Maher und Brash einzige Briten beim CHIO: Auf der Suche nach einer britischen Equipe

Maher und Brash einzige Briten beim CHIO : Auf der Suche nach einer britischen Equipe

Ben Maher und Scott Brash vertreten als einzige Springreiter Großbritannien. Es fehlt an guten Pferden – und Motivation. Der Rolex Grand Prix am Sonntag ist für die beiden das Highlight.

Ben Maher lächelt, als er nach seinen Erwartungen für den Rolex Grand Prix gefragt wird. „Warten wir mal ab, was Explosion am Sonntag leisten wird“, sagt er. Der Brite zeigt die Gelassenheit eines Siegers. Kein Wunder, konnte er doch den Turkish Airlines-Preis auf diesem Pferd gewinnen. „From zero to hero“, „von null auf hundert“, fasst der Brite den Mittwoch in der Aachener Soers zusammen. Denn sein großer Tag hatte nicht gut angefangen: „Ich hatte am Morgen einen Sturz. Zum Glück sprang das Pferd über mich und landete nicht auf mir. Das war nicht der Start in den Tag, den ich mir erhofft hatte. Aber im Nachhinein bin ich dann doch froh, dass es am Morgen und nicht beim Turkish Airlines-Preis passiert ist.“

25.000 Euro für den Sieg bei der Springprüfung waren da ein gutes Schmerzensgeld. Und ein perfekter Start für seinen Wallach, der seinen ersten Auftritt in Aachen hatte. Und damit optimal vorbereitet in den Rolex Grand Prix starten wird.

Wenn der Große Preis von Aachen thematisiert wird, hört Mahers britischer Landsmann Scott Brash genau hin. Kein Wunder, konnte er den Wettbewerb doch im Jahr 2015 gewinnen und sich durch Siege bei den Großen Preisen von Genf 2014 und Calgary 2015 zum ersten und bislang einzigen Springreiter der Geschichte krönen, der den mit einer Million Euro dotierten Rolex Grand Slam holen konnte.

Erinnerungen an 2015

„Jedes Mal, wenn ich in Aachen bin, kommen natürlich die Erinnerungen an 2015 und den Grand Slam hoch“, sagt Brash, der natürlich auf einen weiteren Sieg am Sonntag hofft. Die beiden Briten sind die einzigen Reiter, die für ihr Land beim CHIO antreten – aufgrund ihrer Weltranglistenposition. Eine britische Equipe wurde in diesem Jahr nicht eingeladen.

„Es ist sehr enttäuschend, dass wir nicht am Mercedes-Benz Nationenpreis teilnehmen konnten“, sagt Brash. Sein Blick verrät: Es entspricht nicht dem Selbstverständnis einer Nation, die den Wettbewerb immerhin sechs Mal gewinnen konnte. Und so erfolgreiche Springreiter wie John und Michael Whitaker hervorgebracht hat, die seit den 1980er Jahren bei Welt- und Europameisterschaften reihenweise Medaillen im Team abräumen konnten. „Wir haben im Moment Probleme, gute Pferde zu stellen. Wir haben zwar gute Reiter, ein Team für den CHIO haben wir aber trotzdem einfach nicht zusammenbekommen“, sagt Maher.

In seinen Augen gibt es auch noch einen anderen Grund, warum er und Brash als einzige Springreiter in den britischen Farben auftreten: „Viele Reiter denken es, sprechen es aber nicht aus. Für sie bedeutet ein Sieg beim Nationenpreis nicht viel mehr als Prestige. Da es hier in Aachen keine Punkte für den Nations Cup zu holen gibt, verzichten viele Reiter auf einen Start hier.“ Seit 2014 gehört Aachen nicht mehr zur FEI-Serie, die für die Nations-Cup-Wertung relevant ist. Da die Auswahl an geeigneten Reiter-Pferd-Kombinationen sowieso nicht besonders groß sei, müssten die Briten besonders „selektiv“ sein.

„Ich denke, dass alle Nationen mal durch so ein Tal gehen“, meint Maher. Brash fügt hinzu: „Wir hoffen natürlich, 2020 beim Nationenpreis in Aachen wieder dabei zu sein.“ Das nächste Ziel der beiden lautet Rotterdam, wo ab dem 19. August die Europameisterschaft stattfindet. „Ich wähle nicht das Team aus. Aber ich stelle meine Pferde auf jeden Fall zu Verfügung und würde gerne für mein Land antreten“, sagt Maher. Gegen einen weiteren „From zero to hero“-Moment hätte er nämlich nichts einzuwenden – sowohl beim Rolex Grand Prix am Sonntag als auch bei der EM mit der Equipe.

Mehr von Aachener Nachrichten