Gangelt: Sechs Hände sorgen für virtuosen Hochgenuss

Gangelt: Sechs Hände sorgen für virtuosen Hochgenuss

Im Jahr 2006 schlossen sich drei hochbegabte Studenten der Wiener Universität zu einem bemerkenswerten Gitarrentrio zusammen, das den launigen Namen „Los Ungaros” erhielt.

Damit wurde auf das Stammland der Gitarre angespielt (nämlich Spanien), aber auch auf die Heimat zweier Mitglieder: Lajo Horváth, der 1981 in Budapest geboren wurde, an der dortigen Franz-Liszt-Hochschule studierte und danach zur Wiener Universität ging, wo er zur Zeit seine Doktorarbeit schreibt, sowie László Szabó, der in Györ (dem früheren Raab) das Licht der Welt erblickte, zunächst an der Musikfakultät der Széchenyi István-Universität ausgebildet wurde und dann ein weiterführendes Gitarrenstudium an der Wiener Universität mit Auszeichnung abschloss. Beide Musiker erhielten außerdem mehrfach internationale Auszeichnungen bei Wettbewerben.

Der Dritte im Bunde ist Gonzalo Maurique, 1979 in Lima (Peru) geboren, der an der dortigen Hochschule seine Ausbildung mit dem Konzertdiplom absolvierte und seine Studien danach in Madrid und Wien fortsetzte.

Das Trio „Los Ungaros” hat sich inzwischen international einen Namen gemacht und wurde kürzlich auch zu einem Konzertabend im Foyer des Gangelter Rathauses eingeladen.

Leider hatten sich nur etwa 50 Zuhörer eingefunden, aber sie durften sich auf einen musikalischen Hochgenuss freuen. Eröffnet wurde das Programm mit zwei Eigenkompositionen von Lászlo Szabó, die sich im Hinblick auf die Harmonik bemerkenswert traditionsverbunden gaben, was ihre Allgemeinverständlichkeit sehr erleichterte - heutzutage bekanntlich eher die Ausnahme als die Regel.

„Chanson Fantasia”

Die „Chanson Fantasia” griff sogar die äolische Kirchentonart auf und verbreitete damit unverkennbar Pußta-Romantik, während die Toccata äußerst lebhaft und geheimnisvoll vorüberhuschte. Weiter ging es mit der „Pathétique”-Sonate c-moll op. 13 von Ludwig van Beethoven.

Das bekannte Klavierwerk konnte man hier in einer sehr interessanten Version für drei Gitarren erleben. Allerdings verfügt die Gitarre nun einmal nicht über die Lautstärken-Bandbreite des Klaviers, so dass die Gesamtwirkung ein wenig hinter dem Original zurücktrat.

Dennoch gelang den drei „Ungaros” eine überaus fesselnde musikalisch-technische Wiedergabe dieses Frühwerkes, das in seiner hochdramatischen Klangsprache und seiner progressiven Dynamik bereits in vieler Hinsicht den reifen Meister vorwegnimmt. Eine Meisterleistung waren auch die „Danzas Cubanas” von Ignacio Cervantes, die in die Welt der Karibik entführte. Neun rhythmisch beschwingte, stark kontrastierende Tanzsätze zogen vorüber, bei denen zuweilen sogar der Bauch der Gitarre zum Schlaginstrument avancierte.

Nach der Pause wurde es dann barock mit der Sinfonia aus der Kantate „Wir danken dir Gott, wir danken dir” BWV 29, die Johann Sebastian Bach anlässlich der Ratswahl der Stadt Leipzig im Jahre 1731 komponierte.

Das Stück enthält einen umfangreichen Orgelsolopart mit vielen Arpeggien (gebrochenen Akkorden), was sich also für eine Bearbeitung für Gitarre geradezu anbietet.

Dagegen griff die Tarantella op. 9 aus der Feder von Reinhold Glière, einem russischen Komponisten belgischer Abstammung, wieder spanische Folklore auf. Mit dem Brasilianer Ernesto Nazareth war dann auch die Musik Lateinamerikas vertreten: Der Walzer „Cré de Espera” und die drei Tangos „Nove de Julho”, „Rebolico” und „Fon-Fon!” ließen die Welt der Tanzsalons von Rio de Janeiro aufleben.

Und auch die Opernfreunde kamen auf ihre Kosten mit der „Fantasie brillante sur Carmen”, wo bekannte Melodien aus dem berühmten Bühnenwerk von Georges Bizet verarbeitet wurden. Nachdem die „Czardas” von Vittorio Monti - nochmals eine Reverenz an die Heimat der „Los Ungaros” - verklungen war, gab es stürmischen Applaus für die drei Künstler und natürlich auch noch eine Zugabe zur Abrundung eines schönen Herbstabends.

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