ist und das Thema perfekt unterstreicht. Jane Goodall ist eine starke Frau, die sich für ihre Überzeugungen einsetzt.

Sie sind die amtierende Europameisterin, haben in Aachen überzeugend gewonnen. Bundestrainerin Ursula Ramge hat das kommentiert mit „erwartungsgemäß“. Wie geht es mit Blick auf die WM im September in Tryon weiter? Dort zählen Sie sicher zu den Favoriten?

Boe: Ich wollte hier in Aachen das WM-Ticket lösen, das hat erst einmal souverän geklappt. Bis Tryon sind es noch fast zwei Monate. Bis Mitte August gehe ich das Training etwas ruhiger an. Dann geht es ins Trainingslager, und am 10. September fliegen wir in die USA. Mal schauen, was da passiert.

(rau)
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