Aachen: Nachhilfe aus Eschweiler für den neuen Ordensritter

Aachen : Nachhilfe aus Eschweiler für den neuen Ordensritter

Für den neuen Ordensritter Winfried Kretschmann war die Ehrung am Samstagabend irgendwie auch ein Heimspiel. Denn der baden-württembergische Ministerpräsident bekam Schützenhilfe aus der Region. „Meine PR-Fritzen haben gesagt, ich bekäme die meisten Likes, wenn ich sage: Ich nehme diesen Preis nicht an!“, sagte Kretschmann in seiner Rede. Er habe sich dann durchgesetzt.

In karnevalistischen Beiträgen darf ja geflunkert und gedichtet werden, doch einem dieser „PR-Fritzen“ ist sicher daran gelegen, das richtigzustellen. Arne Braun kommt aus Eschweiler und ist seit 2011 stellvertretender Regierungssprecher der baden-württembergischen Landesregierung. Ja, das gibt Kretschmann nach der Ordensverleihung zu: „Der Herr Braun hat gesagt: Da musst Du hin!“ Wäre das schon mal geklärt.

Als der Aachener Karnevalsverein an Kretschmann herantrat, musste Braun aber schon überlegen. „Oh je — das war mein erster Gedanke“, verriet Braun im Backstage-Bereich des Aachener Eurogress. Schließlich sei der Aachener Karnevalsverein kein kleiner Dorfverein und der „Orden wider den tierischen Ernst“ werde vor großem Publikum im Fernsehen übertragen. Das sei schon eine große Sache. Was Braun nicht sagt, aber wohl meint: Politiker können sich auf der Bühne in Aachen auch ordentlich blamieren.

„Ich habe mich über die Quote informiert und geschaut, wie andere Ordensritter rübergekommen sind“, sagte Braun. Ziel sei es gewesen, sich ähnlich gut wie Kretsch-manns Parteikollege Cem Özdemir oder FDP-Chef Christian Lindner zu präsentieren, erklärte Braun, der von 1968 bis 1989 für die „Aachener Nachrichten“ tätig war. „Ich habe damals auch viel über Karneval geschrieben, aber jetzt bin ich kein Karnevalist mehr.“

In Stuttgart, wo er nach dem Studium in Aachen „durch Zufall“ landete, gebe es nun mal keinen rheinischen Karneval. Aber als Eschweiler sei er in der Staatskanzlei natürlich mit dem Termin beim AKV betraut worden. Braun war auch maßgeblich an der Rede des Ordensritters beteiligt. Es sei eine Herausforderung gewesen zu wissen, dass die Rede potenziell vier Millionen Menschen im Fernsehen verfolgen werden. Kretschmann selbst habe die Entwürfe aber überarbeitet und reagiere auch oft spontan. „Und wir haben ,Oche Alaaf‘ geübt“, sagte er.

Das sei aber genug Öcher Platt, alles andere wirke anbiedernd. „Kretschmann schwäbelt, das ist authentisch.“ In noch einem Punkt hat Braun seinem Chef Nachhilfe gegeben: der Kleiderordnung beim AKV. „Ich habe ihm erklärt, dass man sich hier nicht verkleidet.“ Ansonsten sei es aber genau Kretschmanns Ding. „Er ist sehr ironisch und konnte das als Ordensritter ausleben. Politik und Ironie passen ja sonst leider nicht so gut zusammen.“

(mgu)
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