Aachen: Kinderuni: Vom Aushebeln und Durchschlüpfen auf der Matte

Aachen : Kinderuni: Vom Aushebeln und Durchschlüpfen auf der Matte

40.000 Zuschauer wie bei den antiken Spielen in Olympia passten zwar nicht in den Hörsaal des C.A.R.L. Doch Spektakuläres wie bei den Wettkämpfen vor bald 3000 Jahren bekamen die jungen Studierenden der Kinderuni des Zeitungsverlages und der RWTH Aachen ebenfalls zu sehen.

Die 13-jährigen Ringer Max Sailer und Sean Ullrich von der Eintracht Walheim, beide dritte Landesmeister in ihrer Alters- und Gewichtsklasse, traten sich gegenüber, schlüpften durch, hebelten aus, zogen an Arm, Bein oder Kopf, befreiten sich mit Flickflack und warfen schließlich ihren Gegner auf den Rücken. Da hielt der ganze Hörsaal den Atem an.

Dabei wollte Kinderuni-Dozent Professor Klaus Freitag vom Historischen Institut der RWTH eigentlich die Frage klären, ob Griechen und Römer auch schon Fußball spielten. Doch das ließ sich schnell beantworten: „Nein, taten sie nicht“, sagte Freitag. Gleichwohl trieben sie viel Sport: Diskuswerfen, Speerwerfen, Weitsprung, Laufen und, genau, Ringen. „Allerdings nannten sie es noch Allkampf“, berichtete der Spezialist für Alte Geschichte.

Auch sonst gab es einige Unterschiede zu Max und Sean. Durften sich die beiden Walheimer Ringer in — zugegeben hautengen — Anzügen in rot und blau präsentieren, traten die antiken Sportler wohl eher nackt an. „War denen das nicht peinlich?“, lautete da natürlich die ungläubige Frage aus dem Plenum. „Das ist möglich. Aber vielleicht durften deshalb keine Frauen ins Stadion“, lautete Freitags Antwort und nannte damit schon eine wesentliche Regel für die antiken Wettkämpfe. Regeln gab es auch für die altertümlichen Ringer: „Auf dieser Vase sieht man einen Ringer, der seinem Gegner in die Augen stechen will“, zeigte Freitag den Mädchen und Jungen im C.A.R.L. unlautere Methoden von damals. Werden heute aber unfaire Kämpfer mit der Trillerpfeife des Kampfrichters zur Ordnung gerufen, erwarteten die antiken Kämpfer deutlich härtere Strafen: Sofort einen Hieb mit der Gerte und anschließend die Strafzahlung von zwei Talenten Silber — 60 Kilogramm. Und auch nur der Sieger wurde damals geehrt. „Zweite oder gar dritte Sieger gab es nicht.“ Ein Vorteil für Max und Sean, heute Ringer zu sein.

Und noch etwas ist heute besser: Max und Sean hätten auch Maxima und Sabrina heißen können. „Vor mehr als 20 Jahren entdeckten auch die Frauen das Ringen, seit 2004 ist es olympisch“, berichtete Eintracht-Trainer Klaus Sailer. „Mädchen können genauso hart zupacken. Manchmal verlieren die Jungs auch gegen die Mädchen.“

Früher war eben doch nicht alles besser.

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