Aachen: Alemannias heiße Feier in der Tiefkühltruhe

Aachen : Alemannias heiße Feier in der Tiefkühltruhe

Am Ende verließ Maurice Pluntke seinen Arbeitsplatz als gezeichneter Mann. Über seinem linken Auge war ein Cut, an der Wange zeichneten sich Stollen ab, der Brustkorb war mit einigen Striemen versehen. Und doch war Alemannia Aachens Vize-Kapitän ein glücklicher Mann in diesem Moment. 3:1 hatte sein Team das Regionalliga-Spiel gegen Borussia Dortmund II gewonnen, und Pluntke war maßgeblich beteiligt an der Szene, die dem Spiel einen neuen Soundtrack gab.

Aachens Trainer Fuat Kilic hatte zehn Feldspieler aufgestellt, die im Verlauf der bisherigen Saison gemeinsam gerade einmal neun Treffer erzielt hatten. Seine besten drei Torschützen (Fejzullahu, Torunarigha, Damaschek) und auch sein bester Vorbereiter (Mohr) besitzen noch Krankenscheine. Die Aufstellung ließ erahnen, wo das Problem an diesem Eistag liegen könnte. Und es wurde schnell akut. 58 Sekunden waren gespielt, Aachen hatte den Ball bis dahin nur aus der Ferne gesehen, da führte Dortmund II bereits 1:0. Mühelos vollendete Sören Dieckmann freistehend aus 14 Metern, nachdem Alexander Heinze ausgerutscht war. Die schnelle Führung verlieh den Gästen Sicherheit.

Peter Hackenberg und Nils Winter grätschten sich gegenseitig ab, Herbert Bockhorn profitierte, drosch den Ball gegen die Latte, und auch der Nachschuss von Patrick Pflücke zischte nur knapp vorbei (8.). Dann musste Torwart Mark Depta einen tückischen Freistoß von Pflücke um den Posten bugsieren (10.). „Wir sind hier mit einem klaren Plan angereist, der bestens funktioniert hat — bis zu diesem einen Moment“, resümierte BVB-Coach Jan Siewert. Dieser „Moment“ fand in der 20. Minute statt: Dortmunds Denzell Boadu achtete nur auf den Ball und traf mit seinem Fuß wuchtig Gegenspieler Pluntke an Kopf und Brust. Schiedsrichter Dominik Jolk eilte zum Tatort, sah Blut fließen und zückte die Rote Karte. Die Gäste verloren einen zentralen Spieler und mussten auf einen Modus umschalten, der ihnen nicht liegt.

Die Aachener attackierten sie früher, die Dortmunder überbrückten das Spielfeld häufig mit weiten Schlägen. Aachens Ausgleich fiel schnell, Nils Winter umkurvte ein paar Gegenspieler wie Slalomstangen, um dann wuchtig ins kurze Eck zu schießen (23.). 75 Liga-Spiele hatte er bis zu seinem ersten Alemannia-Treffer gebraucht, längst blühte der Spott im Kollegenkreis. „Eigentlich wollte ich mir das Trikot bei meinem ersten Tor ausziehen“, war der Plan, der aber wegen der Kälte kurzfristig geändert wurde. Stattdessen eilte der Kapitän vor die Fankurve.

Der schöne Treffer leitete die beste Phase der Aachener ein, die im Stil einer selbstbewussten Klassemannschaft ruhig die Führung anpeilten. Die Gastgeber bekamen mehr Räume, und sie nutzten sie. Joy-Slayd Mickels traf aus der Ferne die Latte (36.). Die Schlinge zog sich für die Gäste nach dem Wechsel zu. Der Versuch von Heinze wurde noch vor der Linie abgeblockt, dann rettete Dominik Reimann prächtig nach einem Kopfball von Matti Fiedler (54.). Dortmunds Torwart war erst geschlagen, als Mickels aus acht Metern mühelos zum 2:1 einschob (60.).

Verteidigen kann die Alemannia ohnehin, sie kam nur noch einmal in ernstere Gefahr, als Evangelos Pavlidis aus 16 Metern präzise den Innenpfosten traf (77.). Siewert „vergrößerte“ sein Team mit ein paar Auswechslungen, das führte noch zu einigen Eckbällen — mehr nicht. Am Ende wurde sein Team noch in der Nachspielzeit ausgekontert, der eingewechselte Tobias Lippold erzielte das 3:1 (90.).

In der Tiefkühlkammer Tivoli wurde heiß gefeiert. Die Mannschaft verkleinert gerade die Lücke zur Tabellenspitze. „Wir wollen uns da vorne festbeißen“, sagt Meik Kühnel. Kilic ist Trainer der besten Rückrunden-Mannschaft, das war aber auch diesmal kein Anlass, um ins Horn zu stoßen. „Wir genießen die Lauerstellung, wir sind gerne Jäger.“

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