Aachen: Selbst das Sauerland nimmt es mit Humor

Aachen : Selbst das Sauerland nimmt es mit Humor

Die Nähe zum kleinen Narrenkäfig in der Kulisse war ihm nicht ganz geheuer. Zumindest noch nicht - so mitten im Sommer und in der VIP-Lounge des Aachener Reitturniers.

Aber grundsätzlich hat sich Friedrich Merz rasch mit dem Gedanken angefreundet, die große Version des Käfigs am 11. Februar 2006 zu besteigen.

„Meine Frau und ich sind schon seit einigen Jahren Gäste beim Orden wider den tierischen Ernst und freuen uns jedes Mal aufs Kommen”, meinte der designierte Ordensritter gestern bei einer CHIO-Stippvisite samt Begegnung mit dem AKV. „Ich hätte mir jedoch nie vorstellen können, dass mich eines Tages selbst der Ruf ereilen würde, die Mütze aufzusetzen.”

Unserem Redakteur Hanns Bittmann verriet der CDU-Finanzexperte weitere Details über seine Beziehung zu Aachen und dem närrischen Orden.

Bei der kommenden Fernsehsitzung spielt die Reitsport-WM eine große Rolle, der AKV hat schon vor Jahren einen dazu passenden Ritter angekündigt. Wie sportlich sind Sie, haben Sie vielleicht schon mal auf einem Pferd gesessen?
Merz: Sicher, ich hab zu meiner Schulzeit und auch noch im Studium selbst geritten. Heute komme ich nicht mehr dazu, gucke es mir aber nach wie vor gern an und bin auch mehrfach einen Tag beim CHIO gewesen. Dieses Jahr klappt das leider nicht, weil wir am Sonntag in Dortmund die Eröffnungsveranstaltung zum Wahlkampf-Endspurt haben. Umso mehr freue ich mich, jetzt wenigstens kurz vorbeischauen zu können.

Der CHIO kann Sie sportlich begeistern; was gefällt Ihnen denn beim „Tierischen Ernst”?

Merz: Ich habe es immer sehr genossen, wie sehr die ganze Stadt da mitfeiert und das die Identität der Aachener doch prägt. Ich habe mir die Sitzung schon als Jugendlicher gern im Fernsehen angeguckt. Die ganze Atmosphäre und das Fest hinterher ist schön, eine ausgelassene fröhliche Stimmung.

Für wie humorvoll halten Sie sich?

Merz: Solche Selbsteinschätzungen sind immer falsch, das müssen andere beurteilen. Andererseits bin ich humorvoll genug, dass der AKV mich für würdig befindet, 56. Ordensritter zu werden. Das tue ich gern, und ich hoffe, dass ich dabei meinen Humor unter Beweis stellen kann.

Ist der Orden eine Adelung für einen Sauerländer oder in Ihrer Heimat eher ein Hindernis?

Merz: Es ist eine Ehre, absolut. Auch die Sauerländer, die gemeinhin als knochentrocken und nicht so humorvoll wie die Rheinländer gelten, haben es mit Zustimmung und Freude aufgenommen.

Gab es auch Gratulationen aus der Politik?

Merz: Aber ja! Eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen hat mich in Berlin darauf angesprochen und gratuliert: Renate Schmidt , Edmund Stoiber und andere, die in Aachen schon Ritter gewesen sind. Sie freuen sich mit mir, und es werden ja auch viele von ihnen selbst dabei sein. Das ist parteiübergreifend.

Wird Frau Merkel auch kommen?

Merz: Das weiß ich nicht, da müssen Sie Frau Merkel fragen. Ich würd mich freuen...

Was werden Sie dem Publikum in Aachen und am Fernsehen bieten?

Merz: Auch für einen Politiker, der gewohnt ist zu reden, ist das eine schwierige Aufgabe. Ich bin schon etwas nervös, ob alles gut gelingt, die Ansprüche des Publikums sind hoch. Aber ich bereite mich gründlich darauf vor, und was ich sagen will, verdichtet sich langsam. Dass die Soers dabei eine Rolle spielt, ist ebenso wahrscheinlich wie das Auftauchen eines Bierdeckels.

Dann können Sie ja für übernächstes Jahr eine Laudatio auf Paul Kirchhof vorbereiten, wenn der als Finanzminister die Steuererklärung sogar auf einem halben Bierdeckel unterbringt.

Merz: Ich habe Respekt vor jeder Entscheidung des AKV, die meinen Nachfolger betrifft. Aber darüber machen wir uns noch keine Gedanken. Immer schön der Reihe nach!

Der Wahlkampf bestimmt in den kommenden Wochen Ihren Terminkalender; ist da die Ernennung zum Ordensritter hilfreich?

Merz: Nach meiner Beobachtung spielt das keine Rolle. Es passt nicht in die Parteipolitik und in den Wahlkampf, es schadet mir auch nicht - aber ich würde gar nicht erst versuchen, das nutzbringend einzusetzen.

Wann sind Sie das nächste Mal in Aachen, wenn Sie wegen des Wahlkampfes schon nicht das Turnier genießen können?

Merz: Vielleicht ergibt sich noch die eine oder andere Gelegenheit im Vorfeld der Sitzung - spätestens aber am 11. Februar. Erst mal warten wir den September ab.