1. FC Köln hadert mit 1:1 gegen Hamburger SV in 2. Fußball-Bundesliga

Nach dem 1:1 gegen Hamburg : Die Hausaufgaben für den 1. FC Köln

Gegen den Hamburger SV offenbart der Zweitliga-Tabellenführer bekannte Schwächen – und hadert mit sich selbst. Nach dem Spiel gibt es Pfiffe und ein wenig Kritik an Trainer Markus Anfang.

Als Dominick Drexler nach dem Abpfiff des Spiels seines 1. FC Köln gegen den Hamburger SV vor die Journalisten trat, sah er wie ein Fußballer aus, der gerade ein wichtiges Spiel haushoch verloren hatte, er wirkte enttäuscht und angespannt. Der Mittelfeldspieler sagte: „Wir müssen uns alle hinterfragen, wir sollten alle kritisch miteinander umgehen.“ Und als ob das noch nicht Schelte genug gewesen wäre, schob Drexler noch einen weiteren Satz hinterher: „Solche Spiele darf eine Spitzenmannschaft, wie wir sie sein wollen, einfach nicht hergeben.“ Harter Tobak. Was der 28-Jährige damit sagen wollte: Der 1. FC Köln hat mit Blick auf die Bundesliga noch einiges zu tun.

Der Aufstieg ist zum Greifen nah

Drexler war mit dieser Meinung sicher nicht alleine, er vertrat sie nur am lautesten und schärfsten. Was deshalb überraschend war, weil der FC ja gar nicht verloren hatte, er hatte 1:1 gespielt. Nicht in irgendeinem Spiel gegen Erzgebirge Aue, sondern im Spitzenspiel der 2. Bundesliga gegen den zweitplatzierten HSV. Tabellenführer Köln verteidigte seine sieben Punkte Vorsprung auf die Hamburger und liegt jetzt schon zehn Zähler vor dem Dritten Union Berlin. Der Aufstieg ist zum Greifen nah, schon am kommenden Sonntag kann der FC aufsteigen. Wenn er Ostern bei Dynamo Dresden gewinnt, am Tag zuvor Union bei der Spielvereinigung Greuther Fürth verliert und der SC Paderborn nicht bei Hol­stein Kiel gewinnt. Drexler sagte: „Das ist das einzig Positive an diesem Abend.“

Was so nicht ganz richtig ist. Köln hatte eine großartige erste Halbzeit gespielt, die Gäste nach Belieben dominiert; die Führung zur Pause durch Drexlers Treffer (26. Minute) war mehr als verdient. „Wir hatten das Spiel voll im Griff“, sagte Kölns Trainer Markus Anfang. Der Bruch im Spiel kam in Hälfte zwei – was aber auch daran lag, dass die Hamburger deutlich besser spielten. Die Kölner wirkten müde, sie spielten zu passiv, was auch Anfang anprangerte; sie fingen sich folgerichtig den Ausgleich durch Manuel Wintzheimer (85.).

Nach dem Schlusspfiff gab es Pfiffe im Rhein-Energie-Stadion. „Wahnsinn“, sagte Abwehrspieler Rafael Czichos. „Ich hatte das Gefühl, wir wären Fünfter mit sieben Punkten Abstand zum Dritten.“ Es war aber nicht klar, ob sich der Unmut der Kölner Fans tatsächlich gegen die eigene Mannschaft oder aber gegen Robert Hartmann richtete. Der Schiedsrichter hatte es versäumt, Hamburgs verwarnten Sechser Gideon Jung nach einem taktischen Foul nach gut einer Stunde mit einer Gelb-Roten Karte vom Platz zu stellen.

So oder so, Drexlers Kritik, die enttäuschten Gesichter seiner Kollegen nach dem Spiel und die Pfiffe der Fans zeigen, dass sie beim FC trotz souveräner Tabellenführung nicht alles rosarot sehen. Sie geben sich nicht damit zufrieden, den Status quo zu erhalten. Was richtig und wichtig ist. Köln hat zweifellos eine herausragende Offensive, die auch in der Bundesliga ihre Tore schießen wird; die zweite Halbzeit gegen Hamburg offenbarte aber zum wiederholten Mal, dass in der Defensive dringend nachgebessert werden muss, vor allem was Geschwindigkeit angeht. Hamburgs Flügelspieler Bakery Jatta war beispielsweise von keinem Kölner zu halten. Für Anfangs Versuch, die Abwehr in der Schlussphase zu stabilisieren, indem er Verteidiger Lasse Sobiech für Stürmer Simon Terodde einwechselte und Marco Höger aus der Abwehrzentrale ins defensive Mittelfeld beorderte, gab es reichlich Kritik. Der Impuls sei allerdings aus der Mannschaft gekommen, sagte der Trainer. „Und dann musst du auch ein Stück weit darauf hören, wie sich die Jungs auf dem Platz fühlen.“ Klingt ein bisschen nach Klärungsbedarf.

Der FC hat jetzt noch fünf Spiele Zeit, sich auf die Bundesliga vorzubereiten, vor allem die Mannschaft steht im Fokus. Anfang wird sich das genau anschauen, gleiches gilt für Sportchef Armin Veh; sie werden ihre Schlüsse daraus ziehen. Die Hausaufgaben sind ja gestellt.

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