Erster Auftritt seit 2015: Charlotte Dujardin und ihre Rückkehr nach Aachen

Erster Auftritt seit 2015 : Charlotte Dujardin und ihre Rückkehr nach Aachen

Die hochdekorierte britische Dressurreiterin reitet erstmals seit 2015 wieder in der Soers und geht mit dem Pferd eines Landsmannes an den Start.

Das Mädchen aus der Londoner Mittelklasse-Familie hatte immer schon einen Hang zu Pferden. Angefangen zu reiten hat sie schon im Alter von zwei Jahren, eine Frühstarterin, ihr Talent stellte sich schnell heraus. Und so ist es auf den ersten Blick nicht verwunderlich, dass Charlotte Dujardin heute, im Alter von 34 Jahren, den Olymp der Dressurreiterei bereits bestiegen hat: Sie hat alle großen Titel in ihrem Sport erreicht, ist dreifache Olympiasiegerin, Doppelweltmeisterin 2014 und Doppel-Europameisterin 2013 und 2015, dazu holte sie 2011 mit dem Team EM-Gold; Dujardin hält außerdem drei Weltrekorde.

So einfach das alles auch klingen mag, ist es dann aber doch nicht gewesen. Dressurreiten ist ein Sport, der großen finanziellen Aufwand erfordert – auch bei einer, die so großes Talent hat wie Dujardin. Sie musste das Geld irgendwie zusammentragen. Also wandte die Britin das Erbe ihrer Großmutter auf und beendete mit 16 Jahren die Schule, um ihre Karriere zu starten. Als sie mit Anfang 20 an einem Lehrgang mit Carl Hester, ebenfalls ein erfolgreicher Dressurreiter, teilnahm, fragte er sie, ob sie in seinem Stall arbeiten wolle.

Ein Pferd verändert ihr Leben

Und dort lernte Dujardin mit 22 Jahren das Pferd kennen, das ihr Leben verändern solltee: Valegro. Eigentlich für Hester selbst gedacht, erkannte der britische Sportsmann früh, dass das intensive Band zwischen Dujardin und Valegro etwas Besonderes war. Er überließ ihr das Pferd für den großen Sport, und seine Schülerin dankte es ihm in großartiger Weise: In ihrem Buch „The Girl on the Dancing Horse“ beschreibt sie, dass Menschen sie oft ansprechen, ob Pferde auch von Natur aus tanzen würden. Denn wenn sie Valegro reite, sehe es schließlich so aus, als ob das Pferd dies völlig von selbst tue, ohne aktive Einwirkung der Reiterin. „Ich liebe diese Frage“, sagt Dujardin, denn sie bestätige ihr, dass der Einklang, die Harmonie zwischen Pferd und Reiterin, das Wichtigste in ihrem Sport sei. Mit 14 Jahren wurde Valegro aus dem großen Sport verabschiedet, das war im Jahr 2016. Mit ihm hat Dujardin alles erreicht, was möglich war – eben jene Titel bei den Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Besser ging es nicht, der Abschied war also nur konsequent und folgerichtig.

Dujardin ist in Aachen ein selten gesehener Gast, 2014 trat sie zuletzt beim CHIO an. Mit Valegro siegte sie damals in der Kür, musste im Spécial aber Matthias Alexander Rath auf Totilas den Vortritt lassen. Ein Jahr später war sie noch einmal in der Soers, bei der Europameisterschaft: Am Ende holten die Britin sowohl in der Kür als auch im Spécial Gold, mit dem Team gewann das Duo Silber.

Wenn sie in diesem Jahr beim CHIO an den Start geht, reitet sie nicht ihr neues Championatspferd Freestyle, sondern den Trakehner-Wallach Erlentanz im Besitz des britischen Dressurreiters Sonnar Murray-Brown. Dieser hatte zu Jahresbeginn einen Unfall, brach sich das Bein – und stellte Dujardin daher das Pferd zur Verfügung.

Der Dunkelbraune gewann im Mai unter Dujardin die Kür beim Turnier in Windsor zur Musik von Valegro aus „Drachenzähmen leicht gemacht“. Zu den Höhepunkten ihres Ritts zählten die fliegenden Galoppwechsel, für die es sogar einmal die Höchstnote 10,0 gab. Wackelig dagegen die Galopp-Pirouette nach links, als der zwölfjährige Wallach von Latimer-Benz zu früh in den Trab fallen wollte. Mal schauen, was diesmal geht, wenn „Erly“ erstmals außerhalb der grünen Insel ins Wettkampfviereck galoppiert. Und sich auch Charlotte Dujardin endlich wieder beim Weltfest des Pferdesports in der Aachener Soers präsentiert.

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