Bundestrainer Monica Theodorescu und Otto Becker im CHIO-Interview

Bundestrainer Theodorescu und Becker im Interview : „Aachen ist immer etwas Besonderes“

Erfolgsverwöhnt sind beide, doch während für die deutschen Dressurreiter von Monica Theodorescu der Sieg im Nationenpreis beim CHIO Aachen zum achten Mal in Folge fast schon eine Pflicht ist, wäre der vierte Erfolg der deutschen Springreiter von Otto Becker schon eine Sensation.

Mit der Bundestrainerin Dressur und dem Bundestrainer Springen sprach Helga Raue.

Was erwarten Sie vom CHIO 2019 im Allgemeinen?

Monica Theodorescu: Sehr gute Leistungen unserer Reiter, wieder ein tolles Publikum in Aachen und ein tolles Fest der Pferde.

Otto Becker: Aachen ist immer etwas Besonderes für uns, der Nationenpreis und der Große Preis gehören neben den Championaten zu den Highlights der Saison. Es ist unser Heimturnier.

Und was erwarten Sie vom Nationenpreis im Besonderen?

Theodorescu: Unser Nationenpreis geht ja über zwei Tage, den Grand Prix am Donnerstag und den Spécial am Samstag. Ich erwarte, dass wir in diesem Jahr schon am ersten Tag die Führung übernehmen und nicht wie im vergangenen Jahr erst am zweiten Tag.

Becker: Die Konkurrenz ist sehr stark, die Tagesform wird entscheiden. Aber natürlich wollen wir wieder gewinnen. Das Springen unter Flutlicht mit diesem Publikum im Rücken – das ist immer ein Gänsehautgefühl. Und wenn man dann noch gewinnt, ist das ein besonderer Moment.

Sie beide haben ja selbst eine ganze Reihe Nationenpreise für Deutschland und in Aachen geritten. Gibt es einen, der Ihnen besonders in der Erinnerung geblieben ist?

Theodorescu: (lacht) Ja, dass wir in Aachen immer gewonnen haben, wenn ich im Team geritten bin. Aber im Ernst, der Nationenpreis in Aachen hatte und hat immer eine besondere Bedeutung, ist immer etwas Besonderes, da es das Heimturnier ist, das man gewinnen will.

Becker: Ich habe auch einige Mal mit dem Team in Aachen gewonnen – das ist einfach nur schön.

...und Dressur-Bundestrainerin ­Monica Theodorescu. Foto: imago/Jacques Toffi/Jacques Toffi

Gab es einen Großen Preis in Ihrer Reiterzeit, an den Sie sich besonders erinnen?

Becker: Ja, 2000 – und nicht nur, weil ich den mit Cento gewonnen habe. Ich wollte unbedingt ins Olympia-Team in Sydney. Und dachte, dass meine Leistungen dafür ausreichen müssten. Da es sonntags in Strömen goss, wollte ich mit Blick auf Olympia nichts ris­kieren und bin zu Bundestrainer Herbert Meyer gegangen und habe um Dispens vom Großen Preis gebeten. Ich habe aber einen richtig schönen Einlauf bekommen, Herbert hat gesagt: „Reit du erst mal“. Dass habe ich getan und sogar gewonnen.

Theodorescu: 1990 war es ähnlich feucht. Ich habe mit ­Grunox meine Pirouetten und Piaffen in tiefen Pfützen gemacht, aber den „Großen Dressurpreis von Aachen“ gewonnen. Und 2012 – da habe ich mit Whisper die CDI****Tour gewonnen. Was da außer mir noch keiner wusste, es war mein letztes Turnier im Sattel, da ich danach Bundestrainerin werden sollte.

Gab es einen besonderen Nationenpreis für Sie als Trainer?

Theodorescu: Der im vergangenen Jahr war besonders, da wir aufholen mussten und das grandios gemacht haben.

Becker: Die letzten drei – die wir gewonnen haben. 2016 vor Rio mit einem erfahrenen Team und in den vergangenen beiden Jahren mit einer stark verjüngten Truppe.

Und wie sieht es mit dem Großen Preis aus?

Theodorescu: Der ist jedes Jahr besonders, bei der Kür herrscht im Deutsche-Bank-Stadion immer Gänsehautfeeling. Wenn ich da an die Ritte von Isabell Werth, Helen Langehanenberg und auch Kristina ­ Brö­ring-Sprehe in den letzten Jahren denke – unglaublich.

Becker: 2018 war insgesamt ein sehr emotionaler CHIO für mich. Hans-Günter Winkler, mit dem ich viel Kontakt hatte, war gerade gestorben, und ich habe die Rede bei der Trauerfeier gehalten. Dann haben wir erneut den Nationenpreis und Marcus Ehning den Großen Preis gewonnen – das war eine unglaublich emotionale Woche für mich.

Welche vier Reiter werden im Nationenpreis starten?

Becker: Simone Blum, Marcus Ehning, Daniel Deußer und Christian Ahlmann. Maurice Tebbel ist Ersatz.

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