Borussia Mönchengladbach vor dem Duell mit 1899 Hoffenheim

Borussia Mönchengladbach : Heckings Suche nach einer Antwort

Die Blamage beim VfB lässt Gladbachs Trainer vor dem Duell mit Hoffenheim über Verbesserungen grübeln. Für die Borussia ist das Spiel richtungsweisend im Hinblick auf die europäischen Plätze.

Es gibt Dinge, die sind sich spinnefeind, so wie Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln. Das wird aber sehr wahrscheinlich erst ab dem Sommer zum Tragen kommen. In der Gegenwart des Erstligisten geht es eher um das Verhältnis von Ausrutscher zu Plural. Ein Verhältnis, das es per Definition gar nicht gibt, da ein Ausrutscher nur einmalig vorkommt. Was also macht man dann mit den Erscheinungen, die mit den Namen Düsseldorf und (!) Stuttgart verbunden sind? Was macht vor allem ein Trainer, der sich angeblich nach der ersten blamablen Leistung seine Mannschaft vorgeknöpft hat, wenn seine Spieler knapp vier Wochen später eine ähnlich niederschmetternde Leistung zeigen? Verbales Draufhauen in Serie macht wenig Sinn. Es nutzt sich ab. Und so ist auch wohl zu verstehen, wenn Dieter Hecking die Aufarbeitung des 0:1 beim VfB hinführend auf die nächste Aufgabe am heutigen Samstag gegen 1899 Hoffenheim (15.30 Uhr), recht lakonisch bilanziert: „Die Mannschaft muss gar nichts erklären. Das Beste ist, die Antwort (Anmerkung der Redaktion: auf das Versagen in Stuttgart) am Samstag auf dem Platz zu geben.“

Hilfeleistung dafür zu bieten gehört allerdings nach wie vor zu den bezahlten Aufgaben des Trainers. Und womöglich schimmert seine theoretische Aufgabe durch, wenn Hecking davon spricht, „die Struktur gegen den Ball und auch im Ballbesitz“ sei am wichtigsten gegen Hoffenheim und gar nicht so sehr das System. Genau dort liegen in der Tat die Gladbacher Probleme – nicht erst seit der Blamage in Stuttgart. Klar ist aber auch, dass Strukturprobleme nur schwierig im laufenden Ligabetrieb zu beheben oder zumindest zu reduzieren sind, erst recht nicht in einer Woche. Ein gemeinschaftlich hohes Anlaufen wird man auch heute nicht zu sehen bekommen. Womöglich wird der individuelle Elan der Gladbacher erneut wie für das Spiel gegen Bremen und RB Leipzig angefacht. „Das System ist egal. Wichtig ist, dass die Mannschaft den Glauben hat, gewinnen zu können“, sagt der scheidende Trainer.

Warum aber soll sie das? Vorne wollen die Tore in der Rückrunde nicht mehr fallen, hinten gelingt es nicht mal mehr gegen die offensivschwächsten Mannschaften, die Weste fleckenlos zu halten. Das Schutzschild von seinen Spielern zu ziehen, wie Hecking ankündigte, hört sich energisch an, lenkt aber den Blick ab vom sportlich Wesentlichen. Die Niederlage gegen RB Leipzig lag nicht am geringeren Sprintvermögen der Gladbacher Profis und schon gar nicht an der kritisierten Langsamkeit von Raffael. Und auch der von Hecking gegeißelte Ego-Trip seines Stürmers Alassane Pléa, der zu Beginn der Partie in Stuttgart versuchte, selbst ein Tor zu erzielen statt abzuspielen, täuscht nur darüber hinweg, dass seine Borussen nicht in der Lage waren, ohne die tätige Mithilfe der Schwaben aus dem Spiel heraus Torchancen zu kreieren.

Hoffenheims starke Offensive

Ohne eigenes Dazutun ist Borussia Mönchengladbach nach wie vor im Rennen und die Europa-League-Plätze, ja paradoxerweise sogar noch um den vierten Champions-League-Rang. Was aber die Situation heute von der vor einer Woche unterscheidet – es sind nur noch drei Spiele, und vor allem: Gegen den VfB hätte eine „normale“, also etwas engagiertere Leistung gereicht, um drei Punkte zu entführen. Das wird gegen 1899 anders sein. In Sachen Offensive gehört die Mannschaft von Julian Nagelsmann zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Ein Plus an Grell ist deshalb auch nicht gleichbedeutend mit einem Plus an Punkten. Das schwant auch Dieter Hecking. „Wir müssen auch wieder besser Fußball spielen.“ Dabei kann Christoph Kramer nicht helfen. Der Mittelfeldspieler ist gelbgesperrt. Aber womöglich findet sich jemand, der parallel zur Systemfrage sagt: Die Spieler sind egal! Da wird sich so mancher die Andeutung eines zynischen Dreiklangs kaum verkneifen können: Da sollte doch wohl nicht auch der Trainer egal sein?

Voraussichtliche Aufstellung: Sommer - Jantschke, Ginter, Elvedi, Wendt - Herrmann, Zakaria, Strobl, Hofmann - Pléa, Hazard

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