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Angriff auf Einzel-Gold nach Trostpreis Bronze

Angriff auf Einzel-Gold nach Trostpreis Bronze

Aachen. Schon wenige Minuten nach dem Trostpreis aus Bronze kreisten die ersten Gedanken um das mögliche Einzel-Gold. „Das wäre ein absoluter Traum”, sagte Meredith Michaels-Beerbaum fröhlich.

Und während die deutsche Springreiterin vergnügt auf ihre Team-Medaille für den dritten Platz schaute, sagte sie kess: „Sogar zwei Einzel- Medaillen für uns sind noch möglich.” Beste Chancen hat vor allem ihr Schwager: Ludger Beerbaum liegt vor der 4-aus-25-Lotterie am Samstag auf Platz drei und ist überzeugt: „Fitter als mein Pferd ist hier keins, ganz bestimmt nicht.”

Nach einer packenden wie prickelnden Team-Entscheidung schwankten die Gefühle der deutschen Reiter wie noch nie. Die Bandbreite der Emotionen reichte vom fröhlichen Optimismus wie bei Michaels-Beerbaum bis zur tränenfeuchten Trauer bei Marcus Ehning, der zur tragischen Figur der Pferdesport-Weltmeisterschaften in Aachen geworden ist. Über Bronze konnte sich der hoch gehandelte und tief gestürzte Topfavorit nicht freuen. „Das ist bitter”, sagte der 32-Jährige aus Borken, der seit mehr als einem Jahr die Weltrangliste anführt.

Ehnings übermotivierter Auftritt beim Auftaktspringen kostete dem hoch gehandelten Gastgeber-Team letztlich das Gold, das am Donnerstag kurz vor Mitternacht die Niederländer feierten. „Von dem Schreck hat sich Küchengirl nicht mehr erholt, ich habe es am ersten Tag total verhauen”, sagte Ehning. „Der Druck war immens, aber das ist keine Entschuldigung für meine desolate Leistung.”

In der letzten Team-Runde hätte Ehning als Schlussreiter sogar noch Silber retten können, doch seine „immer noch geschockte” Stute verweigerte den Dienst und stoppte vor einem Hindernis. So blieb der Gastgeber-Equipe mit Beerbaum, Ehning, Michaels-Beerbaum und Christian Ahlmann lediglich Bronze hinter den Niederlanden und den USA - und nur um die Winzigkeit von 0,01 Strafpunkten vor der Ukraine.

Es gab der dramatischen Entscheidung eine besondere Note, dass ausgerechnet die für die Ukraine startende Deutsche Katharina Offel (Lohmar) mit einem Zeitfehler die Bronzemedaille für ihr Heimatland sicherte. Und so ein völliges Debakel verhinderte. Unumwunden gab Ludger Beerbaum zu: „Wir waren hier haushoher Favorit, und wenn man das sieht, dann haben wir auch eine Packung bekommen. Alles andere wäre schön geredet.”

Der 43-Jährige gehört dennoch schon jetzt zu den Gewinnern der WM. Als letzter ins Team gerutscht, blieb er als einziger Deutscher in den bisherigen drei Runden ohne einen einzigen Strafpunkt und kann nun als Dritter des Einzelklassements mit L´Espoir aus eigener Kraft den Sprung ins Einzelfinale (Sonntag) schaffen. Aus 25 Paaren werden an diesem Samstag in zwei Runden die vier Teilnehmer ermittelt.

Es führt die Amerikanerin Beezie Madden mit Authentic vor dem Niederländer Gerco Schröder mit Berlin und Beerbaum mit L´Espoir. Die 36-jährige Michaels-Beerbaum mit Shutterfly lauert auf Rang sechs und sagt: „Das wird noch mal alles durcheinander gerüttelt. Das sind noch zwei sehr, sehr schwere Runden.”

Prognosen mag nach dem überraschenden Team-Sieg der Niederländer und Abstürzen wie dem von Ehning kaum einer wagen. Ludger Beerbaum schiebt die Favoriten-Rolle auf jeden Fall weg: „Ich sehe mich derzeit nicht so stark wie Beezie Madden oder Meredith. Wenn Meredith sich nicht verreitet, dann ist sie im Finale dabei.” Dass er selber so weit vorne liege, „das hätte ich auch nicht gedacht und ist ein bisschen überraschend. Wenn ich die richtigen Hosen anhabe, kann ich vielleicht da vorne bleiben.”

von der Reit-WM