Wie der Vater, so der Sohn: Den Chardons liegt das Gespannfahren im Blut

Wie der Vater, so der Sohn : Den Chardons liegt das Gespannfahren im Blut

Gespannfahrer Ijsbrand Chardon erwächst mit seinem Sohn Bram die größte Konkurrenz im eigenen Haus. Die beiden sind Vater und Sohn, Lehrer und Schüler – und mittlerweile die größten Konkurrenten um Titel, Schleifen und Pokale.

Ijsbrand Chardon und sein Sohn Bram sind viel unterwegs in der Welt als Topsportler im Gespannfahren. Und so haben sich die beiden Niederländer auch in die Soers ein kleines Stück Heimat mitgenommen: Schokostreusel und Erdnussbutter, Vanillevla und – Verzeihung – holländisches Gummibrot stehen auf dem Tisch, als sich die Chardons im Fahrerlager der Gespannfahrer eine kleine Pause gönnen. Die beiden sind Vater und Sohn, Lehrer und Schüler – und mittlerweile die größten Konkurrenten um Titel, Schleifen und Pokale.

Man merkt Vater Ijsbrand schon die diebische Freude an, dass sein größter Rivale denselben Nachnamen trägt wie er, und die Wachablösung dürfte irgendwann auch nur noch eine Frage der Zeit sein. Dennoch klingt es schon ein wenig mürrisch wenn der 58-Jährige sagt: „Das ist doch nur eine Momentaufnahme. Es kommen ja noch ein paar Wettbewerbe.“ Die Momentaufnahme, das ist die Weltcup-Rangliste, die Bram Chardon anführt, der seinen Vater auf Platz zwei verdrängt hat.

Im vergangenen Jahr belegte Ijsbrand Chardon Platz eins, sein Sohn kam auf den dritten Rang. Und natürlich gewann die niederländische Equipe auch die Nationenwertung mit den beiden Chardons und Koos de Ronde. Damals hatte Bram Chardon erstnals Theo Timmermann aus dem Team Oranje verdrängt, was schon einer mittleren Sensation gleichkam, denn die Niederlande hatten über viele Jahre bei der Nationenwertung abgeräumt und immer in der gleichen Besetzung: Ijsbrand Chardon, Koos de Ronde, Theo Timmermann. „Als ich vom Pony-Gespannfahren kam, habe ich versucht, Teil des Nationalteams zu werden“, erinnert sich der 26-Jährige. „Im ersten Jahr war ich weit weg, im zweiten Jahr habe ich es knapp nicht geschafft. Doch immerhin war ich bei der EM in Göteborg Beifahrer meines Vaters, der Gold geholt hat. Und im dritten Jahr habe ich es dann geschafft.“

Dass Vater und Sohn sich um die Vorherrschaft in der Welt der Gespannfahrer streiten können, hängt auch mit klarer Rollenverteilung zusammen. „Wir beide haben unsere eigenen Pläne und Vorstellungen, bei welchen Turnieren wir an den Start gehen“, schildert Bram Chardon. „Hier in Aachen will natürlich jeder Erster werden. Wir tauschen uns aus, aber jeder fährt sein eigenes Gespann. Die Pferde werden untereinander nicht getauscht.“

Warum das zum Erfolg führt, ergänzt sein Vater: „Wenn man Pferde tauscht, hat man zwei gute Gespanne, aber kein Sieger-Gespann.“ Und wer hat nun das Sieger-Gespann? „Natürlich ich“, sagt der 58-Jährige – und muss erneut grinsen. Aber diese Aussage fusst auf festem Fundament. „Hier in Aachen zu gewinnen, das ist das Größte auf der Welt. Und was ist, wenn man das gleich zwölf Mal geschafft?“ Nun, auf jeden Fall etwas noch viel Größeres, wie man mühelos erahnen kann.

Trotzdem allem bleibt noch Zeit, sich für „Jump & Ride“ zu begeistern, dem Team-Wettbewerb von Reiter und Gespannfahrer, der eigentlich mehr Show ist, Doch Bram Chardon nimmt selbst teil und erwartet noch die Ankunft seines Lippizaner-Gespanns. „Das ist für uns die große Chance, im Hauptstadion einzufahren“, will der 26-Jährige das Gespannfahren aus dem Nischendasein herausholen und auf diese Art auch zur Publikumsattraktion bei kleineren Turnieren machen. „Und wir können unsere Indoor-Gespanne auch schon im Sommer fahren. Dadurch steigt natürlich das Niveau von Jahr zu Jahr.

Doch natürlich steht der Wettbewerb in der Soers auch in der Kaffeepause der Chardons im Mittelpunkt, auch wenn das Überflügeln des Vaters durch den Sohn keine Erfindung des Gespannfahrens ist, sondern eher ein Thema mit antiken Wurzeln. Dennoch wartet die Frage aller Fragen natürlich noch auf Beantwortung. Was passiert eigentlich, wenn Bram Chardon seinem Vater Ijsbrand den Sieg in der Soers wegschnappen sollte: „Dann wird es natürlich Ärger geben“, sagt Bram, und nun ist es an ihm zu grinsen, „Aber erst zu Hause und nicht hier auf dem Turniergelände.“

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