Keinen Startplatz beim CHIO-Reitturnier 2020: Das schleichende Karriere-Ende der Reiterin Michaels-Beerbaum

Keinen Startplatz beim CHIO-Reitturnier 2020 : Das schleichende Karriere-Ende der Reiterin Michaels-Beerbaum

Keine Springreiterin hat so viele Medaillen und Siege gefeiert wie Meredith Michaels-Beerbaum. Viele Jahre war die gebürtige US-Amerikanerin wichtiger Teil der deutschen Nationalmannschaft. Das hat sich geändert - aber nicht ganz freiwillig.

Etwas verloren wirkte Meredith Michaels-Beerbaum, als sie über das CHIO-Gelände in Aachen spazierte. In einer blauen Jeans, nicht in weißer Reithose. Für die erfolgreichste Springreiterin der Welt gab es im Juli keinen Startplatz beim berühmtesten Reitturnier der Welt. „Das tut schon ein bisschen weh“, sagte Michaels-Beerbaum, die am zweiten Weihnachtstag 50 Jahre alt wird.

„Ich wäre gerne dabei“, gestand die Reiterin, die als erste Frau auf Platz eins der Weltrangliste stand. Aber ohne ein gutes Pferd ist auch eine Weltklasse-Reiterin nur Fußgängerin. Seit dem Verkauf von Fibonacci nach Olympia-Bronze in Rio hat Michaels-Beerbaum den Anschluss verloren. Die Reiterin, viele Jahre in den Top Ten zu Hause, ist inzwischen auf Rang 672 des Rankings zurückgefallen.

Besserung ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil. Die Besitzer von La Caramba, Calle, Carlito's Way und Cool Hand Luke haben vor wenigen Wochen das Quartett verkauft. Geritten werden die Pferde jetzt von Rodrigo Pessoa, der nach längerer Pause und einem erfolgreichen Engagement als irischer Nationaltrainer wieder reiten und bei den Olympischen Spielen in Tokio starten will.

Ein Olympia-Start, es wäre ihr vierter, ist für Michaels-Beerbaum utopisch. „Meredith ist ein echter Wettkampftyp“, sagte Bundestrainer Otto Becker. „Mit einem passenden Pferd würde ich sie jederzeit nehmen.“ Aber so ein Pferd gibt es derzeit nicht im Stall im niedersächsischen Thedinghausen, wo sie seit 1997 zu Hause ist.

„Das ist Teil des Geschäfts“, sagte die Reiterin zum Verkauf von Spitzenpferden, den sie erstmals nach Olympia 2012 mit Bella Donna erlebt hatte. Ihre bemerkenswerte Karriere, die mit dem Engagement der damals 21 Jahre alten US-Amerikanerin bei Paul Schockemöhle begann, nähert sich schleichend dem Ende.

Die Erfolgsliste bleibt beeindruckend. Goldene Medaillen bei EM und WM holte sie nach der Heirat mit Markus Beerbaum für Deutschland. Dreimal feierte Michaels-Beerbaum den Sieg im Gesamt-Weltcup, als bisher einzige Frau. Wurde dreimal Rider of the Year, auch das als bisher einzige Frau. Vor allem mit Shutterfly und Checkmate ritt sie viele Jahre von Sieg zu Sieg, war unter dem Kürzel MMB ein Star.

Vorbei. „Mein Leben hat sich geändert, ich habe meinen Fokus verschoben“, sagte die Reiterin jüngst dem Internetportal „worldofshowjumping.com“. „Jahr für Jahr war ich ununterbrochen unterwegs. Ich bin von Turnier zu Turnier gereist, habe Resultate und Punkte für die Weltrangliste gejagt.“

Jetzt jagt sie nicht mehr. Die vielen Monate ohne Erfolge und vor allem ihre inzwischen neunjährige Tochter Brianne haben ihr Leben und ihre Einstellung verändert: „Es fühlt sich wie der richtige Zeitpunkt an, einen neues Kapitel zu beginnen.“ Sie will vermehrt als Trainerin arbeiten. So wie ihr Mann Markus Beerbaum, der seine eigene Karriere zugunsten von Meredith zurückgestellt und neben seiner Frau vor allem amerikanische Reiterinnen erfolgreich trainiert hat.

Für Michaels-Beerbaum stehen jetzt andere Dinge im Vordergrund. Das heiße aber nicht, dass sie ihre sportliche Karriere beende, sagte die Reiterin. Sie träume weiter davon, den Großen Preis von Aachen „noch einmal zu gewinnen“, so wie 2005. Und sie träumt weiter davon, „mit dem deutschen Team auf dem Podium zu stehen“.

(dpa)