Kreis Heinsberg: Seit 20 Jahren gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch

Kreis Heinsberg: Seit 20 Jahren gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch

Der Arbeitskreis gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch im Kreis Heinsberg rüttelt seit vielen Jahren die Menschen in der Region für die sensible Thematik auf. Im Haus Basten in Geilenkirchen, wo zugleich auch die Ausstellung „Opfer” vom Weißen Ring zu sehen war, wurde das 20-jährige Bestehen gefeiert.

„Am schönsten wäre es, wenn dieser Arbeitskreis überflüssig wäre”, sagte Landrat Stephan Pusch in seiner Ansprache. Häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch seien Deliktsformen, die schon immer mit einer hohen Dunkelziffer behaftet seien.

Opfer würden aus Scham und Abhängigkeiten schweigen oder wüssten nicht, ob und wie sie Hilfe erlangen könnten. Die Situation habe sich inzwischen deutlich verbessert, die Problematik werde intensiv in der Öffentlichkeit diskutiert. „Dies ist unter anderem auch aktiven Netzwerken wie dem Arbeitskreis zu verdanken”, so Pusch.

So sei auch der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch ein fester Bestandteil in der Organisationsstruktur des Arbeitskreises; dieser werde jährlich im Sitzungssaal des Kreishauses einberufen.

Heute setze sich der Arbeitskreis aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Jugendämtern, Erziehungsberatungsstellen, Frauenhaus, sozialen Diensten sowie Jugend- und Familienhilfe zusammen, aber auch Schulsozialarbeit, Betreuungsverein der Lebenshilfe, Opferservice des Landschaftsverbandes Rheinland, eine Anwaltskanzlei, die Integrationsagentur, die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Polizei und Weißer Ring wirken mit.

Franz Heinrichs, Sprecher des Arbeitskreises, ging kurz auf die Entstehungsgeschichte des Arbeitskreises ein. Vor 20 Jahren bildete sich im Kreis Heinsberg ein Arbeitskreis gegen sexuellen Missbrauch, der insbesondere die Öffentlichkeit für dieses wichtige Thema sensibilisieren wollte.

Darüber hinaus war auch das gegenseitige Kennenlernen unterschiedlicher Professionen wichtig, um Betroffenen zielgerichtet helfen zu können. Einige Jahre später bildete sich ein gesonderter Arbeitskreis gegen häusliche Gewalt, der zum Teil aus den gleichen Personen bestand. Daher lag es nahe, dass vor beinahe zehn Jahren beide Gremien zu einem gemeinsamen Arbeitskreis fusionierten.

„Wir sind für die Opfer da. Alle Akteure sind am Thema und an den betroffenen Menschen interessiert”, machte der Kriminalhauptkommissar klar. Dabei gehe es immer um Einzelschicksale.

Heinrichs ließ zahlreiche Veranstaltungen und Treffen des Arbeitskreises Revue passieren, bevor er das Wort an die Referentin dieser Jubilumsveranstaltung, Diplom-Pädagogin Gisela Braun von der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz, Landesstelle Nordrhein-Westfalen in Köln, weitergab.

„Seit 20 Jahren Prävention - und immer noch kein Ende”, verdeutlichte Gisela Braun auf außergewöhnlich lockere Art die Ernsthaftigkeit des Themas. In Theaterform, auch mit Zwiegespräch, ging sie auf die Thematik an. „Ich möchte Ihnen im Kopf die Kinder ranholen, um die es geht”, fuhr sie fort und las eine Geschichte vor, von einem kleinen Mädchen, das häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch erfahren hatte.

Dabei habe das Kind Angst und Ekel, Ausgeliefertsein, Einsamkeit und Sprachlosigkeit empfunden. Dann kam die Geschichte von Sven, einem jungen Fußballer, der seinem Trainer vertraute und ebenso Opfer von sexuellen Missbrauch wurde. Die Beispiele machten klar: „Kinder werden manipuliert.”

„Wir müssen gemeinsam handeln, Kinder unterstützen, ihnen den Rücken frei halten”, lautete der Appell von Gisela Braun. Kinder bräuchten Menschen, denen sie etwas bedeuten würden. Jedes Kind habe eine Seele.