Aachen: Der Niederländer Ijsbrand Chardon räumt mächtig ab

Aachen : Der Niederländer Ijsbrand Chardon räumt mächtig ab

Im Grunde genommen war bei diesem CHIO in der Disziplin Fahren alles wie gehabt. Fast zumindest: Die Niederländer dominieren als Mannschaft die Konkurrenz. Anders als sonst: Nicht der Australier Boyd Exell, der mit gebrochenem Fußgelenk seinen Viererzug lenkte, war in Bezug auf die Gesamt-Einzelwertung das Maß aller Dinge.

Er führte zwar nach zwei der drei Wettbewerbe (Dressur und Marathon), wurde aber am Sonntag im Hindernisfahren noch abgefangen. Diese letzte Prüfung gewann der Niederländer Ijsbrand Chardon und verwies damit Weltmeister Exell in der kombinierten Wertung auf Platz zwei. Bester deutscher Fahrer war Georg von Stein, der die Equipe von Bundestrainer Karl-Heinz Geiger im Nationenpreis mit seinem vierten Platz am Samstag im Marathon und Rang zwei am Sonntag im Kegelfahren auf den Silberrang führte.

Bester deutscher Gespannfahrer beim CHIO: Georg von Stein, der am Sonntag im Hindernisfahren auf Platz zwei fuhr. Foto: Michael von Fisenne

Die Führung im Nationenpreis der Vierspänner hatten Ijsbrand Chardon und sein 25-jähriger Sohn Bram sowie Koos de Ronde als dritter Lenker eines Viererzuges bereits nach der Dressur übernommen, im Marathon in der Aachener Soers am Samstag souverän mit den Plätzen eins bis drei (de Ronde, Bram und Ijsbrand Chardon) verteidigt und auch im Kegelfahren am Sonntag mit Rang eins und drei (Bram Chardon) nicht mehr aus der Hand gegeben. Die Niederländer gewannen den Nationenpreis souverän vor der deutschen Equipe (Mareike Harm, Georg von Stein, Michael Brauchle) und Belgien (Dries Degriek, Glenn Geerts, Edouard Simonet). Was das in Aachen siegreiche Team betrifft, wird die Wettquote für die Weltreiterspiele im September im US-amerikanischen Tryon eher gering ausfallen.

Die folgenden Plätze dürften eine höhere Quote bringen: Deutschland, Belgien oder Frankreich gelten als ziemlich gleichwertig. In Aachen war es die deutsche Fahrer-Equipe, die sich über Platz zwei freuen durfte. Bundestrainer Karl-Heinz Geiger war zufrieden: „Wenn wir diesen Platz am Sonntag halten, würde mich das überzeugen und sehr freuen“, sagte er nach dem Marathon. Er durfte sich freuen. Es blieb, wie erwähnt, bei Mannschaftssilber. Für die Weltreiterspiele legte sich Geiger noch nicht ganz fest, er will die nationalen Titelkämpfe im August in Donaueschingen abwarten. Zwei seiner Fahrer haben ihr Ticket aber bereits sicher: „Georg von Stein und Christoph Sandmann sind gesetzt.“

Sandmann hatte in Aachen bekanntlich sein erstes Gespann an seine Tochter Anna „verliehen“, die eine überzeugende CHIO-Premiere feierte. In Tryon lenkt er dann aber seinen besten Viererzug. Offen ist, wer von den beiden weiteren Teamfahrern in Aachen dann zur WM eingeladen wird: Mareike Harm oder Michael Brauchle. Harm dürfte das dritte Ticket erhalten, da Brauch­le zurzeit mit einem Ersatzpferd im Viererzug unterwegs ist.

Der ohnehin spektakuläre Marathon in der Aachener Soers am Samstag geriet am Ende zu einer niederländischen Demonstration der Stärke. Hauptdarsteller: Vater und Sohn Chardon sowie ihr Mannschaftskollege Koos de Ronde. Das „Oranje“-Trio machte im Gelände in beeindruckender Manier die Plätze eins bis drei unter sich aus.

Bram Chardon ging als 17. Starter auf die Strecke mit den acht schweren Hindernissen. Der Aachen-Debütant übernahm die Führung und fuhr mit 113,54 Fehlerpunkten ins Ziel. Dort genossen seine Vierbeiner sichtlich die kalte Dusche. Vater Ijsbrand war auch unterwegs, fand in den schwer, aber fair gebauten Hindernissen andere Wege als der Junior, die einen Unterschied beider Lenker aber kaum sichtbar machten. Resultat: Platz zwei zu diesem Zeitpunkt — 114,98 Fehlerpunkte.

Als letztes aller 24 Gespanne nahm Koos de Ronde die Strecke in Angriff. Er rollte das gesamte Starterfeld grandios von hinten auf, beendete seine Runde mit 110,77 Fehlerpunkten — der Sieg vor Bram und Ijsbrand Chardon. Der niederländische Equipechef Harry de Ruyter war begeistert: „Das hat es noch nie gegeben, dass wir bei einem Geländemarathon die Plätze eins bis drei belegen.“

Mehr von Aachener Nachrichten