Isabell Werth gewinnt Dressur-Preis: Ein spezieller Sieg zum 50. Geburtstag

Isabell Werth gewinnt Dressur-Preis : Ein spezieller Sieg zum 50. Geburtstag

Wieder einmal zeigt Isabell Werth eine unglaubliche Leistung: Am Sonntag hat sie zum 13. Mal den Großen Dressur-Preis von Aachen gewonnen - an ihrem 50. Geburtstag. Auch Dorothee Schneider brilliert im Dressur-Viereck.

Noch nie war es so still im Dressurstadion: 6000 Zuschauer hielten den Atem an, denn es wurde eng, sehr sehr eng, Dorothee Schneider und Showtime hatten eine fantastische Kür und 89,660 Prozent vorgelegt. Zu Verdis „Caro Nome“ aus Rigoletto ging es auf die letzte Linie. Und Isabell Werth ließ Bella Rose tanzen: Piaff-Pirouette top, Passage unglaublich – auf den letzten Metern zur Grußaufstellung konnte sich das Publikum nicht mehr zurückhalten und klatschte rhythmisch mit. Dann brach der Jubel über dem Paar zusammen, Werth ballte die Becker-Faust – das war der Sieg: 90,450 Prozent, der 13. Erfolg im Großen Dressurpreis von Aachen“ – und das an ihrem 50. Geburtstag.

Höherer Druck als sonst“

„Druck ist ja immer da. Ich hatte Doros Ergebnis gehört, und wusste, dass ich kämpfen musste“, sagte Werth. 89,660 Prozent, ein neuer Rekord für Showtime – und bisher hatte Bella Rose noch nie in einer Kür über 90 Prozent erzielt. „Dazu mein Geburtstag, und jeder wollte mich gewinnen sehen. Der Druck war etwas höher als sonst.“ Schon tags zuvor im Grand Prix Spécial war ihr die Teamkollegin „auf die Pelle“ gerückt, mit 84,448 Prozent hatte Werth Schneider (83,617) nur knapp auf Distanz gehalten. Auch da hatte die Doppel-Weltmeisterin mit der Schlusslinie den Sieg eingefahren.

„Im Spécial bin ich kontrolliertes Risiko gegangen. Ich wusste, dass es eng war und ich auf der letzten Linie etwas riskieren musste. So auch in der Kür. Diese letzte Linie musste ich zelebrieren.“ 23 Mal gab es die Höchstnote zehn, von allen fünf Richtern für die letzte Kür-Linie und für die Choreographie und die Interpretation der Musik, vier Mal für die Piaff-Pirouette.

Rote Rosen und eine Torte

„Ich liebe diese Musik. Wenn ich eine Kür-Musik aussuche, muss sie mich berühren. Und zur Bewegung des Pferdes passen“, erzählt die 50-Jährige. Es war erst Bellas dritter Auftritt zu dieser Kür. Bei den Weltreiterspielen 2018 war der Wettbewerb Hurrikan „Florence“ zum Opfer gefallen. „Wir haben die Musik überarbeitet, und vor allem am Anfang den Schwierigkeitsgrad der Choreographie noch einmal erhöht. Ich glaube, noch schwieriger geht nicht.“ Es gelang fehlerlos, lediglich nach den Einerwechseln schwankte Bella Rose ein wenig. „Sie wusste nicht, in welche Richtung es weitergeht. Das müssen wir vor der EM noch einmal üben“, versprach die Titelverteidigerin.

Rote Baccara-Rosen und eine riesige Torte von Turnierdirektor Frank Kemperman, ein Ständchen von den Zuschauern – es war ein besonderer Sieg am 50. Geburtstag für Werth. Die anderen Reiter hatten sich mit Präsenten zurückgehalten: Dorothee Schneider hatte schon im Spécial die „Publikums-Richter“ hinter sich, die sie via Judging-App vor der Britin Charlotte Dujardin und Werth auf Platz eins gesehen hatte.

In der Kür zu Queen-Musik brillierte Showtime: „Es ist für mich sehr emotional: 2016 haben wir Team-Gold in Rio gewonnen, danach hatte er eine lange Verletzungspause. Und nun feiert er solch ein Comeback“, war die Reiterin deutlich angefasst. Und auch Jessica von Bredow-Werndl (87,595) ritt auf Dalera als Kür-Dritte zur Musik aus dem Film „Lala-Land“ einen neuen Rekord, nachdem sie tags zuvor im Spécial Vierte hinter der britischen Olympiasiegerin Dujardin auf Erlentanz geworden war.

„Dalera war magisch, sie ist mein perfekter Partner, meine Seelenverwandte“, schwärmte ihre Reiterin nach der Kür, in der sie vor allem in der Piaffe brilliert hatte. „Sie ist die Piaffen-Queen in meinem Leben.“

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