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Aachen: Alexander Waske: Tennis-Jungprofi mit 27

Aachen : Alexander Waske: Tennis-Jungprofi mit 27

Alexander Waske ist der nette Typ von nebenan. Vom Tisch nebenan. Dort sitzt der Tenniscrack unbeachtet zwischen den zahlenden Zuschauern und futtert einen Berg Tortellini mit Tomatensoße.

Ein neues Gesicht in der Tennisbranche, ein neuer Name, der in diesem Jahr immer wieder in den Ergebnislisten der ATP-Tour auftauchte.

Doch Alexander Waske ist anders als die vielen Teeniestars, die mit Karachotennis in die Weltrangliste stürmen. Waske wurde nicht im zarten Kindesalter dem Bum-Bum-Drill einer dieser Tennisakademien verordnet, nie in Richtung „Tennisprofi” getrimmt.

Alexander Waske ist nämlich schon 27 - und doch ein Jungprofi. Vor zwei Jahren traf der Frankfurter die ungewöhnlich späte Entscheidung. „Ich wollte es einfach mal probieren”, liefert er die nicht minder ungewöhnliche Begründung hinterher.

Gespielt hat er von Kindesbeinen an, doch die Schulausbildung rangierte immer an erster Stelle. „Wenn die Noten gut waren, durfte ich spielen”, erinnert sich der 1,87-m-Mann. Waske spielte viel und gut, doch nicht gut genug.

Nach dem Abitur rutschten andere in die Sportfördergruppe der Bundeswehr, Waske musste einen „normalen” Wehrdienst abstottern. „Eine Profikarriere hatte sich nicht aufgedrängt”, erzählt er weiter.

Waske wollte sein Glück nicht erzwingen, machte eine Banklehre und studierte anschließend in San Diego „International Business”. Und nebenbei spielte er weiter Tennis.

„Ich merkte, ich wurde besser, und auf einmal gab es gute Ergebnisse”, spürte Waske im fortgeschrittenen Alter von 25, das abgeschlossene Studium und die Lehre in der Tasche, dann doch noch Lust, den Sprung ins Profitum zu wagen.

Zwei Jahre quälte er sich mit mehr oder eher weniger Erfolg durch Qualifikationen und Kleinstturniere, in diesem Jahr tauchte der Name „Waske” dann mehrfach in Hauptfeldern auf.

Die Nummer 143 der Weltrangliste gewann im mexikanischen Leon sein erstes ATP-Turnier, hatte im Achtelfinale von Basel Satzball gegen Roger Federer, in den Wochen zuvor Matchbälle gegen Jewgeny Kafelnikow und gewann gegen Carlos Moya.

„Meine Entscheidung hat sich endlich bestätigt”, kommentiert er. Bei den US-Open kam er ins Hauptfeld, ebenso - nach zwei erfolglosen Anläufen - in Wimbledon.

„Es war Wahnsinn in die heiligen Hallen eingelassen zu werden. Als Qualifikant darf man ja nicht auf die eigentliche Anlage. Nun stand ich da in den Kabinen der Stars”, berichtet er mit der Begeisterung eines 18-Jährigen und fügt hinzu: „Ich war ja auch nervös wie ein 18-Jähriger. Der einzige Unterschied war, dass ich zehn Jahr mehr Erfahrung hatte - vor dem Fernseher!”

Nun will Alexander Waske die Latte Schritt für Schritt höher legen. Im nächsten Jahr will er in die Top-100 eindringen - und dann schwebt da noch dieses eine große Ziel vor seinen Augen: einmal für Deutschland im Davis-Cup spielen. Er wäre wohl der älteste Debütant...