Aachen: „Danke, dass ich so ein Pferd reiten kann”

Aachen: „Danke, dass ich so ein Pferd reiten kann”

„Es ist toll, hier in Aachen die Deutschen zu schlagen”, jubelte Mary King. Die Briten waren in der Teamwertung der Vielseitigkeit die Sieger. Das deutsche Team musste sich dagegen mit Platz 5 zufrieden geben - zum ersten Mal, seit die Vielseitigkeit Teil des CHIO ist.

Nach einer insgesamt guten Dressur verbuchte die deutsche Mannschaft bereits im Springen einige Abwürfe. Nur Andreas Dibowski mit Fantasia blieb fehlerfrei.

Das wollte Bundestrainer Hans Melzer aber nicht zu hoch bewerten: „Jeder von unseren Reitern arbeitet zu Hause individuell mit einem guten Springtrainer. Und der Parcours war so über die ganze Arena verteilt, dass mir selbst Michael Jung erzählt hat, sein Pferd sei nur mit Gucken beschäftigt gewesen, so dass er in der Dreifachen noch mal ordentlich habe Druck machen müssen. Ich glaube nicht, dass wir insgesamt ein Springproblem haben.”

Zwei Verweigerungen

Auch im Gelände war Fortuna den Schützlingen von Bundestrainer Hans Melzer nur mittelprächtig hold: Die Verweigerungen von Le Prince des Bois unter Kai Rüder und Franco Jeas unter Andreas Ostholt kosteten wertvolle Punkte.

Einen Haken machte der Bundestrainer unter die Leistungen von Michael Jung, der seine beiden Pferde Sam und Leopin glänzend durchs Gelände steuerte, und Andreas Dibowski auf Fantasia. Öffentlich werden die deutschen Starter bei der Europameisterschaft im August in Luhmühlen erst in drei Wochen nach der Weltcup-Prüfung in Malmö nominiert, aber der Sieger der diesjährigen Vielseitigkeit in Aachen, Michael Jung auf Sam, wird wohl genauso sein Ticket schon gelöst haben wie Andreas Dibowski auf Fantasia.

Jung, der sein Pferd nach jedem Hindernis im Gelände sichtbar lobte, war später einfach nur froh: „Sam ist ein fantastisches Pferd. Ich kann nur danke sagen, dass ich so ein Pferd reiten kann.” Die Gerüchte von vor einem knappen Jahr, dass Sam verkauft werden sollte, sind endgültig Schnee von gestern.

Vorbeigerauscht

Jung berichtete von der Geländestrecke, dass sie einen Hauch einfacher gewesen sei als im Vorjahr. Allerdings machten die technischen Anforderungen es immer noch notwendig, das Pferd vor den einzelnen Hindernissen vorzubereiten. Ein Punkt, den Ingrid Klimke im Rausch der Gefühle vielleicht kurzfristig verpasste: Und schon war ihr pfeilschneller Abraxxas an der Hürde vorbeigerauscht.

„Sie hat ihm ganz kurz zu viel Raum gelassen, anders als wir es besprochen haben, aber ich bin insgesamt super zufrieden und glücklich, dass Ingrid so gut durchs Gelände gekommen ist”, erklärte Hans Melzer erleichtert. Zwar muss sie sich noch beweisen, bevor sie ihre Nominierung für die Europameisterschaft bekommt, aber ihre Chancen stehen gut.

Richtig happy war Hans Melzer mit Julia Mestern und Schorsch. „Jetzt kann ich es ja sagen, Julia ist vor zwei Wochen noch an einem Graben runtergefallen. Sie hatte ja in der Vergangenheit in Aachen nicht ganz soviel Glück, aber das war jetzt eine ganz hervorragende Runde.” Mestern meisterte das Gelände wie unter den deutschen Startern sonst nur Michael Jung auf Leopin völlig strafpunktfrei, also auch innerhalb der erlaubten, mal wieder extrem knapp bemessenen Zeit von sieben Minuten.