Aachen: Der gebrochene Arm in der Kinderuni

Aachen : Der gebrochene Arm in der Kinderuni

Christoph ist vom Baum gefallen und hat sich beide Unterarmknochen — Elle und Speiche — des rechten Arms gebrochen. „Der Ast, auf dem ich stand, ist abgebrochen“, erzählte der Siebenjährige. Das war vor einer Woche. Am Freitag saß er schon wieder bei der Kinderuni der RWTH Aachen und des Zeitungsverlages Aachen im Hörsaalgebäude „Carl“. Zwar mit Gips, aber ansonsten quietschvergnügt.

Dass das ganz anders aussah, als er im Klinikum ankam, berichtete Matthias Knobe. Der Unfallchirurg und leitende Oberarzt an der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie hat Christoph behandelt und erzählte nun den Besuchern der Kinderuni vom „Hals- und Beinbruch und warum man das wirklich niemandem wünschen sollte“.

Denn an den Fotos von Christoph in der Notaufnahme des Uniklinikums sieht man eindeutig: Knochenbrüche tun weh. Das wussten auch viele Kinder im Hörsaal — aus leidiger Erfahrung. „Aber als Kind hat man gute Chancen, dass das wieder gut heilt“, erklärte Knobe. Das liege vor allem an der Wachstumsfuge, „die nur ihr Kinder habt“. In den Röntgenbildern, die Knobe auf die Leinwand projizierte, sah man sehr gut die Rille am Ende des Knochens, die es dem Knochen ermöglicht zu wachsen. Das Knochenwachstum kann sogar Verbiegungen bis zu 30 Grad ausgleichen — da sind Kinder also klar im Vorteil. Nicht immer müssen eine Operation und ein Gips her.

Wenn aber doch — wie im Fall von Christoph — ist der Einsatz des Chirurgen gefragt. Mit Haube, Mundschutz, Handschuhen und Kittel gehen sie in die Operation, damit keine Bakterien in die Wunde geraten. Die Arbeitsmittel des Chirurgen sind oft Bohrmaschine, Nägel und Drähte — fast wie in einer Werkstatt. Er muss sich zudem mit den Knochen im Körper auskennen, aber auch von den darum liegenden Strukturen von Muskeln, Blutgefäßen und Nerven muss er wissen. „Sonst hat der Patient am Ende kein Gefühl mehr in der Hand, wenn die Nerven durchtrennt werden“, erzählte Knobe.

Wie Brüche mit Gipsen versorgt werden, zeigten seine Mitarbeiter live im Hörsaal. Zwei Kindern wurde der Arm eingegipst, nach dem Trocknen mit einer Gipssäge wieder aufgesägt, damit es nicht zu Stauungen kommt, und schließlich mit einem bunten elastischen Verband umwickelt. So musste sich Christoph nicht mehr allein fühlen.