Unicef-Spendenaktion: Wo Wasser mal Tod, mal Leben ist

Unicef-Spendenaktion : Wo Wasser mal Tod, mal Leben ist

Zum 30. Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention dokumentiert unsere Unicef-Reportage aus Mosambik, wie schwer es sein kann, das Recht auf sauberes Wasser umzusetzen.

40 Grad Hitze, die Luft feucht. Es ist Mittagszeit in Quissanga, weit im Nordosten von Mosambik. Meeresnähe, dünn besiedelte Savanne, ein paar Mangroven, Lehmboden, Notstandsgebiet in einem vom Klimawandel gebeutelten Land mit 2800 Kilometer Küste am Indischen Ozean. Auch hier hat Zyklon „Kenneth“ gewütet. Doch im Moment liegt eine heitere Szenerie über dem abgelegenen Flecken Erde. Kaum möchte man glauben, dass die Menschen hier erst kürzlich in größter Gefahr warem.

Doch jetzt erleben wir afrikanischen „Lifestyle“ pur – allen Widrigkeiten zum Trotz: Hunderte Mütter zapfen an einem Brunnen plaudernd und kichernd in bunten Kanistern ihre Tagesration Wasser. Die Kinder helfen. „Ich brauche 60 Liter für meine fünfköpfige Familie und bin dankbar, dass es sauberes Trinkwasser gibt, denn nach dem Sturm mussten wir schmutziges nehmen“, sagt die 29-jährige Rosena. Ihre zehnjährige Tochter Maria sei daran schwer erkrankt.

Bartolomeo Moibu, Distriktvorsteher von Quissanga, hört ihr aufmerksam zu und erinnert an die katastrophale Ausgangslage nach dem Zyklon Ende April dieses Jahres: „Der Wirbelsturm, so stark wie ich noch keinen erlebt habe, hatte das gesamte Wassersystem der Region zerstört.“ 50.000 Menschen, die Hälfte unter ihnen Kinder, waren damit ohne jede Versorgung. Und der erfahrene Bezirkschef, in Mosambik an Naturkatastophen gewohnt, sagt: „Eine solche Situation hatten wir noch nie.“

„Es herrschte tagelang eine lebensbedrohliche Lage, bevor wir mit mobilen Wassertanks aushelfen konnten“, erzählt Unicef-Krisenmanager Daniel Timme. „Wasser ist das wohl komplexeste und wichtigste Thema im Kampf gegen Kindersterblichkeit“, sagt der 45-Jährige. Und fügt hinzu: „Das gilt besonders auch für die Kleinkinder, deren Mütter Milchpulver mit Wasser anrühren.“

Grundsätzlich drohe im Umgang mit unsauberem Wasser den Betroffenen „eine Katastrophe nach der Katastrophe“, so Timme auch mit Blick auf Infektionskrankheiten wie Cholera, die durch kontanimiertes Wasser und Nahrung übertragen wird. Der schwere Durchfall wirkt unbehandelt vor allem bei mangel­ernährten Kindern tödlich. Nach den Zyklonen kam es zu 7000 Cholerafällen – eine gigantische Herausforderung für die Helfer.

„Es ist einer der größten Erfolge von Unicef, dass die Ausbreitung dieser stark ansteckenden Krankheit und somit eine nächste Katastrophe verhindert werden konnte“, sagt der Unicef-Manager mit Blick auf die chaotischen Bedingungen, unter denen 900.000 Zyklon-Opfer so kurz nach den Ereignissen gegen Cholera geimpft werden konnten. Auch technisch war es in der Provinz Quissanga ein Wettlauf gegen die  Zeit, als mit Unterstützung von Unicef 27 Kilometer zerstörte Wasserleitung quer durch den Distrikt wiederhergestellt wurden.

Insgesamt hat das Kinderhilfswerk nach den beiden verhängnisvollen Wirbelstürmen „Idai“ und „Kenneth“ 1,5 Millionen Menschen mit sicherem Wasser versorgt, 93 Wasserstellen instandgesetzt und 52 neue Wasserstellen geschaffen – letzteres insbesondere in den Camps der Klimavertriebenen, die dennoch oft nur mit Tankwagen versorgt werden können. Beispiel: Das Lager Tara Tara, eine Hochebene, auf der sich 147 Familien vor dem Wüten des Meeres in Sicherheit gebracht haben – und die nach langen Diskussionen von der Regierung dafür freigegeben wurde. Bis zu acht Meter hohe Wellen des jüngsten Zyklons hatten die Küste überspült. Jetzt leben die Flutopfer in einer trostlosen Zeltlandschaft.

Der lange Kampf gegen verunreinigtes Wasser

Wir stehen vor sprudelnden Wasserkränen, Kinder  juchzen, bespritzen sich gegenseitig – ein paar Momente lang dürfen sie Kind sein. „Hierhin liefern wir zweimal täglich“, berichtet Albino Jaime Macuacua (41), Wasserexperte bei Unicef. „Die Tanklaster füllen die großen Plastikblasen, die mit Schläuchen und Wasserhähnen verbunden sind.“ Wir lernen, dass es einen Unterschied zwischen sauberem und sicherem Trinkwasser gibt.

In Tara Tara hat das angelieferte Wasser noch keine Trinkwasserqualität und muss daher mit Chlor gereinigt werden. Man gibt zwei Tropfen des Mittels Certeza in einen Kanister, wartet eine halbe Stunde – und das Wasser ist zumindest sicher, wenn auch nicht unbedingt sauber.

Der Blick in die Zukunft der Siedlung ist nicht einfach. Probebohrungen haben ergeben, dass das Wasser durch die Nähe zum Meer zu salzig ist. „Wir planen deshalb die Verlegung von Leitungen, die aus der städtischen Region abgezweigt werden“, sagt Albino Jaime Macuacua. Viel Aufwand. Doch es geht um das Recht auf sicheres Wasser. Auch daran erinnert der heutige 30. Jahrestag der UN-Konvention der Kinderrechte.

Spenden können Sie unter: www.unicef.de/spenden/kooperation-az