Egidius-Braun-Preis für Schiedsrichterin Ruth Butzen: Ein Leben mit der Pfeife

Egidius-Braun-Preis für Schiedsrichterin Ruth Butzen : Ein Leben mit der Pfeife

Die Geschichte, wie Ruth Butzen zum Fußball gekommen ist, hat viel mit Spaß, Talent und Ehrgeiz zu tun, ein bisschen aber auch damit, dass ihr Vater gerne Mittagsschläfchen gemacht hat, vor allem sonntags.

Butzen komme, so sagt sie das, aus einer „vollkommen unsportlichen Familie, und ihr Vater habe „von Mädchenfußball nichts gehalten“. Die Stolbergerin hat das nicht interessiert. Als Kind spielte sie mit Jungen auf der Wiese, und mit 17 Jahren schlich sie sich sonntagsmittags, wenn der Vater schlief, aus dem Haus, um bei der Frauenmannschaft des FC Adler Werth im Tor zu stehen. So hat das angefangen. Butzen ist heute 66 Jahre alt, sie sagt: „Für mich gab und gibt es immer nur den Ball.“

Butzen hat ein paar Jahre selbst gespielt, aber noch wichtiger für ihre Karriere auf den Fußballplätzen war der 22. Oktober 1977. An diesem Tag ist aus der Torhüt­erin eine Schiedsrichterin geworden – und das ist sie bis heute geblieben. Sie ist es seit mehr als 40 Jahren. Butzen hat fast 3000 Spiele gepfiffen, sie ist mittlerweile kommissarische Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses des Fußballkreises Aachen – und hat immer noch großen Spaß dabei. Für ihr Engagement erhält Ruth Butzen den Egidius-Braun-Preis des Jahres 2018.

Butzen ist durchaus selbstbewusst und schlagfertig, das muss sie als Schieds­richterin ja auch sein. In ihrer Anfangszeit war das besonders wichtig, Ende der 70er, Anfang der 80er. Als sie das erste Mal ein Männerspiel geleitet hat, zum Beispiel. „Natürlich hat es da dumme Sprüche gegeben“, sagt Butzen. Eine Frau als Schiedsrichterin? Das war neu. Durchsetzungsvermögen war gefragt. Ob das schwierig gewesen ist? „Nee!“, sagt sie. „Ich hab’ ja keine Angst.“ Klingt irgendwie putzig, aber wer Butzen sprechen hört, kann sich ziemlich gut vorstellen, was sie damit meint.

„Immer schön Mensch bleiben“

Butzen habe von ihrem Ausbilder gelernt, in der ersten Viertelstunde des Fußballspiels hart durchzugreifen, viel abzupfeifen, auch mal eine Gelbe Karte zu zücken. Zeigen, „wo es lang geht“. Damit sei sie immer gut gefahren, sagt Butzen, besonders wichtig war ihr aber auch eine eigene Maxime: „Immer schön Mensch bleiben.“ Ohne Überheblichkeit, mit Respekt. Ihr einfaches Erfolgsrezept.

Was am Ende ziemlich gut aufgegangen ist. Butzen pfiff gut, sehr gut. So gut sogar, dass sie bei den Männern Spiele in der Verbandsliga leitete und in der Oberliga als Linienrichterin eingesetzt wurde. Im Frauenfußball schaffte sie es sogar nach ganz oben, 1990 wurde sie Bundesliga-Schiedsrichterin. Sechs Jahre lang war Butzen dort aktiv, und in den Spielen, die sie leitete, standen Birgit Prinz, Steffi Jones oder Doris Fitschen auf dem Platz. Größen des Frauenfußballs, zu denen die Schiedsrichterin auch heute noch Kontakt hat.

Viel Geld hat sie mit der Schiedsrichterei nicht verdient, in der Bundesliga der Frauen gab es erst 50, später 100 Mark Aufwandsentschädigung, dazu Kilometergeld. Sie sagt: „Du darfst es nicht wegen des Geldes machen.“ Butzen arbeitete vor ihrem Ruhestand als Kaufmännische Angestellte – „und ich hatte einen Chef, der großes Verständnis für mein Hobby hatte“. Sie konnte sich die Freiheiten nehmen, die sie brauchte, um als Schiedsrichterin so weit zu kommen, wie sie es geschafft hat.

Mittlerweile nimmt Butzen die Pfeife nur noch „ab und zu“ in die Hand, bei Schülerturnieren zum Beispiel. Was nicht bedeutet, dass sie weniger mit der Schiedsrichterei zu tun hat: Sie beobachtet seit Jahren Unparteiische; im Januar will sie sich zur Vorsitzenden des Kreisschiedsrichterausschusses in Aachen wählen lassen. Butzen sagt: „Das ist eine tolle Herausforderung.“ Die sie mit Spaß, Talent und Ehrgeiz angehen würde. Und ohne Mittagsschläfchen.

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