CHIO-Auftakt: Pferd & Sinfonie mit Stars der Dressur-Szene

Auftakt CHIO-Rahmenprogramm : Sanfter Zauber bei Pferd & Sinfonie

Pferd & Sinfonie begeistert das Publikum zum Auftakt des CHIO-Rahmenprogramms im Deutsche Bank Stadion. Stars wie Dressurreiterin Helen Langehanenberg und Jean-François Pignon, sowie das Sinfonieorchester unter Christopher Ward konnten die Zuschauer in Aktion erleben.

„Diego“ ist der heimliche Star. Wer kann schon einem kleinen klugen Shetland-Pony widerstehen, das seinem großen bretonischen Kollegen „Quizas“ alle Dressurschritte perfekt nachmacht. Eine Meisterleistung ihrer Trainerin Mélie Philippot. Das Publikum bei der 16. Ausgabe von Pferd & Sinfonie im Deutsche Bank Stadion beim CHIO in Aachen ist begeistert. Noch bis zum 21. Juli bietet der Aachen- Laurensberger Rennverein internationalen Pferdesport auf höchstem Niveau – den Start prägte am Wochenende die Veranstaltung von ALRV und Theater Aachen.

Charmant und bestens informiert begleiten Musikdramaturgin Pia-Rabea Vornholt und Stadionsprecher Volker Raulf mit Informationen und Storys die Zuschauer an zwei Abenden durch eine Show der Überraschungen. Gut vorbereitet auf der Tribüne: das Sinfonieorchester Aachen unter der Leitung von Generalmusikdirektor Christopher Ward, der es sicher nicht geahnt hat, dass er einmal eine Gruppe von Schmieden aus der Region dirigieren würde. „Sie sind immer für unsere Pferde da, rund um die Uhr“, betont Raulf. Bei der Polka „Feuerfest“ von Johann Strauss beweisen sie am Amboss eine Menge Taktgefühl.

Für Ward ist Pferd & Sinfonie eine Premiere. Die Musikauswahl klingt jugendlich frisch und ist bereits im Motto „La vie es belle“ eine Verbeugung vor dem diesjährigen CHIO-Partnerland Frankreich. Eine Sängerinnen, die bezaubert: die Mezzosopranistin Fanny Lustaud hat Wärme, Kraft und Leidenschaft in der Stimme. Gänsehautmomente gibt es bei „Hijo de la luna“ sowie Caro Emeralds Songs „A night like this“ und „That Man“. Sie alle schaffen die magische Verbindung von Menschen und Pferden. Und das ist der Ansatz für eine Spende von ALRV und Theater Aachen in Höhe von 12.000 Euro, die ALRV-Präsident Carl Meulenbergh zusammen mit dem GMD Jens Ulrich Meyer, dem Vorsitzenden des Vereins Kinderseelen, überreicht, wo man mit Reittherapie psychisch kranke Kindern unterstützt.

Das Sinfonieorchester Aachen unter der Leitung von Generalmusikdirektor Christopher Ward war gut vorbereitet. Foto: Andreas Steindl

Pferde tun allen gut. Da sorgen die französischen Reiterinnen der Grandes Écuries de Chantilly mit edlen Roben und Blumen geschmückten Hüten für ästhetisches Vergnügen, umringt von den Tänzerinnen der Ballettschule Ferberberg. Tempo ist angesagt bei den zwölf Pferden des Ponyshowteams von Anja Mertens, die eine perfekte Springquadrille zeigen. Dann wird es besinnlich mit den Hirten aus der Camargue rund um Renaud Vinuesa, der seine Stutenherde mit zahlreichen Fohlen zu George Bizets „L’Arlesienne Suite“ präsentiert.

Eine stille, schöne Begegnung. Das diesjährige Programm von Pferd & Sinfonie ist geprägt von einfühlsamen Ideen, die Musik und Performance in wechselnden Lichtstimmungen verbinden, etwa bei der Akrobatik des Voltigiervereins Köln-Dünnwald, die Jules Massenets „Méditation aus Thais“ mit dem künstlerisch-kraftvollen Tanz auf dem Pferd beantworten.

Musikdramaturgin Pia-Rabea Vornholt und Stadionsprecher Volker Raulf begleiteten die Show als Moderationsduo. Foto: Andreas Steindl

Mit Spannung erwartet – und von Volker Raulf mit einer langen Liste ihrer internationalen Erfolge angekündigt: Dressurreiterin Helen Langehanenberg, die zu Klängen der Carmen-Suite von Bizet ihre Stute Brisbane in majestätschen Gangarten durch die Arena „schweben“ lässt, ein Highlight im Programm. Von der puren Eleganz zur flinken Perfektion führen die zehn Isländer, die im „Tölt“, der speziellen Gangart dieser Rasse, die Ferberberg-Tänzerinnen zu Jacques Offenbachs „CanCan“ aus „Orpheus in der Unterwelt“ umrunden, ein lebendiges Schauspiel aus Tanz und Temperament. Und währen der Himmel über der Soers in Pastellfarben leuchtet, geht die Sonne im Schaubild der Grandes Écuries auf, eine goldglänzende Szene mit wehendem Stoff, die – folgerichtig – vom Mond abgelöst wird.

Zauberhaft die drei Artistinnen des Lufttanztheaters Berlin in ihren durchsichtigen Kugeln als feenhafte „Kinder des Mondes“. Fanny Lustaud singt die von der spanischen Band Mecano vertonte Poesie hingebungsvoll, Britta Rasche-Merk umrundet dazu die Leuchtkugeln mit ihrem unerschrockenen Pferd.

„Diego“, das Shettland-Pony, war der heimliche Star. Foto: Andreas Steindl

Lässt sich das noch toppen? Darum geht es gar nicht bei Pferd & Sinfonie, das die Harmonie feiert. Besser, als bei Jean-François Pignon, dem Meister der Freiheitsdressur, kann man das nicht zeigen.

Er kommt inmitten seiner neun Pferde im lockeren weißen Hemd in die Arena, rennt an der Spitze der Herde, die ihm ohne Zögern folgt, ihn eng umrundet, kleine Spielchen mitmacht und mal in Formation, mal in Einzelaktionen den kaum sichtbaren Befehlen gehorcht. Das ist Vertrauen – beiderseits. César Francks Sinfonie d-Moll bietet dazu die richtigen Klänge, bevor die Fackeln leuchten und Edward Elgars prächtiger Marsch „Pomp and Circumstances“ den Abend abschließt. Das Publikum feiert alle Akteure.

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