André Pawlak soll beim 1. FC Köln den Aufstieg sichern

Mission des neuen Cheftrainers : Pawlak soll endlich den Aufstieg durchziehen

Kölns neuer Chefcoach soll schnell für die nötigen Punkte sorgen. Sportdirektor Armin Veh zeigt sich überzeugt und lässt trotzdem die Zukunft des Interimstrainers offen.

Natürlich waren Kölns Sportdirektor Armin Veh und sein frischgebackener Cheftrainer André Pawlak vor den wartenden Journalisten erschienen, um Fragen zu beantworten. Kommt ja schließlich nicht alle Tage vor, dass ein Tabellenführer, der die Getränke zur Aufstiegssause schon auf Eis liegen hat, drei Spieltage vor Saison­ende seinen bisherigen Verantwortlichen vor die Tür setzt – und dann auch noch einem Nachwuchstrainer das Vertrauen schenkt, der bislang nur in der Regionalliga West für beachtete Leistungen gesorgt hatte.

Doch Armin Veh freute sich auch über die Fragen, auf die er nun keine Antworten mehr geben musste, sollte und wollte, weil sie durch den Ablauf der Ereignisse seit der Niederlage gegen Darmstadt 98 am Freitag überholt waren. Etwa, ob der 1. FC Köln auf Markus Anfang auch nach dem Aufstieg weiter als Trainer gebaut hätte („Gott sei Dank muss ich auf diese Frage jetzt nichts mehr sagen“). Oder, ob fehlende oder mangelhafte Kommunikation zwischen Trainer und Team („Das ist eine Feststellung, keine Frage“) ausschlaggebend für diesen außergewöhnlichen Schritt war, „den außerhalb von Köln keiner versteht“, wie Veh selbst einräumte.

Gravierender Makel

Dass diese Aspekte durchaus eine Rolle spielten, machten dann die Einlassungen von André Pawlak deutlich, der aufzählte, was sein Programm für die letzten drei Partien ist – oder vielmehr, was nicht. „Wir werden jetzt nicht die Taktikkeule auspacken und wilde Werke anfangen“, verkündete der 48-Jährige. Dass sich voraussichtlich etwas ändern wird, war beim morgendlichen Training zu sehen, dem ersten, das Pawlak mit seinem „Co“ Manfred Schmid, früherer Assistent von Peter Stöger, leitete. Beide Trainingsteams spielten mit Viererkette gegeneinander, ohnehin ist das 4-1-4-1 das bevorzugte System Pawlaks.

„Wir werden viel mit den Spielern sprechen, in sie hinein hören, rausfinden, wo wir als Trainer helfen können“, bestätigte Pawlak auch indirekt die Vermutung bislang mangelnder Kommunikation, die zu den Einbrüchen im Saisonverlauf geführt hat. Er sei zwar Verfechter des offensiven Fußballs, „aber die Balance muss stimmen. Die Mannschaft hat 76 Tore gemacht, aber auch 41 kassiert“.

Ohnehin ist dieser Spielzeit ein gravierender Makel nicht mehr zu nehmen, selbst wenn der neue Besen und die Mannschaft schon am Montag bei Greuther Fürth die noch fehlenden drei Punkte bis zum 99,9-prozentigen Aufstieg zusammenkehren sollten: Aus der erhofften Wiederauferstehung mit Glanz und Gloria ist ein „irgendwie zurückwurschteln“ ins Oberhaus geworden – verbunden mit dem Dank an die schwächelnde Konkurrenz.

Dieses „fast schon durch hätten sein können“ war dann wohl auch der Antrieb für Veh, Nägel mit Köpfen zu machen. „Unser Ziel ist immer noch gefährdet, das ist jetzt das dritte Mal in dieser Saison. Das war mir einmal zu viel“, erinnerte Veh an seine Interventionen, die zwei Sieglos-Serien beendeten. „Ich habe zweimal was gesagt, und es wäre nicht vernünftig gewesen, jetzt noch einmal was zu sagen. Das wäre einfach verpufft“, rechtfertigte der 58-Jährige seinen Schritt. „Entscheidungen muss man aus Überzeugung treffen, und wenn man überzeugt ist, muss man es tun“, folgte dann noch ein Geschenk für Freunde des gepflegten Kalenderspruchs.

Folgerichtige Wahl

Dass die Wahl auf Pawlak fiel, sei nur folgerichtig, so Veh. „Ich habe mich mit André viel ausgetauscht und ihn und seine Arbeit kennengelernt. Er hat die U 21 mit neun Punkten Rückstand übernommen, und jetzt  ist das Team fast durch mit dem Klassenerhalt. Ich bin ganz beruhigt, dass ich die Mannschaft in gute Hände gebe“, begründete Kölns Geschäftsführer Sport seine Entscheidung, dem Nachwuchs-Coach das Vertrauen zu schenken.

Ob dieses Vertrauen auch über den 34. Spieltag hinausreichen kann, ließ Veh allerdings offen. „Vereinbart sind zunächst einmal die kommenden drei Spiele. Ich stehe zum Glück nicht unter Zeitdruck, die richtigen Entscheidungen zu treffen und dann zu hoffen, dass es auch die richtigen waren.“

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