Aachen: CHIO-Vermarkter Michael Mronz über seine Olympia-Pläne für NRW

Aachen : CHIO-Vermarkter Michael Mronz über seine Olympia-Pläne für NRW

Ein paar Jahre ist Michael Mronz ja schon dabei, seit 1997 ist er Geschäftsführer der Aachener Reitturnier GmbH (ART), aber Routine wird so ein CHIO dennoch nicht. Im Interview mit Lukas Weinberger spricht der 51-Jährige über das diesjährige Turnier, das der Zukunft und den Traum von den Olympischen Spielen 2032 in der Soers.

Herr Mronz, der CHIO ist wieder vorbei. Sind Sie erleichtert oder doch ein bisschen wehmütig?

„Wir wollen die Marke CHIO an die Jugend binden“: Michael Mronz. Foto: Michael von Fisenne

Mronz: Die zehn Turniertage gehören für mich zu den schönsten im ganzen Jahr. Es macht sehr viel Spaß nach all den Vorbereitungen mit dem ganzen Team zu sehen, wie das angenommen wird, was wir uns überlegt haben.

Es hätte also noch ein paar Tage weitergehen können?

Mronz: Es macht großen Spaß, an der Entwicklung dieses Turniers zu arbeiten, Tag für Tag. Natürlich ist da ein bisschen Wehmut dabei, wenn es zu Ende ist, aber das schlägt dann schnell in Vorfreude aufs nächste Jahr um. Wir als Verantwortliche haben ja irgendwie 365 Tage CHIO, weil wir gedanklich schon beim nächsten Turnier sind.

Hatten Sie Zeit, auch mal in den Stadien vorbeizuschauen?

Mronz: Wenn ich Sport schauen möchte, müsste ich mir einen anderen Job suchen und als Zuschauer vorbeikommen (lacht). Aber natürlich bekomme ich hier und da etwas mit, zum Beispiel den unglaublichen Sieg der Springreiter im Nationenpreis am Donnerstagabend. Das habe ich mit einem Auge verfolgt — und natürlich die grandiose Stimmung danach aufgesogen.

Den Hasen, der bei der Prüfung von Dorothee Schneider im Grand Prix durch das Dressurstadion gehoppelt ist, haben Sie aber nicht live gesehen.

Mronz: Nein, das habe ich nicht gesehen. Ich muss da noch mit Frank Kemperman klären, ob der Hase Eintritt bezahlt hat oder akkreditiert war. Andere Tiere als Pferde sind auf der Anlage ja eigentlich nicht erlaubt. Da muss ich noch mal nachforschen (lacht).

In anderen Bereichen haben Sie das sicher längst getan: Wie fällt Ihre Bilanz als Turniervermarkter aus?

Mronz: Da sind wir sehr zufrieden, natürlich. Wir hatten rund 92 Prozent Auslastung in dieser Turnierwoche, das sind Zahlen, die wir so noch nie hatten. Für uns ist aber nicht entscheidend, Rekorde aufzustellen. Wir freuen uns, dass die Akzeptanz weiter steigt, dass die Konzepte aufgehen, die wir entwickeln. Wir haben mit neuen Aktivitäten versucht, noch mehr potenzielle Zuschauer anzusprechen, und wir sehen, dass uns immer mehr Menschen besuchen, die nicht aus der direkten Umgebung kommen. Es gibt eine feste Basis von Zuschauern aus Aachen, viele Reitsportfans, und wir holen auch das Eventpublikum ab.

Da spielen die Sozialen Medien eine große Rolle.

Mronz: Wir können dort die ganze Palette abbilden, die der CHIO anbietet. Wir hatten zum Beispiel nicht nur Blogger, die sich mit Reitsport beschäftigen, sondern auch solche, die sich mit Mode, Essen und Lebensstil befassen. So transportieren wir das, was den CHIO ausmacht. Die Mischung aus den klassischen und den neuen Medien macht’s.

Welchen Effekt hat das?

Mronz: Die Einschaltquoten waren dieses Jahr zum Beispiel wirklich sehr gut. Bei der Eröffnungsfeier war sie im Vergleich mit dem Vorjahr teilweise um 50 Prozent höher, beim Nationenpreis war sie so hoch wie noch nie. Es geht aber nicht darum, jetzt zu sagen, wie toll das doch ist. Es wird sicher wieder Phasen geben, in denen das aus diesem oder jenen Grund schlechter ist. Es geht um die langen Linien.

Das müssen Sie erklären.

Mronz: Unser Ziel ist immer die Entwicklung, nicht der kurzfristige Effekt. Wir freuen uns über die Quoten, aber wir wollen sicherstellen, dass das auch in der Zukunft so bleibt.

Klingt, als wäre alles perfekt.

Mronz: Wir sind nicht perfekt, und das ist auch gut so — sonst hätte es den Hasen im Dressurstadion nicht gegeben. Was uns wichtig ist, ist unsere DNA: Es muss immer erkennbar sein, dass dieses Turnier nur so in Aachen stattfinden kann, wir dürfen nicht austauschbar werden. Perfekt ist es nie, aber es muss unser Ziel sein, Jahr für Jahr besser zu werden.

Sie haben sicher einen Plan, oder?

Mronz: Es ist ja bekannt, dass wir gerne einen zweiten Turnierplatz hätten. Wenn wir weiterhin das beste Reitturnier der Welt sein wollen, ist es einfach notwendig, dass wir weitere Flächen hinzubekommen. Wenn die Polizei das jetzige Präsidium verlässt, möchten wir da gerne zugreifen. Uns geht es da in erster Linie um den Jugendbereich.

Warum ist das so wichtig?

Mronz: Wir wollen die Marke CHIO Aachen national und international an die Jugend binden. Ich nutze da gerne das Beispiel des Tennisturniers in Wimbledon: Da spielen in der zweiten Woche auch die Jugendlichen, und das verstärkt natürlich den Traum, irgendwann als Profi auf dem Center Court spielen zu wollen. So wäre es in Aachen auch. Der Sport ist globaler geworden. Wir können nicht stehen bleiben und hoffen, die Nummer eins zu bleiben. Das können wir nur bleiben, wenn wir uns jeden Tag fragen, wie wir noch attraktiver werden können.

Gibt es denn etwas, über das Sie sich geärgert haben? Vielleicht über zu hohe Parkgebühren?

Mronz: Über das Thema ist ja hinlänglich gesprochen worden. Die Apag hat sich entschuldigt, was wir natürlich begrüßen. (Die städtische Parkhausgesellschaft Apag hat sich dafür entschuldigt, am ersten CHIO-Wochenende bei der Abendveranstaltung „Pferd und Sinfonie“ für Parkplätze an der Eissporthalle den vollen Tagessatz von bis zu 30 Euro verlangt zu haben; Anm. d. Red.) Wichtig ist, dass wir hier den besten Reitsport mit der besten Infrastruktur zeigen wollen, dass wir ein Volksfest sein und uns zudem als Premiummarke präsentieren wollen.

Ist das nicht ein schwieriger Spagat?

Mronz: Ich sehe das nicht als Spagat. Wir haben da schon lange eine gute Lösung: Der Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) kümmert sich mit Frank Kemperman als Geschäftsführer um den sportlichen Bereich und das ganze Drumherum, die ART behandelt die wirtschaftlichen Themen. So kommt es nie zu einer Situation, in der das eine oder andere vernachlässigt wird, weil wir in einem ständigen Austausch sind. Das sportliche Produkt muss top sein, damit die Marke weiterentwickelt werden kann. Wenn aber nur an den Sport gedacht und die Marke vernachlässigt wird, fehlt irgendwann die wirtschaftliche Kraft, um die Marke weiterzuentwickeln. Beides muss also im Gleichschritt passieren, und das klappt bei uns sehr gut.

Und sie haben sicher schon Pläne für die Turniere in den Jahren 2019, 2020, 2021…

Mronz: …Wir haben vor allem einen Plan für 2032.

Sie sind der Antreiber der Idee, die Olympischen Spiele dann an Rhein und Ruhr zu holen — und damit auch nach Aachen.

Mronz: Wir wollen, dass die Reitwettbewerbe dann in der Soers ausgetragen werden. Unser Planungskonzept ist mit Blick auf die Nachhaltigkeit einzigartig. Wir haben in Nordrhein-Westfalen so großartige Möglichkeiten, die Spiele toll zu präsentieren, ohne viel neu bauen zu müssen. Es ist eine große Chance, auch mit Blick auf Digitalisierung und Mobilität. Auch die Landesregierung mit Ministerpräsident Armin Laschet an der Spitze ist von unserer Idee überzeugt. Weil wir Dinge vorantreiben können, die wichtig für die Entwicklung des Bundeslandes sind.

Jetzt muss sich also nur noch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bereiterklären, sich für die Spiele 2032 zu bewerben.

Mronz: Wir sind im Austausch mit dem DOSB. Ich kann die Zurückhaltung des Verbands nachvollziehen, weil ja zuletzt Bewerbungen gescheitert sind, weil die Bürger sich gegen die Spiele ausgesprochen hatten — auch weil sie ihnen zu kostspielig waren. Unser Ziel ist es, den Sport wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Die Infrastruktur haben wir in Nordrhein-Westfalen schon jetzt zum allergrößten Teil, auch wenn da natürlich noch Dinge angepackt werden müssen.

Auch in Aachen?

Mronz: Ja. Wir wären zum Beispiel noch nicht in der Lage, Paralympics in der Soers durchzuführen. Der zweite Turnierplatz wäre zum Beispiel auch wichtig, um mittelfristig eine Disziplin wie die Para-Dressur in den CHIO zu integrieren. Inklusion ist ein ganz wichtiges Thema, und deshalb beschäftigen wir uns damit.

Und wie geht es jetzt weiter?

Mronz: Der DOSB hat zuletzt erklärt, sich vorstellen zu können, eine Bewerbung für Spiele zwischen 2030 und 2040 abzugeben. 2032 liegt in diesem Korridor. Wir werden unseren Weg weiterverfolgen.