Kreis Heinsberg: Sonnige Kunsttour ist ein doppelter Genuss

Kreis Heinsberg: Sonnige Kunsttour ist ein doppelter Genuss

Die Sonne strahlte zum „Zehnjährigen”: Bei der zehnten Auflage der Kunsttour, des Tages der offenen Ateliers und Galerien in der Freizeit-Region Heinsberg, mit insgesamt 42 Stationen wurden die Kunstfreunde am Sonntag von Sonnenschein begleitet.

„Neues vom Nashorn oder Sonntag gehen wir in den Zoo” heißt die kleine Ausstellung tierischer Bildobjekte von Gert Jäger, die der Horster Künstler eigens zur zehnten Kunsttour vorbereitet hatte. Als Gastkünstler hatte sich Jäger den Fotografen Uwe Piper aus Dremmen in sein Atelierhaus „Eins9” am Ortsrand von Horst eingeladen. Jäger hat seine tierischen Bildobjekte, vorgefundene und bearbeitete Kleinplastiken von Elefant, Nashorn und Co., in kleine Holzkästen gepackt. Einem Elefantenkopf hat er die Daten von Atomunfällen bis hin zu Fukushima mit in den Kasten gegeben. „Der Elefant hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis”, so Jäger leicht ironisch, „wir Menschen wohl nicht.” „Das Meer ist für mich Sinnbild von Anfang und Ende”, hat der große japanische Fotograf Hiroshi Sugimoto mal gesagt. Uwe Piper teilt diese Auffassung und hatte sich für die Kunsttour zu einer Präsentation seiner Meerbilder entschieden. Wunderbare Fotografien von Strand und Wasser, von Anfang und Ende Ñ wie gewohnt perfekt geprinted.

Auch Patricia Mees, die Geschäftsführerin vom Heinsberger Tourist-Service, der die Kunsttour alljährlich organisiert, genoss bei ihrer persönlichen Tour die Arbeiten von Jäger und Piper. „Die ausgesprochen angenehme Atmosphäre zwischen Künstlern und Besuchern trägt ganz wesentlich zum besonderen Flair der Kunsttour bei”, freute sich Mees.

Nur ein Hobby?

„Machen Sie das als Hobby?” Renate Schell, Künstlerin aus Übach-Palenberg, schluckte kurz und erklärte der Kunsttour-Besucherin ganz höflich, dass diese dort drüben Bilder aus ihrer Ausstellung im Kreismuseum Heinsberg stammen, die den Titel trug: „Und sie kämmt ihr goldenes Haar”. Und sie erklärte, dass, auch wenn man vielleicht von seiner Kunst nicht leben könne, man doch kein Hobbykünstler sei. Das ist das Schöne an der Kunsttour: Weder Besucher noch Künstler wissen, auf wen sie als Nächsten treffen. Beili Zhou hatte ihre Kollegin Renate Schell in ihr Wassenberger Atelier eingeladen. Beide präsentierten zur Kunsttour nicht nur gemeinsam ihre Bilder, sondern auch gemeinsame Arbeiten - Drucke, die mit zwei Druckstöcken bedruckt wurden, einer stammte aus der Hand von Zhou, einer aus der Hand von Schell. Beili Zhou führte die Besucher auch in ihre neue Arbeiten ein, die sich mit der Musik von John Cage und Karl-Heinz Stockhausen befassen. Renate Scheel hatte ebenfalls ganz aktuelle Arbeiten mitgebracht, Leinwände, die sie mit Chinapapier beschichtet und in die sie dann mit einem schwarzen Faden Konturen einnäht. Wie viele andere Besucher meinte „Kunsttouristin” Anita Erdweg: „Das ist ein doppelter Genuss, wenn man so schöne Sachen in solch einem Ambiente erleben darf und dann auch noch bei so schönem Wetter.”

Im Rahmen der Kunsttour öffnete auch Bildhauer Karl Heinz Heming in der Erkelenzer Ortschaft Berverath sein Atelier und stellte gemeinsam mit dem Autor, Grafiker und Objektkünstler Wolfgang Sternkopf aus Gelsenkirchen Arbeiten aus, die einen nachhaltigen Eindruck hinterließen. Während Heming Steckobjekte aus Pappel- und Flugzeugsperrholz zeigte, präsentierte Sternkopf die Grafik „Wir haben uns angepasst...”, Acryl auf Leinwand, 50x50 Zentimeter groß.

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