CHIO 2018: Deutsche Springreiter kämpfen in Aachen um das WM-Ticket

Aachen : Deutsche Springreiter kämpfen in Aachen um das WM-Ticket

Es war makellos. Null Strafpunkte erschienen auf der Anzeigetafel. Mit dem Idealergebnis hatten die deutschen Springreiter 2017 den Nationenpreis in Aachen vor der Schweiz und den USA (je 8) gewonnen. Marcus Ehning, Maurice Tebbel und Philipp Weishaupt hatten sich in zwei Umläufen keinen Fehler geleistet, nur Marco Kutscher (12/4), der das Streichergebnis stellte.

Bei der folgenden EM lief es für das deutsche Team, in dem Laura Klaphake anstelle von Kutscher ritt, nicht so gut: 24,52 Strafpunkte insgesamt bedeuteten Platz fünf.

Die Generalprobe

Anno 2018 muss Bundestrainer Otto Becker nun den Spagat zwischen Titelverteidigung und Rehabilitierung schaffen, denn Highlight in diesem Jahr sind die Weltreiterspiele im September im amerikanischen Tryon. Und der CHIO Aachen ist einmal mehr die wichtigste Generalprobe — nicht nur für die deutschen Springreiter.

Mit Ehning, Klaphake und Tebbel schickt der Bundestrainer drei Reiter des EM-Teams ins Rennen, hinzu kommen Simone Blum und Hans-Dieter Dreher. „Die Reiter des A-Kaders und die, die bei den großen Nationenpreisen im Team standen“, umschreibt er das Kontingent, aus dem er mit Blick auf Aachen und die Weltreiterspiele schöpft. „Aber das ist keine geschlossene Gesellschaft.“ Zumal mit Weishaupt und Convall ein Paar fehlt, das beste Aussichten auf ein WM-Ticket hat. „Philipp ist ja als Sieger in Calgary für den Großen Preis schon vorqualifiziert“, verrät Becker, dass beim Aachen-Sieger 2016 der Schwerpunkt diesmal auf dem Rolex-Grand- Slam liegt.

Aachen ist zwar die wichtigste Station auf dem Weg zur WM, aber nicht die letzte. Denn die Longlist für Tryon (12. bis 23. September) muss erst am 13. August stehen, „der namentliche Nennungsschluss ist sogar erst am 10. September“, so Becker, „aber so lange werden wir uns nicht Zeit lassen, damit die Reiter planen können.“

Da die Saison bis zur WM so lang ist, hatte Becker taktisch geplant. Jedes Jahr hat seine eigenen Herausforderungen“, sagt der 59-Jährige. So ging beispielsweise Catch me if you can, Top-Pferd von Laura Klaphake, bei der DM nur im U 25-Pokal, überzeugte auf großem Parkett erstmals wieder beim Nationenpreis in Rotterdam, wo das deutsche Team Zweiter hinter Belgien wurde. Alice, Top-Pferd von Simone Blum, pausierte im Frühjahr verletzt und meldete sich mit dem Sieg beim Großen Preis von Arnheim zurück. „Mit Hans Dreher und Berlinda testen wir zudem ein neues Paar auf Top-Niveau“, verrät Becker.

Neben Ludger Beerbaum, Christian Ahlmann und Daniel Deußer, die alle nicht fürs Team zur Verfügung stehen, fallen besonders vier interessante Namen auf der deutschen Liste auf: Michael Jung, Sandra Auffarth, Ingrid Klimke und Andreas Ostholt — ihres Zeichen Vielseitigkeitsreiter, die diesmal zusätzlich bei den Spezialisten unterwegs sind. Ingrid Klimke startet diesmal in Aachen sogar in drei Disziplinen — die Vielseitigkeitseuropameisterin sattelt auch in der Dressur.

Die internationale Konkurrenz ist top, auch wenn der Weltranglisten-Erste Harrie Smolders, Weltmeister Jeroen Dubbeldam (beide Niederlande) ebenso wie Europameister Peder Fredriccson (Schweden) fehlen.

Weinberg und die Belgier

Im Nationenpreis dürfte von der Papierform her die größte Konkurrenz aus der Nachbarschaft kommen: Die Belgier reiten unter der Führung ihres deutschen Bundestrainers Peter Weinberg (Kohlscheid) aktuell sehr erfolgreich. Angeführt von Gregory Wathelet, 2015 Vize-Europameister in Aachen und 2017 Sieger im Großen Preis von Aachen, starten zudem Niels Brynssels, der mit dem Sieg in s‘Hertogenbosch in seinen Grand-Slam-Zyklus einstieg, Pieter Devos, Yves Vanderhasselt und Nicola Philippaerts. Auch die USA stellen, u. a. mit Beezie Madden und McLain Ward, ein Top-Team.

(rau)
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