Aachen: Kinderuni: Ein windiger Typ stellt eine genial-luftige Idee vor

Aachen : Kinderuni: Ein windiger Typ stellt eine genial-luftige Idee vor

Eine ziemlich windige Person fegte am Freitag zu Beginn der ersten Vorlesung der Kinderuni in diesem Halbjahr in den RWTH-Hörsaal im C.A.R.L.: Professor Luftikus Wirbelwind wollte eigentlich zum Patentamt und war falsch abgebogen. Er nutzte aber sogleich die „Öffentlichkeit“ — also einen mit lauter wissbegierigen Kindern besetzten Hörsaal — um seine „geniale Idee“ vorzustellen.

Den wirbelwind’schen Windfänger. „Kombiniert mit dem wirbelwind’schen Rollbrett ist es die Mobilitätsform der Zukunft. Vergesst das Auto! Man kommt überall hin und es macht auch noch Spaß“, versuchte er die Kinder zu überzeugen.

Die waren allerdings skeptisch und wurden in ihrer Vermutung von Professor Frank Kemper, dem eigentlichen Dozenten der Kinderuni, bestätigt: „Wind hat leider nur manchmal die passende Geschwindigkeit und kommt selten aus der passenden Richtung.“

Frank Kemper ist ein super guter Windexperte — vor allem, wenn es darum geht, herauszufinden, wie sich verschiedene Körper, zum Beispiel Brücken oder Fußballstadien im Wind verhalten. Dafür macht der Wissenschaftler mit seinem Team zum Beispiel Versuche im Windkanal der RWTH Aachen. Einen kleinen Windkanal hat er auch für die Kinderuni mitgebracht — und zerzauste damit erst einmal die Frisuren der Kinder in den ersten Reihen.

Doch eigentlich wollte er zusammen mit den Kindern ergründen, auf welche Form mehr Windkraft wirkt. Dafür hängte er zunächst eine Styroporkugel und anschließend eine -scheibe in den Windkanal. Für beide gilt: „Doppelt so hohe Windgeschwindigkeit bedeutet vier Mal so viel Kraft“, erklärte er den Kindern das Ergebnis des Experiments. „Und auf die Scheibe wirkt deutlich mehr Kraft als auf die Kugel, denn dort entstehen an den scharfen Kanten Wirbel.“ Dass zu viel Wind nicht nur hinderlich beim Federballspielen ist, wussten die Kinder bereits aus eigener Erfahrung: Das Sturmtief Frederike hatte den meisten von ihnen am 18. Januar schulfrei beschert.

Beeindruckt waren sie dennoch, als ihnen Frank Kemper das Video vom Einsturz der Tacoma Narrow Brücke zeigte. Die „galoppierende Gerti“ war 1940 nur sechs Monate nach Fertigstellung des Baus durch winderregte Schwingung eingestürzt. „Deshalb rechnen wir heute so genau, wie viel Wind auf ein hohes Gebäude, eine Brücke oder einen Kran einwirkt“, sagte Kemper zum Abschluss. Von dieser Notwendigkeit waren die Vorlesungsbesucher dann eindeutig überzeugt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kinderuni: Lernen mit Professor Luftikus Wirbelwind

(xen)
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