Unicef-Krisenmanager Daniel Timme: Harter Job unter extremen Bedingungen

Unicef-Krisenmanager Daniel Timme : Harter Job unter extremen Bedingungen

Daniel Timme aus Roetgen führt das Leben eines modernen Nomaden. Als Unicef-Krisenmanager arbeitet er weltweit in Krisensituationen - derzeit in Mosambik. Ein harter Job, oft unter extremen Bedingungen.

Dass das Leben von Daniel Timme abenteuerlicher verlaufen könnte als andere Leben, zeigte sich im Grunde bei seiner Geburt. Es war der 16. Dezember 1973, Ölkrise, ein autofreier Sonntag in Deutschland, als Karin Timme in Roetgen starke Wehen bekam. Mit Polizeieskorte und Blaulicht musste die werdende Mutter in den Kreißsaal nach Aachen gebracht werden. 45 Jahre später ist Timme ein international bekannter Krisenmanager von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Im ostafrikanischen Mosambik koordiniert er aktuell unsere Spenden-Partnerschaft „Hilfe für die Klimaopfer“ – rund 12.500 Kilometer Luftlinie von seiner Heimat entfernt.

Als jüngstes von fünf Kindern wuchs Daniel Timme in der Eifel auf und besuchte in Aachen das Inda-Gymnasium, „bevor für mich als junger Mensch die Welt zu groß wurde“, sagt er. Die Initiative Christen für Europa bot ihm die Gelegenheit, über den heimischen Tellerrand zu blicken: „Nach meinem Freiwilligen Sozialen Jahr in einem Obdachlosenheim in Toulon war ich angefixt und wollte mehr von der Welt sehen“, erzählt er.

Timme studierte in Bonn Politikwissenschaft, lernte fünf Sprachen, ist längst auf der ganzen Welt zu Hause und für Unicef vielfach auch im Fernsehen als Krisenerklärer präsent. Japan, Indonesien, Kongo, Madagaskar, Zentralafrika, Pakistan waren seine Stationen. Jetzt Mosambik. Oft sind es bis zu 16-Stunden-Tage, die er mit seinem Team in die Koordination der Hilfsprogramme investiert.

In der Katastrophenhilfe arbeitet das Kinderhilfswerk in sogenannten Clustern, die die Bereitstellung der Hilfsgüter und den Einsatz der Helfer zwischen verschiedenen Hilfsorganisationen steuern. Unicef steht dem Cluster für Wasser, Hygiene und Sanitäranlagen vor. Die Verantwortung für Bildung und Schule teilt sich das Kinderhilfswerk mit Save the Children. „Damit wurden weltweit Strukturen geschaffen, die unkoordinierte Verteilungen der Hilfsmittel vermeiden und jedem Spendenziel Transparenz geben“, sagt Timme.

Ein harter Job, oft unter extremen Bedingungen. „Aber es gibt mir viel Kraft, wenn ich selbst erleben kann, dass die Arbeit positive Veränderungen herbeiführt“, sagt er. Und doch gibt es Momente, die ihn nicht loslassen. So wie die Begegnung mit einem Mädchen im Krieg in Zentralafrika. Es war „nur noch Haut und Knochen“. „Es schaute mich mit fragendem Blick an, der sagen wollte: Warum macht Ihr das mit mir?“ Als Daniel Timme wenige Tage später nach dem Kind schauen wollte, war es tot. Wenn er das erzählt, stockt seine Stimme, immer noch fließen Tränen – vier Jahre danach. Auch Profis lässt das Schicksal der Menschen offensichtlich nicht kalt.

In Mosambik helfen Daniel Timme und seine Kollegen Tausenden Kindern, „die klatschnass und traumatisiert nach den Zyklonen verloren gegangen waren“, berichtet er. Über ihr Aufnahmezentrum hätten sie nahezu alle wieder zurück zu den Eltern bringen können. „Das waren großartige Szenen.“

Daniel Timme ist ein Mensch, der allem zum Trotz viel lacht. „Humor ist die richtige Brücke, interkulturelle Probleme zu überwinden“, meint er. Das gelte nicht nur für die Opfer eines Ereignisses, sondern auch für seine 214 Unicef-Kollegen in Mosambik, die aus aller Welt kommen. Der Mann aus Roetgen, der Pünktlichkeit liebt, sagt: „Man kann hier nicht einfach seine deutschen Tugenden durchsetzen. Es geht nur zusammen und in Respekt voreinander.“

Für seine wenigen Freiräume hat der moderne Nomade Timme „daheim“ in der Hauptstadt Maputo „Lolly“ und „Futsy“, zwei ehemalige Straßenhunde aus Madagaskar, „mit denen ich viel in der Natur bin“. Einmal im Jahr kehrt er für ein paar Tage nach Roetgen zurück. In aller Regel der heimelige Kontrast zur Welt der Katastrophen – wäre da nicht der Tornado im März dieses Jahres gewesen. „Mein Elternhaus ist unbeschadet geblieben“, sagt er. Aber Blaulicht war wieder in Roetgen zu sehen – in Erinnerung an einen Neugeborenen, auf den sich heute Tausende Kinder in der Not verlassen können.