Aachen: Dressur-Mannschaft siegt beim CHIO nach Aufholjagd

Aachen : Dressur-Mannschaft siegt beim CHIO nach Aufholjagd

„Ein Spiel hat 90 Minuten“ oder „Abgerechnet wird zum Schluss“: Schon am Donnerstag dürfte dem amerikanischen Dressurteam klar gewesen sein, dass „noch nicht aller Tage Abend ist“. Dass der Sieg in solcher Deutlichkeit ausfallen würden, hätte sich das Team um Grand-Prix-Gewinnerin Laura Graves aber wohl nicht vorstellen können

Mit 2,190 Punkten Vorsprung hatte man nach dem Grand Prix vor dem deutschen Titelverteidiger geführt — und war nach dem Spécial um den MEGGLE-Preis mit 5,980 Punkten Rückstand doch nur Zweiter beim Lambertz Nationenpreis geworden. Hinter Deutschland und 15,256Zähler vor Dänemark.

„Wow!“ Helen Langehanenbergs Freude nach dem Ritt. Foto: uwe Anspach

Der deutsche Erfolg hatte einmal mehr einen Namen: Isabell Werth, die sich an ihrem 49. Geburtstag selbst das schönste Geschenk machte. Am Donnerstag im Grand Prix, Teil eins des Nationenpreises, hatte Emilio sich in den Piaffen widersetzt, war nur 17. geworden. „Ich habe viel nachgedacht. Gestern haben wir im Training das Gebiss gewechselt, danach ging es wieder gut“, sagte Werth, die ehrlich gestand: „Ich war am Donnerstag sehr überrascht, ich muss mich bei Emilio entschuldigen. Ich war nicht einfühlsam genug, es war mein Fehler.“ Augenscheinlich hat der elfjährige Braune seiner Reiterin verziehen, denn am Samstag zeigte er sich wieder von seiner guten Seite — und piaffierte gewohnt gut. „Das ist ja auch eigentlich eins seiner Highlights, man kann ihn aus dem Stall holen, und er piaffiert sofort“, so Werth.

Diesmal patzt Laura Graves

79,128 Prozentpunkte legte das erste deutsche Paar, das aufgrund des 17. Platzes aus dem Grand Prix schon früher am Morgen ran musste, vor. Erst gegen Mittag folgte die Konkurrenz im Kampf um die Spitze. Und diesmal erwischte es Laura Graves (USA), denn diesmal patzte Verdades, galoppierte zwei Mal aus der Passage an, hatte Fehler in den Zweierwechseln — 74,085 Prozent und nur Platz elf. Zwar hatte ihre Teamkollegin Kasey Perry-Glass mit Dublet 78,787 Prozent — das sollte später Platz drei der Einzelwertung sein — vorgelegt, doch das deutsche Team witterte nach 76,604 Prozent für Dorothee Schneider und Sammy Davis jr. (Platz sechs) im Nationenpreis wieder Morgenluft.

„Ich dachte am Donnerstag, dass wäre das Beste, das war es tatsächlich aber nicht“, strahlte Helen Lange­hanenberg nach ihrem Ritt mit Damsey, für den sie 79,021 Prozent erhielt und Zweite hinter Werth wurde. Nach ihrer Babypause war die 36-Jährige erst vor gut einer Woche nach dem Ausfall von Cosmo und Sönke Rothenberger ins Team nachgerückt. „Damsey hat mir ein super gutes und sicheres Gefühl gegeben.“ Heute wird das Paar in der Kür um den „Großen Dressurpreis von Aachen“ antreten — „damit habe ich nach der Pause gar nicht gerechnet, aber Damsey geht gerne Kür“, freut sich Langehanenberg.

Nur 18 Reiter — maximal drei Reiter je Nation — sind heute dabei. Pech für Jessica von Bredow-Werndl, die als Siebte des Spécials zuschauen muss. „Das ist schade, ich hätte so gerne in der Kür gezeigt, wie gut Dalera piaffieren kann“, bedauerte sie. Sie hatte mit ihrer elfjährigen Stute, die erst den vierten Spécial ging, sehr stark begonnen, lag in der Trabtour bis zu den Piaffen mit über 80 Prozent sogar vor Emilio. „Ich hätte etwas schneller reagieren müssen, das war mein Fehler. Schade.“

(rau)
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