15-Jähriger verarbeitet Schicksalsschlag : Noah Bodelier ist nicht mehr zu bremsen

15-Jähriger verarbeitet Schicksalsschlag : Noah Bodelier ist nicht mehr zu bremsen

Im Moment übt sich Noah Bodelier in der Ruhe vor dem großen Sprung. Den will er 2019 machen, wenn die Leichtathletik-Saison wieder beginnt. Es wäre der nächste große Sprung, den der 15-Jährige aus Linnich schafft.

Im Sommer trat Bodelier bei der U17-Weltmeisterschaft für Leichtathleten mit Behinderung in Irland an. Als damals 14-Jähriger, dessen linker Unterschenkel 2016 wegen einer seltenen Art Knochenkrebs amputiert werden musste, gehörte er zu den jüngsten Startern und war ein unbeschriebenes Blatt. Das hat der Leichtathlet aus Linnich geändert, weil er im Sprint über 100 Meter und 200 Meter, im Kugelstoßen und im Weitsprung Vizeweltmeister wurde; im Speerwurf gewann er Bronze.

Von Null auf Weltmeister – das wäre ihm fast gelungen. Im Weitsprung verpasste er Gold um einen Zentimeter. Er kann darüber sprechen, sagen, dass er sich ärgert und trotzdem lächeln. Den Schicksalsschlag hat er hinter sich gelassen und sprintet und springt in Richtung Zukunft.

Eine Sport-Eliteschule

Um das zu schaffen, macht er einen großen Schritt. Er zieht zu Hause aus und wechselt nach Leverkusen, um in der Fördergruppe von Bayer Leverkusen zu trainieren. Schulisch bedeutet das Anfang Februar einen Wechsel vom Jülicher Gymnasium Haus Overbach an das Leverkusener Landrat-Lucas-Gymnasium, eine Eliteschule des Sports.

„Wir haben längst aufgehört, zu versuchen, Noah zu bremsen“, sagte seine Mutter Pia im Sommer, kurz nach der Rückkehr ihres Sohnes aus Irland. Der Vorwärtsdrang des 15-Jährigen sei ohnehin nicht aufzuhalten. Auch nicht in der dunkelsten Zeit seines Lebens, die Ende 2015 begann, als der Knochenkrebs sich nach einem Foul beim Fußball zum ersten Mal zeigte in Form eines Blutergusses, der zum Knubbel mutierte und nicht mehr abklingen wollte.

Nach Monaten der Ungewissheit kam die Schock-Diagnose: Ewing-Sarkom, eine seltene und besonders aggressive Art von Knochenkrebs. „Wir haben oft Gott und die Welt verflucht. Warum ausgerechnet unser Sohn? Warum ein so seltener und aggressiver Tumor, der innerhalb von wenigen Wochen stark streuen kann?“, sagte Pia Bodelier.

Das Licht in diesen dunklen Tagen war Noah selbst, der auch dann noch gelächelt habe, als er eigentlich am Boden lag. „Mein bester Freund, den ich bei der Chemo kennengelernt habe, ist gestorben“, berichtete der 15-Jährige vom Tiefpunkt. Das Ziel hatte der Linnicher schnell neu gesteckt und dann nicht aus den Augen verloren. Den Traum vom Fußballprofi – beim 1. FC Köln war er zum Probetraining eingeladen – hatte er schnell abgehakt. „Wenn ich kein Fußballprofi werden kann, dann gewinne ich Gold bei den Paralympics.“ Kurz und knapp formulierte er das Ziel, das bis heute gültig ist.

Deswegen zieht er nach Leverkusen, um Schule und Training zeitlich besser auf die Reihe kriegen zu können. Mit Spannung wartet er auf den Saisonstart. „Er hat eine neue Prothese, die Feder ist stärker“, sagt die Mutter. Das bedeute eine größere Herausforderung an die Muskulatur. „Noah springt jetzt schon höher und läuft nochmal schneller“, berichtet Pia Bodelier.

Am 19. Januar steht der erste Wettkampf zum Start der Hallensaison an, im April folgt die deutsche Meisterschaft, im Sommer dann die U18-Juniorenweltmeisterschaft in der Schweiz. Das Ziel: Gold. Noah Bodelier ist bereit für den nächsten großen Sprung.

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