Aachen: Delestre triumphiert über die Dreher-Faust

Aachen: Delestre triumphiert über die Dreher-Faust

Hans-Dieter Dreher hatte schon die Becker-Faust in den griesgrämigen Soerser Himmel gereckt: Der deutsche Springreiter wusste, dass er gerade im Preis der H&T Automotive Components eine Riesenzeit hingelegt hatte - fehlerlos versteht sich. An dieser Marke von 55,49 Sekunden schienen die Träume aller 23 Nachfolger zu zerschellen.

Immer näher rückten sie ihm auf die Zeit-Pelle, doch auch der schnelle Alvaro Miranda auf AD Wilbert blieb hauchdünn dahinter. Nur noch zwei Konkurrenten blieben übrig - und dann schlug Simon Delestre zu: 0,15 Sekunden entschieden über Sieg und Niederlage, pardon: den zweiten Platz. Als vorletzter Starter schob sich der in Metz geborene Franzose noch an Dreher vorbei. Und streckte nicht die Becker-Faust, sondern die flache Delestre-Hand triumphierend in die Höhe: Das passte, hatte doch Boris Becker seinen Auftritt beim CHIO wenige Stunden zuvor abgesagt.

Andere wie Marcus Ehning, nahmen die Jagd nach der schnellsten Zeit deutlich lockerer. Der Borkener absolvierte seinen Ritt locker, flockig, ohne Fehler - aber auch ohne jede Hast.

Noch schneller ging es im Springen zuvor zu. Es war der Preis des Handwerks, doch eigentlich war es so etwas wie der große Preis der schnellen Beine. Für die Zeitspringprüfung werden wahre „Rennpferde” gesattelt, es kommt auf den Speed an, da alle Fehler in Sekunden umgerechnet werden. Als Speed-Königin entpuppte sich die US-Amerikanerin Beezie Madden. Für ihren Parforce-Ritt (62,19)auf Prima gab es anstatt einer Krone allerdings 3300 Euro. Neben Madden blieben noch vier weitere Reiter ohne Springfehler. Der Brite Guy Williams allerdings kam sogar mit einem Abwurf auf Platz 2. Es war eben die hohe Kunst des Abwägens: Wie viel Risiko gehe ich ein, wie sehr setze ich nur auf Tempo und wie viel Zeit kostet mich das Abräumen?

Der Parcours hatte obendrein eine feuchte Klippe, an der etliche scheiterten: René Tebbel auf Kolibris Red, Lokalmatador Thomas Weinberg auf Dorian Red und Max Kühner auf Racord wurden Opfer von Pulvermanns Grab. Die Aachener Ehre aber rettete Frederik Knorren, der auf Esquire einen grandiosen vierten Rang schaffte und dafür immerhin 1000 Euro einstreichen durfte.

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