CHIO 2018 ist auch die WM-Vorentscheidung

Der CHIO ist die WM-Vorentscheidung

Alles andere als ein Sieg der deutschen Equipe wäre die Sensation schlechthin, eine, mit der niemand rechnet. Doch wer nun denkt, die Dressur sei langweilig, der irrt gewaltig. In Aachen wird es ein Duell um den Thron geben, das auch schon die Vorentscheidung für die WM im September in Tryon sein könnte.

Da ist auf der einen Seite Isabell Werth (48), die erfolgreichste Reiterin der Welt, sechsfache Olympiasiegerin, sieben Mal mit WM- und 17 Mal mit EM-Gold dekoriert.

Und da ist Sönke Rothenberger (23). 2016 gewann er Olympia-Gold mit dem Team, lieferte aber jeweils das Streichergebnis, 2017 gewann er EM-Gold mit dem Team und holte zweifaches Einzel-Silber — nur geschlagen von Werth. 2018 gewann er den Grand Prix in Balve und mit Cosmo DM-Gold im Spécial — jeweils knapp vor Werth, deren Stute Weihegold bei der DM nach einer Babypause noch nicht wieder auf Top-Niveau war. In der Kür, die er in Abwesenheit der Weltranglisten-Ersten gewann, brillierte Rothenberger, der unwidersprochen sagen darf: „Cosmo ist aktuell das beste Pferd der Welt.“

Der elfjährige niederländische Wallach hat eine außergewöhnliche Grundqualität an die selbst Weihegold nicht herkommt. Zudem ist er in den letzten beiden Jahren deutlich gereift und „steht jetzt im Zenit seiner Laufbahn“, so Rothenberger selbstbewusst. Im vergangenen Jahr musste sich der 23-Jährige Werth im „Großen Dressurpreis von Aachen“ noch mit vier Prozent Differenz beugen — das dürfte in diesem Jahr deutlich enger zugehen. Und Werth, definitiv die stärkste Reiterin im Feld, muss schon eine Topleistung ihrer 13-jährigen Stute abrufen, will sie den Jungspund auf seinen Platz verweisen.

Lachende Dritte könnte die US-Amerikanerin Laura Graves (30) sein. Zwar ritt sie 2017 im „Großen Preis“ mit satten sieben Prozent Rückstand auf Werth auf Rang drei, hatte aber mit dem knappen Sieg im Spécial auf Verdades unterstrichen, dass Werth sich eben keinen Fehler erlauben darf, will sie den Thron behaupten. Vierte im Bunde dürfte die Dänin Cathrine Dufour (26) sein, die auf Cassidy bei der EM 2017 Team-Silber und zwei Mal Einzel-Bronze gewonnen hatte.

Doch auch im deutschen Team blüht die Konkurrenz: Während Werth und Rothenberger das WM-Ticket sicher haben dürften, müssen sich ihre Aachener Equipe-Kollegen Dorothee Schneider (49) und Jessica von Bredow-Werndl (32) mit Dalera noch der Konkurrenz in Person von Helen Langehanenberg (36) erwehren. Mitte Juli war die Team-Welt- und -Europameisterin zum zweiten Mal Mutter geworden, hatte daher die DM verpasst. Nicht so jedoch den CHIO Aachen, die zweite WM-Sichtung. Mit ihrem EM-Pferd Damsey wird sie in der CDI****-Tour den Kollegen einheizen — so wie 2017, als sie Hubertus Schmidt noch das EM-Ticket wegschnappte.

Sich selbst Konkurrenz macht Schneider, die mit EM-Pferd Sammy Davis in der Equipe reitet, deren wiedergenesenes Olympia-Pferd Showtime ebenso wie von Bredow-Werndls Zaire in der anderen Tour geht. Und Werth hat mit dem Weltranglisten-Dritten Emilio ebenfalls noch ein zweites Eisen im Feuer.

(rau)
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