Whistler: Abschiedstour mit Happy End: Hettich genießt Olympia

Whistler: Abschiedstour mit Happy End: Hettich genießt Olympia

Vom Olympia-Star zum Ersatzmann und dennoch happy: Georg Hettich ist mit sich und seiner sportlichen Karriere im Reinen.

In Turin mit seinem sensationellen Olympiasieg in der Nordischen Kombination und zwei weiteren Medaillen noch der umjubelte Star, fristete der Schonacher in Whistler bislang ein Reservisten- Dasein und musste dabei mit ansehen, wie seine Team-Kollegen Björn Kircheisen, Eric Frenzel, Tino Edelmann und Johannes Rydzek Bronze im Mannschaftswettbewerb gewannen.

Zum Abschluss seiner Karriere hätte Hettich auch gern noch einmal auf dem Podest gestanden. Doch vor seinem letzten olympischen Einsatz am Donnerstag im Einzel mit dem Sprung von der Großschanze ist er sich sicher: „Ich habe keine reelle Medaillenchance. Aber ich möchte einen guten Sprung zeigen und einen guten Wettkampf absolvieren.” Der 31-Jährige erhält die Chance auch wegen seiner Loyalität. Schon bei der Nominierung in letzter Sekunde hatte er keine Ansprüche gestellt. „Ich bin fünfter Mann, möchte mich aber anbieten”, sagte er. Und so gab es auch keine Diskussion, als er relativ knapp die Ausscheidung für den Team-Wettbewerb gegen Rydzek verlor. „Ich sehe es sportlich. Rydzek war besser, ich kann damit leben”, betont Hettich.

Er fühlt sich immer noch als Teil der Mannschaft, auch wenn er mit Abstand der Älteste ist. „Ich kann noch über die Witze der anderen lachen. Wir sind das ganze Jahr gemeinsam unterwegs, da fällt es einem gar nicht auf, dass man zehn und mehr Jahre älter ist”, erzählt der Kombinierer, der zwar Olympiasieger wurde, aber nie einen Einzel- Weltcup gewann. „Natürlich wäre ich auch gern mal bei einem Weltcup vorn gewesen, aber unglücklich bin ich deshalb auch nicht”, sagt Hettich rückblickend.

Turin war seine Sternstunde. „Es waren die großartigsten zwei Wochen meiner Karriere”, betont Hettich. Die drei Medaillen hätten sein Leben verändert. „Sportlich wie auch materiell, wenngleich es im Sport seitdem nicht mehr so voran ging. Ich wurde von außen mit anderen Maßstäben gemessen und habe diese auch selbst an mich angelegt. Nur erfüllen konnte ich sie eben nicht immer. Aber auch bittere Tage gehören zu einer Sportler-Laufbahn”, sagt der Schwarzwälder.

Noch drei Wettkämpfe, dann hat eine 14 Jahre andauernde internationale Karriere ein Ende. „Nach Oslo kommen meine Freundin und meine Familie mit. Ich denke, dass ich den Sprung vom Sport ins normale Leben packen werde. Vielleicht fällt mir irgendwann einmal die Decke auf den Kopf. Aber die ersten Monate ohne Sport werde ich genießen”, sagt der Doktorand der Sportwissenschaften. Eine Rückkehr in den Wettkampf schließt er derzeit aus: „Aber vielleicht habe ich in ein paar Jahren Lust, als Trainer zurückzukommen. Das wird die Zeit mit sich bringen.”