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Köln/Aachen: Boxer Max Keller: „Das war echte Völkerverständigung“

Köln/Aachen : Boxer Max Keller: „Das war echte Völkerverständigung“

Er hätte sich einen längeren Aufenthalt in Baku bei den Europaspielen gewünscht: Max Keller, Superschwergewichtsboxer des PTSV Aachen, der in Köln lebt, trainiert und studiert. Dazu aber hätte der gebürtige Stolberger die 32er-Runde überstehen müssen, was ihm nicht gelang. Trotz der Niederlage aber ist der 23-Jährige zufrieden mit seinem ersten großen internationalen Auftritt.

Wie sehr ärgert Sie Ihre Niederlage?

Keller: Ali Demirezen war wirklich ein starker Gegner. Er hat zuletzt einen richtigen Sprung nach vorne gemacht und sogar Tony Yoka, den französischen Jugendolympiasieger von 2010 in Singapur, ausgeknockt. Deshalb bin ich mit meiner Leistung nicht unzufrieden.

War die 0:3-Niederlage zu verhindern?

Keller: Ich habe zu sehr aus dem Rückwärtsgang geboxt. Mir sind zwar auch klare Treffer gelungen, aber ich habe den Kampf nicht genug bestimmt. als ich, damit bin ich nicht so gut zurechtgekommen und war nicht clever genug.

Waren Sie den nervös vor der ungewohnten Kulisse?

Keller: Es war mein erstes großes internationales Turnier. Das ist schon was anderes als Bundesliga oder Deutsche Meisterschaften. Die Anspannung war wesentlich größer, meine Muskulatur deshalb auch wohl fester als normalerweise. Deshalb hat es auch wohl nicht so geklappt, wie ich mir das vorgenommen habe. Ich habe unter meinen Möglichkeiten geboxt, aber immerhin nichts aufs Maul bekommen.

Anders als beim Profiboxen, bei denen der Rekord eine heilige Kuh ist, ist bei Euch olympischen Boxern verlieren nicht verboten, sondern wird als Lernprozess eingestuft.

Keller: Verlieren gehört dazu. Und wenn du bei nur drei Runden die erste abgibst, bist du schon enorm unter Druck. Je besser du bist, umso seltener kommt es natürlich vor. Auch diese Niederlage bringt mich weiter, und ich habe bei anderen Kämpfen gesehen, wie man im Rückwärtsgang boxen und dennoch gewinnen kann.

Hat Ihnen Ihr Psychologiestudium bei der Frustbewältigung geholfen?

Keller: Das ist eher theoretisch ausgelegt. Niederlagen wegzustecken muss man schon selbst lernen.

Wie hat Ihnen die Atmosphäre in Baku gefallen?

Keller: Die war schon toll. Wie bei Olympischen Spielen. Alle Athleten waren ungemein offen, wir haben kleine Anstecknadeln getragen, die wir dann ausgetauscht haben. So hat man sehr viele neue Bekanntschaften gemacht und neue Freunde gewonnen. Das war echte Völkerverständigung.

Und die Organisation war . . .

Keller: . . . bombastisch. Auch die Sicherheitsmaßnahmen waren nicht übertrieben. Ich hab mich wohl und nicht beobachtet gefühlt.

Was haben Sie denn von Baku noch sehen können?

Keller: Nicht so viel. Wir haben uns auf den Sport konzentriert. Nach meinem Kampf durfte ich noch zwei Tage bleiben und habe mir natürlich viele Boxkämpfe, speziell auch meine Gewichtsklasse angeschaut. Viel von anderen Sportarten konnte ich nicht sehen, mit dem Bus hat es 30, 40 Minuten gebraucht, bis man vom Athletendorf zur Halle gekommen ist. Aber wir sind so oft wie möglich in größeren Gruppen hingefahren, um andere deutsche Athleten auch lautstark zu unterstützen.

Seit wann sind Sie wieder zurück?

Keller: Ich bin heute morgen um 8.40 Uhr gelandet und natürlich noch recht müde.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?

Keller: Erst einmal werde ich es drei Tage lang langsam angehen lassen. Wir haben vor den Europaspielen sehr hart trainiert, oft drei Einheiten am Tag. Aber dann werde ich wieder Gas geben. Wahrscheinlich werde ich in einem Monat beim Chemiepokal in Halle starten. Mitte September stehen dann die Deutschen Meisterschaften an, für die ich gesetzt bin.

Wie sieht‘s mit der Bundesliga aus?

Keller: Ich denke, da bin ich gut dabei. Der ein oder andere Bundesligist wird sich wohl melden.

Und der Max Keller mit der Baku-Erfahrung ist ein anderer?

Keller: Ich will jeden Kampf gewinnen und durch jeden Kampf besser werden. Und ich habe mich verbessert, das habe ich auch bei der Niederlage gemerkt. Ich muss noch einiges lernen, was die Kampfführung angeht. Aber meine Treffer beispielsweise kommen schon wesentlich härter.

Und der nächste Urlaub wird in Baku genossen?

Keller: Dafür habe ich jetzt keine Zeit. Ich werde mich jetzt verstärkt in meine Bachelorarbeit knien.

Und später nach dem Masters Boxern zu helfen, Niederlagen zu verkraften?

Keller: Entweder werde ich als Therapeut oder im Boxsport arbeiten. Die sportpsychologische Ausbildung ist nicht langwierig. Ideal wäre es, beides miteinander zu verbinden