Mönchengladbach: Alassane Pléa: Ein Torjäger mit Gladbach-DNA

Mönchengladbach : Alassane Pléa: Ein Torjäger mit Gladbach-DNA

„Attention!“, warnte Markus Aretz Borussia Mönchengladbachs Neuzugang im Flüsterton. Die Warnung des Medienchefs des Fußball-Bundesligisten — eingebettet in seine Übersetzung einer Journalistenfrage ins Französische — bewahrte Alassane Pléa davor, zu sehr übers Ziel hinauszuschießen.

Der 25-Jährige wurde für rund 23 Millionen Euro eingekauft, um öfter zu treffen als die Offensivspieler Borussias in der vergangenen Saison, und anders als viele von ihnen nicht zu häufig „abzuklemmen“. Doch bei der Beantwortung dieser gefährlichen Frage zu seiner avisierten Torquote sollte er genau das tun. Und Pléa verstand die Warnung: „Ich habe keine Marke im Kopf. Ich will mich weiterentwickeln, möglichst viel spielen, und wenn ich spiele, gut spielen.“

Aretz, Sportdirektor Max Eberl und Trainer Dieter Hecking, die bei der Präsentation des Franzosen neben ihm auf dem Podium in Borussias Presseraum saßen, waren beruhigt. Ein gelungener „Einstand“: Fürs Tore schießen geholt, aber mit Qualitäten auch in der (verbalen) Defensive.

Die Summe von 23 Millionen Euro ist Rekord für Borussia Mönchengladbach. Bedenkenträger rund um den Verein versuchte Eberl zu beruhigen mit dem Verweis auf die Vergangenheit: Der Wechsel von Gladbach-Ikone Günter Netzer zu Real Madrid (1973 für rund 1 Millionen Mark) und die Einkäufe von Granit Xhaka (17 Mio.) und Denis Zakaria (12 Mio.) in der jüngeren Klub-Historie sollten den drückenden Begriff Rekord relativieren: „Der Transfermarkt hat sich entwickelt.“ Und quasi entschuldigend: „Auch wir müssen den Marktgegebenheiten ein Stück weit gerecht werden.“

Komplett gegenfinanziert

Das fällt dem Manager leichter, da die Investition in den Stürmer zu 100 Prozent gegenfinanziert ist durch den Verkauf von Abwehrhüne Jannik Vestergaard (zu Southampton). Der Däne musste nicht dahin geschubst werden. Vestergaard, für den Gladbach bereits vor einem Jahr Angebote englischer Klubs erhalten hatte, erfüllte sich den Standardtraum aller Skandinavier: ab auf die Insel! Putzig klang die besorgte Frage ausgerechnet eines Sky-Reporters, wie der Klub denn Pléa vor den schier erdrückenden Erwartungen als Rekordtransfer schützen wolle. „Er kann nichts dafür, dass der Transfermarkt so geworden ist“, sagte Eberl.

Umso mehr kann Pléa dafür, dass er am Niederrhein gelandet ist. Zwar hatte sich Borussia bereits im März mit dem Stürmer des OGC Nizza getroffen, da er zuvor als ideale Lösung für das Offensivproblem der Gladbacher ausgemacht worden war. Doch selbst in der Endphase der Verhandlungen flatterten Angebote für den Torjäger ein. Überwiegend aus England — für die Premier-League-Klubs sind Ablösen weit über 20 Millionen Euro inzwischen Alltag.

Doch der 25-Jährige weigerte sich, die Interessenten auch nur zu treffen. Der in Lille geborene Franzose mit malischen Wurzeln gilt als geerdet und kann sich selbst realistisch einschätzen: Gladbach ist für ihn der richtige nächste Schritt in seiner Karriere. Und der Verein bildet mit den Landsmännern Traoré, Cuisance, Doucouré, der französischsprachigen Schweizer-Fraktion (Sommer, Elvedi, Drmic, Zakaria) und einem perfekt französisch sprechenden Teammanager Steffen Korell für den 25-Jährigen einen Wohlfühl-Klub.

Und die Chancen, dass sich auch Borussia mit Pléa wohlfühlen wird, stehen nicht schlecht. Niclas Füllkrug, um den sich Eberl & Co. parallel bemüht hatten, wäre ein komplett anderer Versuch gewesen. Ein reiner Stoßstürmer, ein körperlich starker Kopfballspieler. Pléa aber besitzt viel mehr Gladbach-DNA. Er ist dribbelstark, zielstrebig, wuchtig mit sehr guter Technik, besitzt nicht nur einen guten Abschluss, sondern kann kombinieren und auch für Stindl & Co. auflegen.

Gladbachs Verantwortliche sehen ihn vor allem zentral, womit sie ihn auch locken konnten, da er bei Nizza wegen Mario Balotelli ausweichen musste. Aber der 1,81-Meter-Mann kann auch Teil einer Doppelspitze sein oder Außen spielen.

Geholfen haben bei seiner Entscheidung pro Borussia auch sein ehemaliger Trainer Lucien Favre und sein Ex-Teamkollege Dante. Doch würde man den Schweizer Fußballlehrer nach Pléa fragen, wäre die Antwort klar: „Oh, er ist ein guter Spieler, aber er muss noch viel lernen. Und er ist nicht kopfballstark. Und, mon dieu — diese Ablösesumme! Ist er das wirklich wert?“

Granit Xhaka war es, und dass dies von Luuk de Jong, ebenfalls während seiner Borussen-Zeit verpflichtet, nicht gesagt werden kann, lag vor allem an Favre. Jetzt aber hat sein Ex-Klub einen echten Neuner, hinter dem auch der Trainer steht.

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