Aachen: Die Krise spornt die Karlspreis-Verantwortlichen an

Aachen : Die Krise spornt die Karlspreis-Verantwortlichen an

50 Termine in 32 Tagen — das ist eine Hausnummer, auf die die Karlspreis-Verantwortlichen stolz sind. Als „einzigartig“ bezeichnet Jürgen Linden, Sprecher des Karlspreis-Direktoriums, das Rahmenprogramm in seiner Breite und in seiner Qualität, das in diesem Jahr rund um die Preisverleihung an den britischen Historiker Timothy Garton Ash gestrickt worden ist. „Andere Städte würden sich nach einem solchen Programm die Finger lecken“, ist er überzeugt.

Nötig sei das Angebot allemale, findet Linden. Denn die Krise, in der Europa seit einigen Jahren steckt, habe sich weiter verschärft und werde mit dem „Brexit“ — also dem EU-Austritt der Briten — in den nächsten anderthalb Jahren eine neue Dimension erreichen, fürchtet Linden. Er fügt hinzu, dass der Karlspreis in den zurückliegenden sechs Jahrzehnten konsequent für Europa geworben habe. „Jetzt sehen wir uns veranlasst, noch stärker zu werben und noch stärker über Europa und seine Probleme zu informieren.“

Das 64-seitige Programmheft, das seit Montag an vielen Stellen der Stadt ausliegt und auch im Internet abgerufen werden kann, zeuge auch von der guten Zusammenarbeit mit vielen Partnern, darunter insbesondere auch den Hochschulen, denen in diesem Jahr eine besondere Rolle zukommt. Auch der Preisträger ist ein Mann der Wissenschaft.

„Mit diesen Partnern wächst das Programm fast von alleine“, meint Oberbürgermeister Marcel Philipp. Mehr als 1000 Veranstaltungen habe man seit 1990 auf die Beine gestellt, hat er errechnet, wobei das Spektrum stets denkbar breit ist: Ausstellungen, Filme, Vorträge, Diskussionen, Lesungen, Konzerte — all das wird auch in diesem Jahr geboten. Mit dabei ist auch der Zeitungsverlag Aachen, der unter anderem mit fünf Vertretern der fünf großen Parteien der Frage nachgehen wird: Welches Europa wollen wir — und wie viel?“

Antworten geben sollen Klaus Hänsch, SPD (Dienstag, 2. Mai.), Sahra Wagenknecht, Linke (Mittwoch, 3. Mai), Alexander Graf Lambsdorff, FDP (Donnerstag, 4. Mai), Reinhard Bütikofer, Grüne (Montag, 8. Mai), und Friedrich Merz, CDU (Dienstag, 9. Mai), jeweils ab 18.30 Uhr im Ludwig-Forum, Jülicher Straße.

Das Themenspektrum sei in diesem Jahr aber auch durch viele äußere Ereignisse besonders breit, sagt Philipp. So werde man über die künftige Beziehung zu den Briten, die trotz Brexit weiter ein Teil Europas sein werden, genauso diskutieren wie über die Folgen der Präsidentschaft Donald Trumps für Europa.

Und natürlich sollen auch Timothy Garton Ashs Überlegungen zur „Redefreiheit“ thematisiert werden. In mehreren Veranstaltungen soll untersucht werden, wie sich durch die Digitalisierung das Machtgefüge in der Gesellschaft verschiebt.

Noch über die letzte Minute hinaus ist in diesem Jahr an dem Rahmenprogramm gearbeitet worden, sagt Karlspreis Geschäftsführer Bernd Vincken. Was dazu geführt hat, dass ein Teilnehmer noch gar nicht im Programmheft aufgeführt wird: Daniel Röder, Gründer der Bewegung „Pulse of Europe“, die inzwischen auch in Aachen Woche für Woche mehr als 1000 Europa-Befürworter auf die Straße holt, wird am 17. Mai zu einer Diskussion an der RWTH erwartet und zudem zur Preisverleihung anreisen. „Diese positive Bewegung“, wie es Linden umschreibt, soll ab sofort auch in das traditionelle Open-Air-Fest am Himmelfahrtstag und am Tag zuvor einbezogen werden.

„Wir stellen uns einen Karlspreis mit Spaß und Begeisterung vor“, sagt Philipp. Das sollen nicht zuletzt die Tänzer, Akrobaten, Bands, Chöre und Künstler gewährleisten, die der städtische Kulturbetrieb am Mittwoch und Donnerstag, 24. und 25. Mai, zum „Karlspreis Live“ auf die Bühne am Katschhof holt. Am Vorabend der Karlspreisverleihung beginnt das Open-Air-Programm um 16 Uhr, gegen 19 Uhr ist Gelegenheit, Timothy Garton Ash im Gespräch mit „Nachrichten“-Chefredakteur Bernd Mathieu zu erleben. Am Himmelfahrtstag wird auf dem Katschhof von 11 bis 22 Uhr gefeiert.