Verkauf von Pferden: Erfolge sind schön, Geschäfte sind wichtiger

Verkauf von Pferden : Erfolge sind schön, Geschäfte sind wichtiger

Im Reitsport kommt es immer wieder vor, dass Pferde verkauft werden, wenn wirtschaftliche Interessen über sportliche gestellt werden. So geschehen zum Beispiel im Fall von Laura Klaphake, deren Pferd Catch me if you can mittlerweile im Besitz einer jungen Teschechin aus reichem Hause ist.

Als der erste Umlauf im Preis der Nationen beendet war und sich die Dämmerung über das Hauptstadion in der Soers legte, waren alle Augen auf Laura Klaphake gerichtet. Die stets gut gelaunte Springreiterin saß nicht im Sattel eines Pferdes; sie war in Zivilkleidung erschienen, um Fragen zu beantworten.

Ein Jahr zuvor hatte Klap­hake auf Catch me if you can noch zwei Nullrunden im Flutlichtspringen abgeliefert und so maßgeblich zum deutschen Titel-Hattrick beigetragen. Ihr Ausnahmepferd befindet sich mittlerweile im Besitz einer jungen Tschechin aus reichem Haus, und so war die 25-Jährige in diesem Jahr nur als prominente Gesprächspartnerin im Einsatz. Dass sie das Rampenlicht in diesem Jahr anderen überlassen musste, ist gewissermaßen Teil der Branche.

Klaphake war eine feste Größe

Es kommt immer wieder vor, dass die Zusammenarbeit eines erfolgreichen Paares beendet wird, wenn wirtschaftliche Interessen über sportliche gestellt werden. Das war auch bei Klaphake und Catch me der Fall. „Sie waren eine feste Größe in meinen Planungen für dieses und das nächste Jahr“, sagt Otto ­Becker. Nach dem diesjährigen CHIO stehen im August noch die Europameisterschaften in Rotterdam an, 2020 werden in Tokio die Olympischen Spiele ausgetragen. Und für beide Großereignisse hat der Bundestrainer durch den Verkauf von Catch me eine Option weniger. „Es kann und wird immer wieder passieren, dass ein Spitzenpferd verkauft wird“, weiß Becker. Und die Wahrscheinlichkeit erhöht sich mit jedem Erfolg, da sich so auch der Marktwert eines Vierbeiners erhöht.

Die Suche nach Weltklassepferden dürfte mit Blick auf die Olympischen Spiele besonders heiß laufen, erst am 31. Dezember 2019 endet sie. Denn dann muss das Tier einen Besitzer aus dem Land haben, für das es in Tokio starten soll. Die Preise werden bis zum Stichtag in die Höhe schnellen, hohe sechs- und siebenstellige Summen werden regelmäßig von ausländischen Mäzenen für Top-Pferde geboten. „Die Verkäufe stellen uns vor besondere Situationen“, räumt Becker ein.

Auch sein Kollege Hans Melzer kennt solche Situationen, dem Cheftrainer der Vielseitigkeitsreiter ist es kürzlich aber gelungen, dass ein Spitzenpferd nicht den Weg nach Australien, England, Neuseeland oder die USA gefunden hat. Zwar trennten sich die Wege von Vielseitigkeitsreiterin Julia Krajewski und ihrem elfjährigen Wallach Chipmunk Ende Oktober 2018. Das Buschpferd, eines der besten der Welt, wird aber inzwischen vom dreimaligen Olympiasieger ­Michael Jung geritten, also einem anderen Deutschen. Was Melzer ganz besonders freut: „Dafür haben wir sehr zähe Verhandlungen mit den Besitzern geführt“, sagt der Bundestrainer. Am Ende brachte Jungs Sponsor das nötige Kleingeld auf, auch das Deutsche Olympiade Komitee für Reiterei (DOKR) beteiligte sich. Und der Züchter behielt ebenfalls einen kleinen Anteil. „Wenn Chipmunk nach Japan gegangen wäre, hätten wir nächstes Jahr einen Gegner mehr“, weiß auch Jung. Es kam anders, und so sagt Hans Melzer: „Ende gut, alles gut.“

Die Summe bei Chipmunk ist fast schon moderat, „Spring- und Dressurpferde befinden sich in einer anderen Liga“. Der Kaufpreis für Chipmunk ist nicht überliefert, im Raum steht eine Summe von 800.000 Euro. „Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir ihn halten konnten“, sagt Melzer. Zumal Pferd und Reiter „von Prüfung zu Prüfung immer mehr zusammenwachsen“. Auch Jung ist sehr zufrieden, „ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell so gut funktioniert“, sagt der 36-Jährige. „Wir müssen aber noch ein bisschen am Feinschliff arbeiten.“

Geplatzte Medaillenträume

Für Laura Klaphake ist der Traum von Edelmetall mit dem Verkauf von Catch me dagegen wohl geplatzt. Zumindest vorerst. Bis zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris könnte sie allerdings wieder ein Championatspferd reiten, wenn alles zusammenpasst. Natürlich immer vorausgesetzt, dass der Besitzer des neuen Wunderpferdes keine anderen Pläne hat.

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