Aachen: Alemannias frühe Führung gibt keine Sicherheit

Aachen : Alemannias frühe Führung gibt keine Sicherheit

Die Grübelphase begann nach 89 Sekunden, und sie begann so überraschend, dass die Beteiligten selbst ein bisschen ratlos in die Nacht gingen. Nach 89 Sekunden ging Alemannia Aachen in Führung gegen RW Essen. „Eigentlich sollte sich in so einer Situation der Gegner Gedanken machen“, wunderte sich Aachens Trainer Fuat Kilic. Stattdessen verkrampfte seine Mannschaft, die seit fünf Spielen unbezwungen ist.

Später stand fest, dass seltsamerweise die Aachener mit dem Führungstreffer ihre Spur verlassen hatten. Am Ende drehte der Gast noch die umkämpfte Partie und siegte am Tivoli mit 2:1. 9600 Zuschauer (Saisonrekord) beobachten Alemannias erste Heimniederlage seit fast einem Jahr, und sie war nicht mal unverdient. „Wir haben heute kein gutes Spiel gemacht“, urteilte Abwehrchef Maurice Pluntke.

So ein Fußballspiel ist ja ein komplexes Puzzle, und es ist ein verführerischer Ansatz, das Puzzle im Nachhinein auseinanderzunehmen und das entscheidende Teilchen zu suchen. Es fand sich nach 89 Sekunden. Da hatte Mergim Fejzullahu den Ball an RWE-Torwart Heller vorbeigelegt, sein Sturmpartner Junior Torunarigha vollendete fröhlich. Dieses 1:0 hätte Sicherheit verleihen können, doch es nahm dem Aachener Spiel jegliche Schärfe. Die Mannschaft fand keinen Rhythmus, machte viele leichte Fehler und sich damit der Leben unnötig schwer.

Aachens Abwehr hatte zuweilen einen Wackelkontakt. Marcel Damaschek übersah bei einem Rückpass den lauernden Gegenspieler: Patrick Nettekoven bügelte zwei Mal bravourös gegen Kai Pröger aus (21.). Vier Minuten später war das Glück ein enger Verbündeter des Aachener Torwarts, als Kamil Bednarski eine weite Flanke von Kevin Grund an den Pfosten verlängerte.

Warnungen waren genug ausgesprochen. Der erste und einzige Eckball im ersten Durchgang reichte den Gästen zum Ausgleich: Der lange Timo Becker setzte sich entschlossen gegen Gegenspieler Damaschek durch, köpfte Torunarigha an, es stand 1:1 (33.). Die Aachener bekamen kaum oder zu selten Zugriff auf die Essener, obwohl Fuat Kilic mit Maurice Pluntke noch einen weiteren zweikampfstarken Spieler ins Mittelfeld verschoben hatte. Die Gäste hätten schon zur Pause in Führung liegen können. Bednarskis verunglückter Heber wurde wieder eine Beute für Nettekoven (42.).

Kilic justierte nach, Pluntke kehrte in die Abwehr zurück. Stürmer Emre Yesilova ersetzte Abwehrspieler Matti Fiedler, die Pressingzone wurde nach vorne verlagert. Drei schnelle Ecken waren eine erste kleine Ausbeute. Und dann brannten die Essener ein Feuerwerk ab — auf der Rängen. Pyrospektakel und Böller — leider sprang keine Sprinkleranlage an. Das Spiel und damit Alemannias erste Druckphase wurde von Schiedsrichter Mitja Stegemann unterbrochen.

Den besseren Neustart hatten die Gäste. Der eingewechselte Tobias Lippold rutschte weg, am Ende des schnellen Konters vollendete Kai Pröger zum 1:2 (66.). Essens Kapitän Benjamin setzte noch einen Freistoß an die Latte (72.). Alemannia reagierte mit viel Willen und Elan, aber die Präzision kam nicht mehr zurück. Ein halbes Dutzend Flanken flogen ereignislos in den Strafraum. An diesem herbstlichen Abend bekam das Team die PS nicht auf den rutschigen Platz. Der letzte Abschluss war ein sehenswerter Fallrückzieher des emsigen Junior Torunarigha, der aus 18 Metern knapp das Ziel verfehlte (90.).

Niederlagen gegen den alten Rivalen schmerzen besonders, für Kilic war es ein „brutaler Abend“ mit einem ungerechten Ausgang. „Die Mannschaft hat sich selbst zu sehr unter Druck gesetzt, weil sie unbedingt in der Tabelle nach vorne springen wollte.“

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