Aachen: Alemannia: Neue Hoffnung keimt am Unfallort

Aachen: Alemannia: Neue Hoffnung keimt am Unfallort

Rolf-Dieter Mönning benutzt das Bild von einem Unfall. „Jetzt geht es erst einmal um lebenserhaltende Maßnahmen am Unfallort“, sagt der Aachener. „Die Angehörigen sollten wissen: Es besteht Hoffnung, es lohnt sich, in die Gesundheit zu investieren.“ Mönning und auch Michael Mönig sind in dem Bild die Intensivpfleger. In der Sprache des Insolvenzgerichts ist Mönning der Sachwalter, Mönig nun Alemannias Sanierungs-Geschäftsführer. Das bewährte Duo ist angetreten, um den schwerkranken Patienten zu retten.

Vor zwei Wochen, als Anwalt Mönig die notwendige Insolvenz ankündigte, war die Situation noch deutlich trister. Damals lautete die schockierende Überschrift der Pressemitteilung: Alemannia strebt Neuanfang in der 4. Liga an. Zwei Wochen sind vergangen, in denen Mönig viel Zuspruch, viele Zusagen erhalten hat. Die Zuversicht ist zurückgekehrt an den Tivoli, auch wenn noch viele Konjunktive in der Startformation stehen. Der neue Geschäftsführer formuliert ein neues Ziel.

Alemannias GmbH wird mit Hilfe der Gläubiger in den nächsten Monaten saniert, so dass der Insolvenzantrag zurückgezogen werden könnte. Alemannia könnte dann in der 3. Liga bleiben — wenn die Mannschaft die Klasse halten würde. Auch dieses Projekt ist höchst ambitioniert. Die Gruppe fällt vermutlich bald auseinander, und zudem drohen dem Verein Punktabzüge, sollten Verstöße im Lizenzierungsverfahren festgestellt werden.

Es sind ziemlich viele Bedingungen, die bis zum Klassenerhalt erfüllt werden müssen. Aber das vom Gericht eingesetzte Rettungsteam verströmt zarte Zuversicht an diesem Tag. Mönig hat bislang fast eine Million Euro auf seinem Treuhandkonto eingezahlt. Alleine um den Betrieb aufrecht zu erhalten, benötigt er etwa weitere 1,5 Millionen Euro.

Das ist nun ein Projekt für die Fans, für die Firmen, für die ganze Region. „Es lohnt sich, für diesen Klub zu kämpfen. Wir können es schaffen.“ Das ist ein Signal der Zuversicht, das an diesem Tag hinausgesendet wird. Mönig bedankt sich beim Großspender Meino Heyen. „Ohne ihn wäre die angestrebte Sanierung nicht möglich gewesen.“ Der zurückgetretene Vorsitzende des Aufsichtsrats fehlt bereits an diesem Tag. Der Klub teilt seinen Abschied schmucklos mit.

Solidarität kommt auch vom Branchenprimus, dem FC Bayern. Der Herbstmeister wird am 20. Januar in bestmöglicher Formation am Tivoli zu einem Benefizspiel auflaufen.

Mönig spricht wie auch Mönning von einer „Mammutaufgabe“. „Man reißt sich nicht um diesen Job“, sagt Mönning, der seit 1956 zum Tivoli geht und früher mal als Linksaußen in der Jugend unterwegs war. Mönning sagt, er sei der Beifahrer in dem Tandem mit seinem Duz-Freund.

Aber klar ist: „Wir spielen nicht auf Platz, sondern auf Sieg im Insolvenzverfahren.“ Vor gut zwei Jahren hat er auf einen Gremiumsplatz bei Alemannia verzichtet, als Jürgen Linden und Hubert Herwartz nicht gewählt wurden. Mönning wollte aber nur im Team helfen.

Als befangen fühlt er sich durch diese Episode nicht. „Ich habe mich mit dem Bundeskanzler und Ministern angelegt, als öffentlich bestellter Insolvenzverwalter darf ich keine Rücksicht nehmen.“

Vorerst geht es nur um die Erstversorgung des Patienten am Unfallort, sagt Mönning: „Irgendwann später müssen wir die Frage stellen: Wie konnte es dazu kommen?“ Und dann müsse man auch die Geschichte der jetzt insolventen Gesellschaft aufrollen.