Aachen: Anina und Mahnaz kochen auf großer Flamme

Aachen : Anina und Mahnaz kochen auf großer Flamme

Statt Putzmittelduft liegt ein Hauch von exotischen Gewürzen in der Luft. Es ist nicht gerade der übliche Schulgeruch, der jeden Mittag durch die Flure der Hauptschule Aretzstraße wabert. Wer daraufhin der eigenen Nase folgt, landet unweigerlich in der Küche.

Hier haben Anina und Mahnaz alle Hände voll zu tun. Die beiden 17-jährigen Mädchen holen die Kochkunst ihres Heimatlandes Afghanistan ins Aachener Ostviertel. Schülerinnen und Schüler planen und organisieren den Betrieb der Schulmensa, vom Einkauf bis zum fertigen Gericht für bis zu 60 Portionen — und das freiwillig, zusätzlich zum Unterrichtspensum. „Sie lernen dabei auch Verantwortung und Organisation“, sagt Schulleiterin Dagmar Castillo. Für viele von ihnen ist das Projekt wertvolle Orientierung auf dem Weg zur späteren Berufswahl.

Es gibt Reis — und Köfte: Anina (großes Bild, re.) und Mahnaz lassen sich in die Töpfe schauen. Jeden Tag wird in der Mensaküche der Hauptschule Aretzstraße frischer Salat zubereitet — samt hauseigenem Dressing. Auch der Speiseplan wird von den Schülern gestaltet. Foto: Alexander Barth

Der internationale Charakter der Schule spiegelt sich auch in der Küche wider: An diesem Tag steht afghanischer Reis auf der Speisekarte, am nächsten wird persischer Eintopf serviert — und Fritten dürfen natürlich nicht fehlen. Anina und Mahnaz gehören zu den fleißigsten Mitmachern. „Es macht großen Spaß“, sagt Anina knapp, während sie das Hackfleisch unter die Lupe nimmt, das sie nach einem Familienrezept zubereitet hat und das nun in einer würzigen Soße schwimmt. „Ich koche sehr gerne, auch für viele Leute.“

Es gibt Reis — und Köfte: Anina (großes Bild, re.) und Mahnaz lassen sich in die Töpfe schauen. Jeden Tag wird in der Mensaküche der Hauptschule Aretzstraße frischer Salat zubereitet — samt hauseigenem Dressing. Auch der Speiseplan wird von den Schülern gestaltet. Foto: Alexander Barth

Es sind engagierte Schülerinnen wie die beiden 17-Jährigen, die den Erfolg des Angebots belegen, sagt Castillo. „Sie zeigen Einsatz, der weit über die Unterrichtszeit hinausgeht. Und sie lernen Strukturen, die daheim nicht immer vermittelt werden können.“ Gemeinsam mit Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung und Vorsitzender des Hilfswerks „Menschen helfen Menschen“, hat die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen im vergangenen Jahr die Ergebnisse einer eigens in Auftrag gegebenen Studie zum Anlass genommen, um dringende Hilfsprojekte an Schulen finanziell zu fördern. Die Studie „Wir hier — Zukunft in Aachen“ bildet die Lebenswirklichkeiten junger Menschen in der Region ab und zeigt gleichzeitig Bedarfsfelder auf.

Es gibt Reis — und Köfte: Anina (großes Bild, re.) und Mahnaz lassen sich in die Töpfe schauen. Jeden Tag wird in der Mensaküche der Hauptschule Aretzstraße frischer Salat zubereitet — samt hauseigenem Dressing. Auch der Speiseplan wird von den Schülern gestaltet. Foto: Alexander Barth

Der Arbeitstag beginnt für die Nachwuchsköche lange vor dem Schultag mit einer echten Frühschicht. „Um 6.45 Uhr werden die Brötchen geliefert, da gibt es kein Vertun“, sagt Käthe Lieffertz. Sie ist eine der Fachkräfte, die den Nachwuchsköchen die Regeln, Pflichten und Geheimnisse näherbringen. „Ich finde es stark, dass die Kids sich so früh aufraffen.“ 100 Brötchen werden unter ihrer Aufsicht belegt, und immer wieder fehlt dann mal etwas. „Dann gehen die Schüler in Eigenverantwortung los und besorgen Käse“, sagt Castillo. Nur ein Beispiel für das Vertrauen, dass die Pädagogen in die Schüler setzen. „Sie zahlen es uns zurück“, sagt die Schulleiterin.

Zur großen Pause um 10 Uhr öffnet außerdem der Schulkiosk, Auch hier sind die Schüler verantwortlich, sie verkaufen Brötchen und Getränke. Vormittags beginnt der Marathon Richtung Mittagessen. „Da haben wir gut zu tun“, sagt Marvin, der an diesem Tag für das Salatdressing zuständig ist. Gemüse schnippeln, Kartoffeln schälen, Salat putzen, „was eben dazugehört“, sagt Marvin und wirkt dabei alles andere als genervt. „Ich finde das total gut hier“, sagt auch er knapp. Schließlich muss das Dressing fertig werden.

Das Kochen auf großer Flamme hat noch einen weiteren sinnvollen Effekt. „Nicht alle Schüler bekommen zu Hause etwas Frisches“, sagt Dagmar Castillo, „ihnen können wir eine frische und preiswerte Mahlzeit bieten.“ Am Ende des Küchentages steht schließlich das Unvermeidliche an: Spülen, Aufräumen, Putzen. „Kochen macht mehr Spaß“, spricht Anina höchst nachvollziehbare Worte aus.

Allein von den Einnahmen kann das Projekt der Schulmensa aber nicht getragen werden. „Wir sind auf Sponsoren angewiesen“, sagt Dagmar Castillo, „deshalb sind wir auch den Spendern der Aktion ,Menschen helfen Menschen‘ unglaublich dankbar.“ Planungssicherheit über das Schuljahr 2016/2017 hinaus besteht noch nicht. „Es wäre toll, wenn wir das wertvolle Projekt dank der Unterstützung der Menschen aus der Region weiterhin anbieten können.“ Damit die Küche in der Schule niemals kalt bleibt . . .