Kreis Heinsberg: „Schülerseminar“: Berufswahl-Vorbereitung hat hohen Stellenwert

Kreis Heinsberg: „Schülerseminar“: Berufswahl-Vorbereitung hat hohen Stellenwert

„Ich zeig‘ euch mal die Stellenanzeige, auf die ich mich beworben habe“, sagt Lehrer Niklas Scholz den Schülern der Klasse neun, die in seine Doppelstunde des „Schülerseminars“ in der Heinsberger Realschule gekommen sind. „Und danach zeige ich euch mein Bewerbungsschreiben. Seit einem Jahr bin ich nun hier, da kann es ja gar nicht so schlecht gewesen sein“, schmunzelt er und ist damit ganz praxisnah bei dem, was er den Schülern im Computerraum der Schule vermitteln will: eine gute Bewerbung zu schreiben.

Drei Pädagogen als Team

Scholz, eigentlich Lehrer für Sport und Erdkunde, ist einer von drei Pädagogen im Team, die sich in der freiwilligen Arbeitsgemeinschaft namens „Schülerseminar“ wöchentlich an einem Nachmittag in einer Doppelstunde engagieren. Diese gibt es an der Realschule bereits seit mehr als 20 Jahren. Seit nunmehr zehn Jahren ist auch der zweite Konrektor Ewald Wagner dabei, der in Schule für die sogenannte Berufswahl-Vorbereitung zuständig ist. Während Scholz sich dem Bereich Allgemeinbildung widmet, konzentriert sich Ewald auf den Schwerpunkt Deutsch. Dritte im Bunde ist die Kollegin Rebekka Kohnen, die mit den Schülern die bei der Berufswahl notwendigen mathematischen Fähigkeiten vertieft.

Immer ist es mehr als die Hälfte der Schüler in der Kasse neun, die dieses freiwillige Angebot der Schule annimmt. „Die richtige Berufswahl zu treffen, ist für Jugendliche meist nicht nur schwierig, sondern vor allem entscheidend für das weitere Leben“, begründet Wagner das Engagement seiner Schule in diesem Bereich. Neben dem vertiefenden Unterricht in der Schule stehen Besuch in Betrieben, in Verwaltung, Krankenhaus oder Kindergärten auf dem Programm des Seminars. „Der Besuch der jährlich stattfindenden Berufs- und Informationsbörse Education der AOK ist ebenfalls ein fester Bestandteil“, sagt Wagner.

Niemand bleibt ohne Anschluss

Vertreter von Banken, Betrieben oder Versicherungen besuchen die Schüler im Seminar. „Sie beantworten Fragen zur Berufsfindung und informieren beispielsweise darüber, wie Schüler ihre persönlichen Stärken erkennen und präsentieren können“, erklärt Wagner. Zudem würden sie den Schülern erläutern, was in ein Bewerbungsschreiben und einen Lebenslauf gehört. Vorstellungs­ge­spräche würden in diesem Rahmen ebenso trainiert wie etwa wesentliche Elemente sogenannter Assessment-Center. Zum Abschluss des Seminars erfahren die Schüler schließlich für sie wichtige Details zu Themen wie Kontoführung oder Sozialversicherung. Nicht zu vergessen die Kurs-Lernpartnerschaften, von denen die Realschule gleich fünf unterhält. In diesem Rahmen werden ebenfalls Werkstätten besucht oder Besuche von Unternehmensvertretern im „Schülerseminar“ organisiert. Die Berufswahl-Vorbereitung an der Heinsberger Realschule geht aber noch weit über die Aktivitäten im Schülerseminar hinaus. So besuchen alle Schüler der Klasse neun das Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit. Wagner organisiert darüber hinaus für die Schüler nach einer ersten Information in den Klassen neun und zehn individuelle Termine mit der Berufsberatung, auch im Rahmen von Elternsprechtagen gemeinsam mit den Eltern. Vertreter weiterführender Schulen informieren die Schüler der Klasse zehn in der Realschule über ihr Angebot. Drei Wochen des Schuljahres verbringen die Neuntklässler in einem Betriebspraktikum, bei dem sie von ihrem jeweiligen Klassenlehrer betreut werden. Alles in allem ein sehr erfolgreiches Engagement: „Wir hatten in den letzten Jahren niemanden, der ohne Anschluss geblieben ist“, berichtet Wagner stolz. Alle Abgänger der Realschule haben entweder eine Ausbildungsstelle angetreten oder sind in eine weitergehende Schulform gewechselt.

Austausch mit Personalleitern

„Das vielfältige Angebot bringt unseren Jugendlichen was“, so Wagners Fazit. „Und auch mir selbst. Ich erfahre in Gesprächen mit den Personalleitern, was in der Berufswelt gewünscht ist.“ Als Beispiel nennt er da die zunehmende Flexibilität, die heute bei einer ­Bewerbung erforderlich ist. „Wenn ich mich zum Beispiel für einen Beruf bewerbe, in dem es um Kreativität geht, dann muss ich mich heute auch kreativ bewerben. Mit einer Nullachtfünfzehn-Bewerbung kann ich da nicht mehr landen.“

(anna)
Mehr von Aachener Nachrichten